Konzertbericht

Didgeridoo und Sinnlosigkeit

Wenn man an Popmusik aus Australien denkt, kommen einem Namen wie Kylie Minogue oder Men at Work in den Sinn. Aber da gibt es auch die Band mit dem Namen Client Liaison. Kennt kaum jemand. Dass das nicht so bleiben muss, beweisen sie in Berlin.
Client Liasion beim Konzert in Berlin

Client Liaison – das sind Sänger Monte Morgan und Keyboarder sowie Produzent Harvey Miller. Liveunterstützung bekommen sie in Berlin von Miller´s Bruder Geordie an der Gitarre. Die Synthie-Pop Band aus Melbourne macht von den 80ern beeinflusste Musik – das hört man nicht nur, sondern sieht man auch im Look. Auch in das Publikum mischen sich ein paar Leute, als kämen sie gerade von einer Mottoparty. Ihr Debütalbum "Diplomatic Immunity" brachte die Band 2016 raus. In Deutschland wurde es aber noch nicht veröffentlicht.

Kleiner Konzertsaal umgeben von Betonriesen

Dass die Band in Deutschland noch keinen weitreichenden Erfolg hatte, war im Rahmen ihrer Europatour erkennbar. Anfang März traten sie in Berlin in der Kantine am Berghain auf. Die Kantine am Berghain ist ein kleiner Konzertsaal inmitten von Industriehallen und Plattenbauten in den Tiefen Friedrichshains. Im Schatten von hohen massiv-grauen Gebäuden – eins davon, wie der Name schon verrät: Der Kultclub Berghain.

Locker werden mit Jinka

Bevor Client Liaison die Bühne betreten, begeistert Jinka das überschaubare, aber dank der kleinen Location, dicht gedrängte Hipster-Publikum. Und das mit einem Mix aus Live-Percussion und elektronischen sphärischen Sounds aus dem Synthesizer, melodiösem Sprechgesang und bewegungsintensiver Bühnen-Performanz. Anfangs noch verhalten, beginnen sich nach und nach immer mehr Körper in den ersten Reihen vor der Bühne im Takt zu bewegen. Am Ende ihres Auftritts haben es Jinka geschafft auch die steifen Glieder des Publikums in den letzten Reihen zu lockern – das Publikum ist bereit für den Hauptact.

Die 80er lassen freundlich grüßen

Wenig später betreten Client Liaison die Bühne. Das wie immer in schrillen silbern und golden schimmernden Outfits. Schon mit den ersten Nummern schaffen sie es das Publikum in Stimmung zu bringen. Vor allem der Frontsänger hat eine unheimliche Bühnenpräsenz. Hier sind Vergleiche zu einem der erfolgreichsten Künstler der 80er unvermeidbar: Moves und Schreie erinnern an den King of Pop. Und auch sonst trieft diese Show vor so vielen Verweisen auf die 80er-Jahre: So endet ein Song von Client Liaison auch einfach mal in einem Tina Turner oder Pink Floyd-Mashup.

Hat zwar mit den 80ern nichts zu tun, ist aber trotzdem erwähnenswert: Relativ zu Beginn holt Sänger Morgan dann sogar ein Digideroo auf die Bühne, so als Verweis auf ihre Herkunft quasi. Das Publikum weiß nicht, ob es jetzt irritiert sein oder lachen soll. Die meisten entscheiden sich für das Letztere.

Message: Party!

Wer allerdings nachdenkliche Töne oder gar eine Message von den Australiern erwartet, wird enttäuscht. Ruhige Nummern sucht man im Ouevre von Client Liasion vergeblich – ebenso wie ernstgemeinte Aussagen zu gesellschaftlichen Themen. Gefühlt fünf mal fragt Sänger Morgan vor dem nächsten Song ironisch: Ready for some sexual time?

Client Liaison funktionieren in ihrer oberflächlichen Party-Welt: Neben dem perfekten Look und der perfekten Show geht es auch in den meisten Liedern um Themen wie einen Hotelaufenthalt oder die Fahrt in einer weiße Limousine. Gekrönt wird das Ganze am Ende von der fast schon hippieeseken Hymne: "World of our Love". Kann man oberflächlich nennen, ist aber wahnsinnig unterhaltsam und selbstironisch.

Nach etwa einer Stunde ist das Konzert dann auch schon vorbei - Morgan hat nach einem Kostümwechsel irgendwann sein Oberteil einfach ausgezogen. Die Botschaft bleibt klar: Wir nehmen uns selbst nicht ernst und haben Spaß. Angenehm in Zeiten, in dem jeder versucht, eine zweite Ebene, einen tieferen Sinn zu suchen. Vielleicht ließe sich der Abend so zusammenfassen: Digideroo und Sinnlosigkeit.

 

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Paul Materne, Marten Wojtek
27.03.2018 - 11:08
  Kultur