Leben

Die Frage nach Anfang und Ende

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, was Leben ist, gibt es nicht. Aus unterschiedlichen Perspektiven kann man sich ihr aber durchaus nähern. Neben Biologie und Medizin bietet etwa die Theologie ein Konzept an, das über das Irdische hinausreicht.
Wald
Der Wald als Inbegriff des sich ewig erneuernden Lebens.

Sexualkunde-Unterricht in der Schule. Hier kommen die meisten zum ersten Mal mit der Frage in Berührung, wie menschliches Leben entsteht. Von der Befruchtung der Eizelle bis hin zur Geburt wird in Biologie-Büchern alles beschrieben. Dabei ist durchaus umstritten, wann es tatsächlich beginnt. Genauso kontrovers debattieren die Gelehrten übrigens über sein Ende, den Tod. Mit Biologie, Medizin und Theologie stehen sich nur drei von vielen Perspektiven gegenüber.

Die Biologin Pauline Schopp arbeitet neben ihrem Medizinstudium am Uniklinikum in Jena. Sie erklärt, was sie unter Leben versteht. Leben im biologischen Sinne bezeichne ein Stoffsystem, das in der Lage sei, einen eigenen Stoff- und Energiewechsel zu betreiben. Es organisiere und reguliere sich selbst und sei relativ einfach zu messen. Ein wesentliches Merkmal für Leben ist im Übrigen die Fähigkeit zur Fortpflanzung. Aber auch zahlreiche andere Funktionen des Körpers wie etwa Atmung und Puls weisen darauf hin, dass er lebt. Damit ist für die Biologin geklärt, wo bzw. wann das Leben endet.

Wenn sich der Körper nicht mehr allein organisieren oder regulieren kann, wenn Stoff- und Energiewechsel ausbleiben.

Pauline Schopp, Biologin

Leben nach dem Sterben

Ähnlich beschreibt es auch Dr. Ronja Ramien. Sie ist als Ärztin in Ausbildung in einer Praxis in Berlin tätig. Aus medizinischer Sicht ende, laut ihr, mit dem Leben jegliche Interaktion mit der Umwelt und damit auch die Fähigkeit, auf Reize zu reagieren. Doch auch nach dem Tod sei der menschliche Körper längst nicht überflüssig oder bedeutungslos.

Nach dem Tod bleibt von einem lebenden Organismus im Grunde nur noch die Hülle erhalten. Und diese dient im Rahmen des Zersetzungsprozesses dann laut Wissenschaft dazu, anderen lebenden Organismen als Nahrungsquelle zur Verfügung zu stehen.

Ronja Ramien, Medizinerin und Ärztin in Ausbildung

So trägt also selbst ein biologisch und medizinisch toter Körper sehr wohl zum Leben bei. Der Tod ist somit nicht zwangsläufig das Ende des Lebens. Diese Annahme greifen religiöse Ideologien auf.

Theologe André Krause arbeitet als Pastor in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Leipzig. Er vertritt die Ansicht, dass es zu dem Geschaffensein als Mensch dazugehört, ewiges Leben zu haben. Es sei die Einheit von Leib, Seele und Geist, von dem ausschließlich erst genannter, der Körper sich verflüchtige und alles andere bleibe. Die Bibel halte unzählige Hinweise auf die Existenz eines Lebens nach dem Tod bereit. So zitiert etwa der Apostel Paulus in einem Brief Jesus mit den Worten:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer lebt und an mich glaubt, der wird niemals mehr sterben.

Die Bibel, Johannes 11, 25+26

An anderen Stellen beschreiben die Texte ziemlich konkret, was ewiges Leben bedeutet. Die Verheißung laute, so Krause, dass es einen neuen Himmel geben werde, in dem es kein Leid mehr gibt. Gott werde bei den Menschen wohnen und alles heil und ganz sein.

Häufig begegnet Krause Nicht-Christen, die darin eine Vertröstungsstrategie sehen. Diese diene lediglich dazu, das erlebte Leid kleinzureden. Der Pastor geht damit verständnisvoll um. Sicherlich helfe der Glaube an die Ewigkeit im Himmel, die Endlichkeit des Lebens auf der Erde erträglicher zu machen. Gleichzeitig verweist der Theologe ausdrücklich darauf, dass im Christentum beides stets zusammen gedacht wird.

Ich glaube, dass das entscheidend Wichtige ist, dass wir eine Perspektive für unser Leben haben und eine, die über unser Leben hinausgeht, um für das Leben heute Kraft zu schöpfen und Hoffnung zu haben. Wo Menschen diese Hoffnung auf das ewige Leben haben, entsteht eine ganz große Freiheit.

André Krause, Theologe und Pastor

Der Pastor und die Gläubigen verstehen das ewige Leben als ein Geschenk. Skeptiker können es derweil als Angebot ansehen. Der freie Wille, den Gott den Menschen zugestehe, erlaube jedem, sich für oder gegen ein Leben mit ihm zu entscheiden. Er nähme diesen Beschluss ernst, ist Krause sich sicher. Dieser habe dann entsprechende Konsequenzen. Letztendlich hänge es somit von dem persönlichen Glauben eines Menschen ab, was nach dem Leben auf der Erde bevorstehen mag.

Unschärfe als Gemeinsamkeit der Disziplinen

Auch in der Medizin wirft die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod heute wie früher große Rätsel auf. So deuten laut Pauline Schopp nämlich einige Studien an, dass anscheinend das Bewusstsein nach dem Zeitpunkt des Todes als noch funktionstüchtig beschrieben wurde. So konnten sich Befragte angeblich daran erinnern, noch etwas mitbekommen zu haben, nachdem sie medizinisch bereits für tot erklärt worden waren, berichtet Schopp.

Obwohl die Medizin die Existenz einer unsterblichen Seele verneint, sieht die Ärztin Ronja Ramien diese These kritisch. Ihrer Meinung nach gebe es weder einen Beweis dafür noch dagegen. So bleibe eben doch – auch in der Wissenschaft – etwas Spielraum zu vermuten, dass noch nicht alles erforscht wurde.

Ob nun der Tag des Jüngsten Gerichts oder der Hirntod den Ausgang des Lebens bestimmt, muss also vorerst offen bleiben. Selbst die Bibel weist darauf hin, dass eine Antwort letztlich jedem Einzelnen überlassen ist. Das zeigen schließlich Jesu Worte, die er seinem Versprechen des ewigen Lebens anhängt:

Glaubst du das?

Die Bibel, Johannes 11, 26

Hören Sie hier den Beitrag von mephisto 97.6-Redakteurin Frauke Siebels:

Was ist Leben? - ein Beitrag von Frauke Siebels
Beitrag Ewiges Leben - Frauke Siebels

 

 

Kommentare

Super Beitrag. Mutig 3 Disziplinen anzusprechen und nebeneinander miteinander zu verbinden.
Ist natürlich möglich, weil es eben zusammenhängt.
Körper, Geist und Seele lassen sich eben (auch durch verschiedenen Disziplinen) nicht trennen, denn sie bilden ein System. Leben eben!
Toll, wie Du so etwas komplexes "handlich" gemacht hast.
Und dann noch die Botschaft verbastelt.
Hut ab!!!!!!!
Klasse!
Ich bin stolz auf Dich.

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Frauke Siebels
05.01.2018 - 17:48
  Kultur