Reportage

Der Stasibunker von Machern

Es ist das Jahr 1967, als Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, den Befehl erlässt, einen Bunker in Machern zu erbauen. Heute ist Machern ein Ort, an dem die Geschichte der DDR wie stehen geblieben ist.
Flur des Stasibunkers in Machern
Flur des Stasibunkers in Machern

In der Nähe von Leipzig gibt es einen geheimnisvollen Ort, die alte Bunkeranlage in Machern. Die Anlage sollte im Kriegsfall die Führungsriege der Staatssicherheit schützen. Insgesamt entstanden in Ostdeutschland damals 15 solcher Bunkeranlagen. In jedem Verwaltungsbezirk der DDR einer.

Idyllisch eingebettet zwischen Teichen und einer Kleingartensiedlung liegt der ABC-Schutzbunker. Er sollte die Führungsriege der Staatssicherheit vor Atomaren, biologischen und chemischen Kampfwaffen der NATO schützen.

Überwachung in der Idylle

Er wurde mitten in ein Naherholungsgebiet gebaut, umgeben von einem Wald. Das ist kein Zufall, denn die Lage des Bunkers unterlag strengen Kriterien. Hauptkriterium war, dass eine autonome Versorgung gewährleistet wird. Das bedeutet, dass keine Hilfe von außen in Anspruch genommen werden durfte, um den Betrieb am Laufen zu erhalten. Gleichzeitig sollten die Anwohner keinen Verdacht schöpfen.

Das fünf Hektar große Gelände unterteilt sich in eine äußere und eine innere Sicherheitszone. Die Äußere diente der Tarnung. Hier stehen Bungalows und das Haus des Bezirksverwalters. Es sollte wie eine Ferienanlage wirken und den Blick auf die innere Zone verwehren. In der Mitte der inneren Zone steht eine Lagerhalle. Sie wurde, genauso sowie das restliche Gelände, nicht offensichtlich bewacht. Lediglich eine Alarmanlage und Wachhunde sicherten die Anlage.

Dies steht ganz im Gegensatz zur „runden Ecke“, dem Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig. Hier verstummten die Bürger im Vorbeigehen an dem stark bewachten Schreckensgebäude.

Neugierige Nachbarn

Anscheinend gab es auch Nachbarn, die sich für das Gelände interessierten. Die meisten gingen aber davon aus, dass es sich um ein militärisches Sperrgebiet handle. Jedoch wagte es ein junger Mann, über den Schutzzaun zu klettern. Sein Abenteuer war aber schnell wieder beendet, da er von der diensthabenden Wache aufgespürt und des Geländes verwiesen wurde.

Schon diese kurze Begegnung hat nach sich gezogen, dass dieser Mann überwacht worden ist.

Mitarbeiterin des Bürgerkommitee Leipzig e.V.

Beim Betreten der Lagerhalle fällt auf, dass sie nicht sonderlich groß und eher kahl ist. Hier stehen hohe Regale welche mit Gegenständen, die zur Selbstversorgung des Bunkers beigetragen hätten, gefüllt sind.

Auf dem Boden befinden sich zwei hydraulisch verschiebbare Stahlplatten. Sie verschlossen einst den Eingang in den Bunker. Nach Öffnen der Platte erschließt sich eine Treppe, welche in den fünf Meter tiefliegenden Bunker hinabführt.

Am Treppenabsatz hängen weiße Vorhänge mit orangefarbenen Blumen. Ein merkwürdiges Bild, im Anbetracht des Kriegsfalles. Fast ein bisschen schrullig.

Am Ende der Treppe angekommen, befindet sich ein kurzer Gang. Durch eine schwere Metalltür gelangen Besucher in die erste von zwei Schleusen. Hier riecht es nach muffigem Keller. Auf einem Tisch stehen Messgeräte, beispielsweise ein Geigerzähler um radioaktive Strahlung zu messen. Außerdem befindet sich in dem Raum eine Dusche, um Gifte abzuwaschen. Die Schleusen dienten dazu, nichts Kontaminierendes in das Innere des Schutzbunkers eindringen zu lassen, denn im schlimmsten Fall hätte die Stasi für mindestens sechs Tage in dem Bunker weiterarbeiten sollen.

Das Herzstück des Bunkers

Hinter den Schleusen befindet sich ein sehr langer Korridor. Auf der linken Seite hängt ein Lageplan an der Wand, wodurch sich der Aufbau des Bunkers erschließt. Von dem Mittelgang gehen Zimmer ab, welche alle ähnlich spartanisch eingerichtet sind. Im vorderen Teil stehen Arbeitstische, im hinteren Hochbetten. Ganz im Gegensatz dazu steht das Zimmer des Leiters der runden Ecke von der Stasizentrale aus Leipzig. Hier stehen weder ein Doppelstock- noch ein dreietagiges Bett mit Stahlrahmen, sondern eine gepolsterte Liege, Drehsessel und ein Clubtisch.

Tatsächlich wurde der Bunker aber nie benutzt. Lediglich Techniker kamen vorbei, um den Bunker in Stand zu halten.

Am Ende des Ganges befinden sich die Notstromaggregate. Es handelt sich um Dieseltanks, in denen 6.000 Liter Diesel bevorratet werden konnten. Vergleicht man damit die 3.000 Liter Trinkwasser, die im Extremfall zur Verfügung gestanden hätten, dann zeigt sich die klare Priorität der Stasi. Die Anlage sollte bei Stromausfall innerhalb von 10 Sekunden automatisch anspringen und hier 20 Tage für Notstrom sorgen. Im Kriegsfall hätte also nicht mehr gekocht und geheizt werden sollen, damit Strom für die Nachrichtenzentrale zur Verfügung stünde, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten.

Eine Reportage von Redakteurin Nicole Franz.
Stasibunker in Machern

 

 

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Nicole Franz
27.12.2017 - 15:57