Literaturrezension: Electronic Germany

Die Bibel für Bass und Beat

Seit ihren Anfängen beobachtet Musikjournalist Christian Arndt die Entwicklung der elektronischen Musik und die Kultur rund um den Techno. "Electronic Germany" ist sein erstes Buch und beleuchtet alles, was man mit Beat und Bass in Verbindung bringt.
Clublights
Arndt schafft ein unglaublich realistisches und authentisches Bild der Technoszene.

Sie ist ein Model und sie sieht gut aus...

Ausgehend von Kraftwerk, den "Urvätern des Technos", beginnt Christian Arndts "Electronic Germany" mit der Entstehung der elektronischen Musik. Doch sein Buch ist keinesfalls ein trockener Zeitstrahl, der es bei der historischen Entwicklung belässt. Ganz im Gegenteil: "Eletronic Germany" gleicht einem Prisma. Es beleuchtet die einzelnen Seiten der Technokultur, von der Loveparade über Drogenkonsum bis hin zu einzelnen DJ's wie Monika Kruse, den Kalkbrenner-Brüdern oder Westbam.

Techno um die Ecke gedacht

Christian Arndt bleibt nicht nur an der Oberfläche, sondern beschäftigt sich auch mit den kontroversen Themen, die die Kultur rund um elektronische Musik betreffen. Unter anderem widmet er ein Kapitel der Gentrifizierung und dem damit einhergehenden Clubsterben.

Ironischerweise trägt gerade der subkulturelle Sexappeal von Clubs wie Tresor, E-Werk, Berghain, Bar25, Kitkat Club, Dice, Suicide Circus und vieler anderer in hohem Maße dazu bei, dass Berlin auf Dauer nicht arm und erst recht nicht billig bleibt. (…) Prominentes Opfer: Das Watergate, dessen Miete sich nach einem Eigentümerwechsel im Jahr 2017 verdoppelt hat. 

Christian Arndt in "Electronic Germany"

Zudem philosophiert er über Fragen, ob Techno politisch ist oder warum Frauen hinterm Mischpult noch immer in der Unterzahl sind. Doch er geht keinesfalls nur von seinen eigenen Ansichten aus, sondern bezieht zahlreiche Stimmen von Expertinnen und Experten, DJ's und Produzierenden ein.

"Frontpage" reloaded?

Schriftgröße El Germany
Markant ist das Design, denn Electronic Germany gleicht einem  großen Techno- Magazin. Wer einen stupiden Fließtext erwartet liegt falsch. Stattdessen gibt es kaum  eine Seite, die nicht mit zahlreichen Fotos und Grafikelementen bestückt ist. Für das Design hat Christian Arndt auch keinen geringeren als Alexander Branczyk herangezogen, der die einstige Technozeitschrift „Frontpage“ entworfen hat.
Teilweise wird das Lesen ein wenig anstrengend, da sich Branczyk und Arndt auch in  den Textpassagen ausgetobt haben. Denn sie nutzen verschiedene Schriftgrößen, teilweise in einem einzelnen Wort.

 

Tiefrgründig und authentischFotos Loveparade

Eletronic Germany ist ein absolutes Muss für alle Liebhaber und Liebhaberinnen der elektronischen Musikkultur. Das Buch setzt sich auf allen Ebenen mit der Szene auseinander und geht sogar weiter: Es zeigt Sphären auf, die einem nicht direkt einfallen, wenn man an Techno denkt, wie zum Beispiel die Beziehung von Techno und Politik. Und auch, wer kein Fan elektronischer Musik ist, bekommt durch Electronic Germany einen realistischen und unglaublich authentischen Einblick in die Technoszene.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Redakteurin Charlotte Siemoneit über Arndts erstes Buch "Electronic Germany".
Rezension Electronic Germany
 

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Electronic Germany - DJs, Klänge, Clubkultur

Passend zum Buch gibt es den gleichnamigen Podcast von und mit Autor Christian Arndt:

https://open.spotify.com/show/0wnVRKSlrIFP8ZQsRnIobI