Konzertbericht: Die Heiterkeit

Die Eiskönigin in Concert

Es war Anfang März als Die Heiterkeit ihr viertes Album „Was passiert ist“ veröffentlicht haben. Noch im selben Monat waren sie im Leipziger Werk 2 zu Gast, um ihre Songs zu performen.
Die Heiterkeit: Stella Sommer
Die Heiterkeit: Stella Sommer

Nach einigen Umbesetzungen ist von der ursprünglichen Band Die Heiterkeit nur Sängerin Stella Sommer übrig geblieben. Die hat sich für ihre aktuelle Tour ein paar Mitmusizierende eingepackt um ihr aktuelles Album "Was passiert ist", aber auch einige ihrer älteren Songs zu performen. Ob Stella Sommer das Bandprojekt alleine auf einer Bühne verkörpern kann, konnte man sich Ende März im Werk 2 ansehen.

Helge Schneider meets Waldfee

Als Support haben sich Die Heiterkeit Hans Unstern eingepackt. Als der vollbärtige Künstler mit halb hochgestecktem Haar, Leoparden-Leggings und High-Heels die Saiten seiner Harfe anschlägt, wirkt das Ganze etwas surreal. Die Klänge erinnern an den Soundtrack alter Disney-Klassiker, passend dazu wirkt Hans Unstern ein wenig wie eine Waldfee, die sich in die reale Welt verirrt hat. Dazu mischt er dann noch ein wenig Helge Schneider, um die Verwirrung perfekt zu machen. Das ganze erzeugt eine Faszination – die etwa elf Minuten anhält. Danach erschöpft sich das Konzept und als Hans Unstern die Bühne verlässt, hinterlässt er eine fast schon greifbare Atmosphäre von Ratlosigkeit.

Eine große Stimme ganz klein

Genau eine Zigarette und eine Getränkebestellung später werden große rote Scheinwerfer angeschmissen. Mit „Im Fluss“ eröffnet Die Heiterkeit ihr Konzert, doch so richtig im Fluss wirkt das Ganze zunächst nicht. Obwohl die ersten Songs vom aktuellen Album stammen, das mit imposanter Instrumentierung aufwartet, will es der Band nicht recht gelingen, den Raum einzunehmen. Stella Sommer, der Kern der Gruppe, tritt nicht gewohnt erhaben auf, stattdessen scheint die Halle sie zu verschlucken, sie selbst unangenehm berührt von den Blicken der Zuschauer.

Das Wohlfühlinstrument

Doch als sie ihr Keyboard zurücklässt und zur Gitarre greift, um die ersten Akkorde von „Im Zwiespalt“ zu spielen, huscht ein Lächeln über das Gesicht der Sängerin. Es scheint klar zu sein, an welchem Instrument sie sich wohler fühlt. Eine jetzt präsente Sängerin führt durch die Lieder. Wie nicht anders zu erwarten, legt sie keinen großen Wert darauf, das Publikum einzubeziehen. Das Image der Eiskönigin darf schließlich nicht verloren gehen.
 

Es taut...

Fast schon erfrischend wirkt daher die Darbietung von „Ein alter Traum“. Der Einstieg misslingt und auch im Song wird ein Einsatz verpasst. Normalerweise würde das - wenn überhaupt - negativ in Erinnerung bleiben, doch diesmal ist das Gegenteil der Fall. Der verwirrte Blick der Sängerin, das Schmunzeln der Band beim wiederholten Fehler, die versichernde Geste beim nächsten Refrain, all das lässt die kühle Stimmung auf der Bühne auftauen. So scheint es passend, dass das Konzert nicht frostig mit „Die Kälte“ endet, sondern fast schon optimistisch mit „The End“.

Lieber perfekt oder lieber echt?

Die Musik von Die Heiterkeit ist eine kleine Seelenreinigung. Diese Wirkung hat sie auch live. Das liegt aber einfach an den Songs selbst, die Performance eröffnet dabei leider keine neue Ebene. Die Coolness Stella Sommers, das Markenzeichen der Band, ist bekannt und beliebt, aber sorgt auch für eine Distanz zwischen ihr und dem Publikum. Erst in Momenten, in denen die perfektionistischen Erwartungen der Sängerin enttäuscht werden, wird sie und ihre Musik greifbar.

 

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Kurz und Knapp:

Wer? Die Heiterkeit

Wann? 27. März 2018

Wo? WERK 2 - Leipzig

Setlist

  1. Im Fluss
  2. Dieses Mächen
  3. Was passiert ist
  4. Im Zwiespalt
  5. Schlechte Vibes im Universum
  6. Pop & Tod
  7. Panama City
  8. Ein alter Traum
  9. Wie finden wir uns
  10. Die Linie im Sand
  11. Jeder Tag ist ein kleines Jahrhundert
  12. Große Namen
  13. Das Wort
  14. Für den nächstebesten Dandy
  15. Hauptquartier
  16. Ich sehe Dich am liebsten
  17. Die Sterne am Himmel
     
  18. Heiterkeit
  19. Alles sieht groß aus
  20. Die Kälte
  21. The End