Filmrezension "Three Billboards..."

Der Schmerz einer Mutter

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" ist eine ungewöhnliche Rachegeschichte zwischen Komik und purem Entsetzen. Für diese Leistung gab es bereits vier Golden Globes, jetzt ist er mit sieben Nominierungen auf Oscar-Kurs.
Szene aus "Three Billboards"
Die Polizei fühlt sich von Mildred beleidigt.

Am Rand einer einsamen Landstraße, die in die Kleinstadt Ebbing führt, stehen drei alte, verfallene Reklametafeln. Schon bald werden diese Tafeln für allerhand Aufsehen sorgen, denn Mildred Hayes (Frances McDormand) hat einen ganz besonderen Plan. Die 50-jährige verbitterte Frau hat ihre Tochter verloren, die bei einem Überfall vergewaltigt und ermordet wurde. Monate später ist immer noch kein Schuldiger gefunden, die Polizeiarbeit steht still. Mildred kauft die drei Billboards an der Landstraße und lässt sie mit provokanten Sprüchen versehen. Der Inhalt: Eine Anprangerung der örtlichen Polizeibehörde.

Die ist laut Mildred lieber mit dem Foltern von Schwarzen beschäftigt, anstatt den Mord an ihrer Tochter aufzuklären. Die Polizei unter der Führung von Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) fürchtet um seinen Ruf und will Mildreds Billboards um jeden Preis entfernen lassen. Es wird ein Kampf.

Die Rassisten von nebenan

Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh hat mit Brügge sehen...und sterben? und 7 Psychos zwei Filme abgeliefert, die bereits Kultstatus genießen. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hingegen ist sein bisheriges Meisterwerk. Sein Spiel mit pechschwarzem Humor und bitterer Tragik treibt er hier auf die Spitze. Three Billboards verlangt von seinem Publikum viel ab, denn beinahe im Sekundentakt wird hier die Stimmung gewechselt. Mal ist er brüllend komisch, mal rührend, dann ist er erschreckend gewalttätig und im nächsten Moment niederschmetternd traurig.

All diese Facetten kommen in der Hauptfigur Mildred Hayes zusammen, die die großartige Frances McDormand mit Wucht verkörpert. Sie lässt an nichts und niemandem ein gutes Haar, pöbelt rund um die Uhr, sodass man sich schon nach wenigen Minuten fragt, was einer Frau passieren muss, um so bösartig und herzlos zu werden. Man erfährt es tatsächlich und niemand ahnt, wie bitter das Schicksal bei ihr tatsächlich zugeschlagen hat. Auf Seite der Polizei stehen ihr Woody Harrelson und Sam Rockwell gegenüber. Besonders letzterer läuft als raubeiniger Officer ebenfalls zu schauspielerischer Höchstleistung auf.

Szene aus "Three Billboards"
Mildred erklärt den Polizisten den Krieg

In Three Billboards gibt es keine Sympathieträger. Das gesamte Figurenensemble ist äußerst ambivalent gezeichnet und wird niemals auf nur eine Charaktereigenschaft beschränkt, ansonsten würde die Geschichte auch gar nicht funktionieren. Alle sind rassistisch, sagen die schlimmsten Dinge zueinander und schrecken nicht davor zurück, sich ganz beiläufig auch körperlich zu verletzen. Alle, die sich in der Welt von Three Billboards befinden, sind in einem Kreislauf der Gewalt gefangen. Selbst das Austreten aus diesem Kreislauf erfolgt nur durch Gewalt. Zentral ist dabei eine Szene, in der sich der gesamte Hass von Sam Rockwells Figur entlädt, die ganz ohne Schnitt gefilmt wird und dadurch umso härter wirkt.

Die eigentlichen Ermittlungsarbeiten rund um den Mord an Mildreds Tochter sind eigentlich völlig nebensächlich und kommen überhaupt nicht voran. Vielmehr lässt McDonagh seine Charaktere genüsslich aufeinander losgehen, zieht die Schlinge immer enger, lässt immer schlimmere Dinge passieren. Aufgelockert durch Humor, der mit seiner Bösartigkeit mitunter beinahe verstört. 

Szene aus "Three Billboards"
Mildred greift zu drastischen Mitteln

 

Eine Glanzleistung

Das Wechselspiel aus schwarzem Humor und überhöhter Tragik hätte bei anderen Filmemacher*innen leicht ins Lächerliche abrutschen können, bei McDonagh geht das Konzept aber voll auf. Seine Charaktere machen eine glaubhafte Entwicklung durch, die an einem Punkt endet, den man im Leben nicht kommen sieht. Nach knapp zwei Stunden sind die Charaktere zwar immer noch die gleichen kaputten Gestalten und doch müssen sie in einem ganz neuen Licht betrachtet werden. Der Weg dahin wird so intim und glaubhaft erzählt, dass man sowohl berührt ist, wenn es den Charakteren schlecht geht, als auch befreit lachen kann, wenn Frances McDormand nervtötenden Teenagern schon mal vor Wut zwischen die Beine tritt. Mal ganz davon abgesehen, dass der Film mit Themen wie Polizeigewalt und blinden Vorurteilen brennende aktuelle Fragen stellt und sich im gleichen Atemzug weigert, seine Charaktere nur wegen bestimmter negativer Seiten zu stigmatisieren.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein düsteres Meisterwerk, das man mit solcher schnörkellosen Konsequenz selten im Kino zu sehen bekommt. Der Cast ist grandios, die Inszenierung stimmungsvoll und das ebenso spannende wie wendungsreiche Drehbuch eine Glanzleistung. Schon jetzt einer der besten Filme des Jahres!

 

 

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Janick Nolting
24.01.2018 - 12:45
  Kultur

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Regie und Drehbuch: Martin McDonagh

Laufzeit: 116 Minuten

FSK 12

Cast: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Peter Dinklage, Lucas Hedges und viele mehr

Kinostart: 25.01.2018

Der Film wurde mit vier Golden Globes ausgezeichnet (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller) und ist bei den Oscars in sechs Kategorien nominiert (Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Hauptdarstellerin, 2 x Bester Nebendarsteller, Bester Soundtrack, Bester Schnitt)