Theaterrezension

Der Pudel als Symbol des Zweifels

Ich bin Teufel, du bist Gott - Monogamie als Feind einer funktionierenden Partnerschaft. Ist es egoistisch, das Glück der Liebe für sich alleine zu beanspruchen? Damit beschäftigt sich das Theaterstück "Der trojanische Pudel".
Der Trojanische Pudel
Szene aus "Der Trojanische Pudel" mit Faust und Margarethe

Im Theaterstück der Cammerspiele „Der trojanische Pudel“ von Sophie Östrovsky, inspiriert nach Goethes Faust, stellt sich ein junges Paar die Frage, ob es heute überhaupt noch möglich ist, sich treu zu sein oder ob Begierde größer ist als die Liebe.
Die Kombination aus modernem Theater mit wildem Ausdruckstanz, klassischer Dichtkunst und geschickt gewählten Zitaten aus dem Original „Faust“ von Goethe, verzaubern das Publikum und geleiten es in eine fantasievolle Welt. Die Kostüme der vier Schauspielenden sind hautfarben und mit Efeu, Blüten und anderen Pflanzenelementen verziert. Sie spielen barfuß. Das Bühnenbild ist dabei recht minimalistisch gehalten. Als einziges Requisit steht ein riesiger Pudel aus Pappe im Raum. Dieser wird während der Vorstellung von den Schauspielenden als Versteck benutzt und symbolisiert die Zweifel und Probleme, die zwischen den Liebenden stehen.

Mephistos Paartherapie

Faust - gespielt von Kay Liemann - und Margarethe - gespielt von Elise-Maria Ose - stehen an einem Punkt in ihrer Beziehung, an dem es weder ein Vor noch ein Zurück gibt. Mephisto (gespielt von Lukas Olszewski) übernimmt die Rolle eines „Paartherapeuten“ und versucht zu retten, was zu retten ist. Die Liebenden sind sich ihrer Gefühle füreinander nicht einig.

Margarethe hat Angst Faust zu verlieren, da es noch eine andere Frau in seinem Leben gibt und er es mit der Treue nicht so eng sieht. Sie ist sich unsicher und sehnt sich nach Gewissheit.
Passt Helena vielleicht viel besser zu ihrem geliebten Faust? Das Gefühl die Andere sei schöner, klüger, aufregender, begehrenswerter als sie, quält Margarethe.
Ist sie gut genug für Faust? Ist Teilen das neue Haben? Ist es egoistisch von ihr, ihm nicht die Freiheit zu gewähren zu lieben, wen er lieben will?

Helena steht für die sexuelle Begierde. Faust muss sich entscheiden zwischen Liebe und Abenteuer. Er fühlt sich von Margarethe eingeengt und ist sich über seine Gefühle zu ihr nicht im Klaren. In seinen Augen ist der Pudel der einzig wahre Begleiter und der beste Freund des Menschen. Jedoch ist Faust sich bewusst, dass er Helena nicht ewig halten kann. Er lässt sich von ihren körperlichen Reizen verführen und merkt nicht, wie sehr er Margarethe dadurch verletzt.

Die Theatralik der modernen Partnerschaft

Ist Treue dasselbe wie Liebe oder nur ein Teil davon? Kann Liebe ohne Treue existieren? Was ist Liebe dann überhaupt? Und was ist Eifersucht und ist sie berechtigt? Die Antwort auf diese Fragen müssen alle für sich selbst finden. Wichtig ist, die Rahmenbedingungen der Partnerschaft mit dem oder der Geliebten zu besprechen, denn sonst wird am Ende immer jemand verletzt.

 

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Darline Schröder
10.12.2018 - 16:26
  Kultur

Der trojanische Pudel

Premiere: 29. November 2018

Spielort: Cammerspiele Leipzig

Regie: Östrovsky, von Goethe/Östrovsky

Aufführungstermine:

  • 16. Januar 2019
  • 17. Januar 2019