Rotes Sofa: Jana Revedin

Der Rebellenarchitekt und Fräulein Frank

"Frau Bauhaus" - so wurde Ise Frank genannt. Ihre Artikel halfen, die Bauhaus-Idee bekannt zu machen. Wie sie Walter Gropius traf und mit dabei war, als die Meisterhäuser in Dessau gebaut wurden - das erzählt der Roman von Jana Revedin.
Redakteurin Lisa Albrecht im Gespräch mit Autorin Jana Revedin
Redakteurin Lisa Albrecht im Gespräch mit Autorin Jana Revedin.

Das Gespräch zum Nachhören findet ihr hier:

 

"Ise, ich brauche Sie."

Alles beginnt ganz harmlos: Ein Vortrag über das Bauhaus, danach ein Bier im Café Kröpcke, ein Blickwechsel. Seit diesem Abend 1923 denkt Ise Frank, Rezensentin in einem Münchner Verlag, an Walter Gropius. Gropius ist ebenfalls von Ise fasziniert - die beiden treffen sich wieder, heiraten noch im gleichen Jahr.

Als ob das Schicksal den vier Worten "Ise, ich brauche Dich" eine zweite Chance gegeben hätte, war diesmal die Bedeutung kein unabwendbarer Abschied, sondern ein Neubeginn mit offenem Ende (...) Trotzdem und sicherheitshalber, denn solch spontane Gefühle konnten ja auch täuschen, hatte sie blitzschnell beide Hände (...) gehoben (...) die fehlenden drei Worte mit winzigen Bewegungen ihrer Hände in die Luft dirigiert. Er hatte sie lautlos mitgesprochen. "... ich brauche Sie".

Von diesem Moment an ist klar: Der Erschaffer klarer Formen und die Schöpferin klarer Worte werden einen gemeinsamen Lebensweg haben. Ise wird sich der Idee Bauhaus, aber vor allem dem Kopf hinter dem "Neuen Bauen" verschreiben. Diese Liebesgeschichte, die zugleich auch eine Geschichte von Wagnissen ist - privat und architektonisch - ist der Hauptgegenstand der Geschichte, die Jana Revedin erzählt.

Das Haus der emanzipierten Frau

Ganz nebenbei ist ihr Buch auch noch eine kleine Ideengeschichte des Bauhauses. Sie hätte dafür schwerlich eine bessere Protagonistin finden können als Ise Frank, Buchhändlerin, Publizistin und Ehefrau vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius. Dabei stieß sie auf diese Frau eher durch Zufall, wie sie in der Einleitung schreibt:

Wer war diese Frau, fragte ich mich, die es wagte, das erste "Haus der emanzipierten Frau" umzusetzen ? Wie kam eine höhere Tochter, die mit Hausbediensteten und Biedermeiermobiliar aufgewachsen war, dazu, ausklappbare Schreibtische, Teleskoplampen, elektrische Teekocher und vollautomatische Spülmaschinen auszuprobieren?

Gekonnt erzählt Jana Revedin, wer diese Frau war: Eine Frau, die organisieren konnte, die schreiben konnte und es deshalb verstand, die Visionen ihres Mannes für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine Frau, die offen für Neues war und die Idee Bauhaus zu ihrer machte.

Mehr als nur die Frau im Hintergrund

Leider ist das Leben der Ise Frank auch eines, das viel zu lange im Schatten ihres Mannes verborgen war. Jana Revedin, selbst Architektin, rückt ihre Geschichte an den Platz, der ihr gebührt: Neben Gropius, ins Licht. Doch der Roman ist mehr als nur eine Revision. Revedin hat die Gabe, die komplexen Beziehungen, die Menschen miteinander verbinden, leicht zu beschreiben. So ist mit "Jeder nennt mich hier "Frau Bauhaus" " nicht nur ein Buch über eine wichtige Frau in der Bauhausbewegung entstanden, sondern auch ein schöner Roman über Menschen, die sich trauten, neu zu denken und zu leben.

 

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Jana Revedin ist Architektin, Schriftstellerin und Professorin für Architektur. "Jeder nennt mich hier 'Frau Bauhaus' " ist im November 2018 im DuMont-Verlag erschienen, 304 Seiten mit Bildern kosten 22 Euro.