Jahresrückblick

Der soziale Wohnungsbau in Leipzig

Nach eineinhalb Jahren gibt es nun das soziale Wohnungsförderprogramm. Vom Land Sachsen beschlossen, von Leipzig umgesetzt, lieferte es Anlass für viele Diskussionen. Ein Rückblick.
Immobilienpreisspiegel
Ist das Projekt um den sozialen Wohnungsbau gescheitert?

Seit Anfang 2017 bietet das Land ein Förderprogramm zur sozialen Wohnraumförderung an. Hier können Bauherren finanzielle Zuschüsse erhalten, wenn sie eben durch Neubau oder Umbau Sozialwohnungen schaffen. Die Zuständigkeit der Umsetzung liegt bei den Kommunen und die Stadt Leipzig hat hier einen Betrag von 20 Millionen Euro bewilligt bekommen.

Redakteurin Sophia Kratz blickt auf die Wohnungsmarkt-Situation 2017 zurück:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Sophia Kratz.
2812 Rückblick Wohnungsbau

Kritik von Anfang an

Doch das Jahr begann mit Gegenwind für die soziale Wohnraumförderung in Sachsen. Eigentlich sollte das Programm Vermieter motivieren, den Bau von mehr sozialen Wohnungen anzukurbeln. Statt Anmeldungen für das Projekt bekam die Stadt Leipzig jedoch Anfang des Jahres Kritik. Rene Hobusch vom Netzwerk der Immobilienakteure für Leipzig sagte, dass eine Förderung für Sozialwohnungen momentan nicht nötig sei.  

Also grundsätzlich stellen wir uns nicht gegen den sozialen Wohnungsbau. Das soll so nicht verstanden werden. Aber wir sind der Meinung, dass man mit diesem Instrument vorsichtig umgehen sollte.

Rene Hobusch, Netzwerk der Immobilienakteure für Leipzig

Er betonte weiter, dass die vielen gesetzlichen Bestimmungen das Problem wären. Sie würden die Mietkosten in die Höhe treiben und die Preise für erschwingliche Wohnungen zu senken, sei deshalb schwierig. Auch die Stadt kritisierte das Programm - allerdings aus anderen Gründen: Es sei nicht ausreichend, so die Stadt.

Es geht um die Wohnungen, die sich ohne Bezuschussung nicht rentieren. Da bräuchten wir ungefähr 1.500 im Jahr. Und das Programm, dass der Freistaat jetzt aufgelegt hat, hat ein Volumen, das 1.500 Wohnungen für Leipzig vorsieht. Das heißt. Das ist deutlich zu wenig.

Matthias Hasberg, Stadtverwaltung

Zu wenig und zu teuer

Generell beantrage die Landesregierung seit den 90ern keine Bundesmittel mehr für den sozialen Wohnungsbau in Sachsen. Anfang 2017 verfügte die Stadt über knapp 300 Sozialwohnungen. Laut Karsten Gerkens vom Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung wären allerdings 5.000 nötig. Das Problem sei aber nicht, dass zu wenig gebaut wird, sondern die Neubauten finden vor allem im hochpreisigen Segment statt. Es handelt sich also um Wohnungen, die sich der Normalverdiener nicht leisten kann. Dadurch sind vor allem Geringverdiener und Bezieher von mittlerem Einkommen von der Wohnungsnot betroffen, da es immer schwieriger wird, noch bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden.

Laut des Bauamtes Leipzig ließe sich das allein mit dem neuen Programm nicht so leicht beheben. Einerseits gäbe es nicht mehr viel bezahlbare Altbauwohnungen. Andererseits hätte so etwas auch eine lange Vorlaufzeit. Ein Bauprojekt zu beenden, könnte bis zu fünf Jahre dauern. Wie es 2018 mit dem Leipziger Wohnungsmarkt weiter geht, bleibt abzuwarten.

 

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