Leipzig liest

Die Goldenen Zwanziger in Leipzig

In der Gutenbergschule konnte man den literarischen und musikalischen Zeitgeist der Goldenen Zwanziger in Leipzig erleben.
Die Lesung "Die Goldenen Zwanziger in Leipzig"

In der Gutenbergschule für Buch, Büro, Druck, Medien, Sprachen und Kunst wurden zwischen alten Buchdruck- und Bindermaschinen Texte von Hans Reimann, Hans Natonek, Erich Kästner, Max Schwimmer und Heinrich Wiegand vorgetragen. Unter der Moderation von Dr. Mark Lehmstedt las die Schauspielerin Steffi Böttger die journalistischen Texten der Leipziger Autoren aus den 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Feuilletons und Glossen handeln von Gesellschaftskritik bis hin zu Theater- oder Musikkritiken im Leipzig der Weimarer Republik.

Mit Humor gegen die Nachkriegsstimmung

Mit viel Witz und Geist machten sie sich zum Beispiel über Themen wie dem Rauchen, die miserablen Kunstaustellungen in Leipziger Museen oder neumodischen, wilden Stilen wie dem aufkommenden Jazz her. Die Texte ließen beim Publikum sehr schnell ein Bild der vergangenen Zeit enststehen: noch in schlechter Verfassung aufgrund des Krieges gab es dennoch großes politisches Interesse, viele Meinungen und ein großes Angebot an Kultur. Und obwohl die Zeiten schwer waren, konnten die Leipziger Feuilletonisten es sich nicht nehmen lassen, witzige, sarkastische, ironische und zum Teil sehr derbe Kommentare auf ihre Zeit und die Menschen zu verfassen.

Alle Texte sind damals in Leipziger Zeitungen, wie zum Beispiel der Leipziger Volkszeitung, erschienen. Der Veranstalter der Lesung, der Lehmstedt Verlag Leipzig, hat die Artikel dieser Zeit zusammengetragen und in einzelnen Sammelbüchern zu den jeweiligen Autoren veröffentlicht. Allgemein befasst sich der Verlag mit unbekannten und vergessenen Autoren, Texten und Fotografien der mitteldeutschen Kulturgeschichte.

"Veronika, der Lenz ist da"

Untermalt wurde die Lesung mit musikalischen Stücken der Zeit. Jens Baermann gab am Flügel Lieder wie "Original-Charleston" aus dem Broadway-Musical "Running Wild", "In einer kleinen Konditorei" aus der Komödie "Die Jungfrau von Avalon" oder den Foxtrott "Ich hab das Fräul'n Helen' baden sehn" zum Besten. Und als die Veranstaltung schließlich mit "Veronika, der Lenz ist da" endete, gab es sicherlich so manchen, der den Text leise mitsang.

 

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