67. Internationale Filmfestspiele Berlin

Der Spatz, der ein Storch sein wollte

Animationsfilme auf der großen Leinwand kommen oft von Pixar oder Dreamworks. Aktuell macht denen aber eine europäische Koproduktion Konkurrenz: "Überflieger". Auf der Berlinale haben wir mit dem Regisseur und dem Drehbuchautor des Films gesprochen.
Spatz Richard lässt sich nicht unterkriegen
Spatz Richard lässt sich nicht unterkriegen

Von Störchen und Spatzen

Möchte man sich in Leipzig zurzeit mit seinen Kindern (oder auch alleine) einen Animationsfilm für Jung und Alt ansehen, dann begegnet einem vielleicht ein leicht ausschweifender Titel: "Überflieger - kleine Vögel, großes Geklapper". Klingt doch schon nach Spaß, oder? Erzählt wird eine schon zu Beginn berührende Waisengeschichte. Kurz bevor der kleine Spatz Richard aus seinem Ei schlüpft, werden seine Eltern zum Frühstück einer hungrigen Katze… Doch zum Glück findet ihn Aurora, eine Storchin. Sie zieht Richard als ihr eigenes Junges auf. Im Herbst wollen die Störche nach Afrika aufbrechen und da kann der kleine Singvogel natürlich nicht mitkommen. Jetzt muss Richard Mut beweisen und seinen eigenen Weg finden!

Ein ehrgeiziges Projekt

Mut brauchten auch Regisseur Toby Genkel und Drehbuchautor Reza Mesmari - der Markt ist gerade im Genre Animation hart umkämpft. Für die Produktion schlossen sich deutsche, belgische, norwegische und luxemburgische Filmschaffende zusammen. Sozusagen ein europäisches Projekt. Das Ergebnis bietet amerikanischen Produktionen erfolgreich die Stirn. Vielleicht liegt das ja an einer Märchen-, beziehungsweise Fabel-haften Handlung? Diese und andere Fragen haben wir Toby Genkel und Reza Memari bei der Berlinale gestellt. Dort feierte "Überflieger - kleine Vögel, großes Geklapper" nämlich Weltpremiere.

Mephisto97.6-Redakteur Maximilian Enderling im Gespräch mit Toby Genkel und Reza Memari
Mephisto97.6-Redakteur Maximilian Enderling im Gespräch mit Toby Genkel und Reza Memari

mephisto 97.6: Reza, deine Geschichte über den "Überflieger" erinnert mich an ein modernes Märchen, das Hässliche Entlein trifft quasi auf Findet Nemo. War das dein Gedanke beim Schreiben des Drehbuchs, eine Art Märchen?

Reza Memari: Eigentlich garnicht. Bei mir hat es wirklich angefangen mit der Frage: Warum können Spatzen nicht nach Afrika fliegen? Und da kam ziemlich schnell so ein typisches, spatzisches Figürchen in mir hoch, welches das nicht fair findet. Und das ist sehr stur und störrisch und möchte unbedingt nach Afrika! Dann beim Entwickeln der Geschichte kommen natürlich automatisch so archetypische Geschichten wie das Hässliche Entlein oder eben auch Finding Nemo.

Toby Genkel: Es ist auch ganz einfach eine Heldengeschichte. Und dann hat man natürlich die klassischen Geschichten im Kopf. Von daher bin ich nicht verwundert, dass du das für ein modernes Märchen hältst. Das ist es ja auch irgendwie. Der Kleine mit der unmöglichen Aufgabe, welcher dann am Ende... aber das wollen wir jetzt noch nicht verraten.

So viel kann man vielleicht verraten: Ihr habt auch versucht, Social Media in die Tierwelt zu übertragen. Tauben die auf Hochspannungsleitungen sitzen, dabei Tweets tweeten und Kommentare liken… dann die weibliche Protagonistin Eule Olga im Rausch der Freundschaftsanfragen… war euch das wichtig?

Toby Genkel: Es war gar nicht in dem Sinne wichtig, dass wir jetzt unbedingt eine Message über das Internet bringen wollten. Das ist einfach so ein typischer Vorgang, wie die Geschichten ihren Lauf nehmen. Es kam die Idee mit den Online-Tauben auf, so hat sich das dann entwickelt. So kam es dazu, dass wir irgendwann gemerkt haben: Gewissermaßen haben wir ja auch eine Message! Wo dann die Tauben endlich auch mal offline gehen und etwas Richtiges machen. Wenn sie plötzlich merken: Aha, es gibt ja noch ein Leben da draußen! Auch die Olga verliert sich ja. Wir hatten zu dem Thema auch etwas zu sagen. Aber es ist so ein Ding, dass sich die Idee einfach während des Machens entwickelt hat.

Reza Memari: Für mich war das auch irgendwie ein Mittel zum Zweck, aus Storytelling-Sicht. Wir brauchten Messenger. Wir brauchten Leute, die möglichst schnell Informationen rüberbringen können und unseren Helden sagen, wo sie hinmüssen! (lacht) Dafür waren die Online-Tauben ideal.

Hinter dem Film stecken nun mehrere Jahre harte Arbeit und eine riesige Crew… Was hofft ihr alle dem Publikum, ob Jung oder Alt, mit auf den Weg zu geben?

Toby Genkel: Also zunächst einmal hoffe ich, dass wir überhaupt erst Jung UND Alt erreichen! Wir hatten tatsächlich keine direkte Zielgruppe im Kopf. Wir wollten einfach nur eine tolle Geschichte erzählen. Weil der Film animiert ist, ist er ein Kinderfilm per se, aber wir wollen auch die Erwachsenen erreichen. Die Message des Films ist für mich kurz gesagt: Sei du selbst, verstell dich nicht und du wirst dafür geliebt werden. Ich hoffe, dass diese universelle Botschaft ihr Publikum finden wird. Wir drücken echt ganz doll die Daumen.

Reza Memari: Für mich ist es auch so ein Ding von: "egal, welche Farbe deine Federn haben, wir sind irgendwie alle schräge Vögel und sollten zusammenhalten"!

 

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