Jubiläum

Der Pulitzer Preis wird 102 Jahre alt

Der Pulitzer Preis wurde am 04. Juni 1917 zum ersten Mal vergeben. Er ist die renommierteste Auszeichnung für Journalismus – obwohl Joseph Pulitzer selbst eher für Sensationsjournalismus stand.
pulitzer
Joseph Pulitzer machte "The World" zur größen Zeitung ihrer Zeit.

Joseph Pulitzer stand eigentlich nicht für Qualitätsjournalismus. Der 1847 in Ungarn geborene Zeitungsverleger machte sich erstmal durch Skandalpresse einen Namen.

Eine sensationelle Story, die es wert ist, sollte bis zum Limit ausgereizt werden.

Joseph Pulitzer

1884 übernahm er die New Yorker Zeitung „The World“ und baute sie radikal um – Skandale und Sensationsmeldungen wurden zu ihrem Markenzeichen. Damit wurde „The World“ zur größten Zeitung der Welt. Zu Ihrer Beschreibung wurde der Begriff „yellow press“ eingeführt – weil sie oft grellgelbe Tinte einsetzte, um Ihren Sensationsgeschichten noch mehr Aufmerksamkeit zu geben. Die Gier nach Schlagzeilen gipfelte sogar in Kriegstreiberei: Mit anderen Zeitungen überbot sich Pulitzer 1898 mit Forderungen, den Spaniern zur Befreiung Kubas den Krieg zu erklären. Auf der anderen Seite machte sich Pulitzer aber auch mit investigativen Geschichten einen Namen. Immer wieder attackierte seine Zeitung die Regierung und prangerte Korruption an. Denn Pulitzer fühlte sich dem Journalismus verpflichtet.

Ich habe mein Leben in diesem Feld verbracht, und betrachte es als edlen Beruf von unvergleichlicher Wichtigkeit für den Geist und die Moral der Menschen. Ich will junge Leute in diesen Beruf bringen, die Charakter und Kompetenz mitbringen, und denjenigen, die ihn schon ausüben, zur höchsten moralischen und intellektuellen Bildung verhelfen.

Joseph Pulitzer

Nichtsdestotrotz bestimmte der Skandaljournalismus lange das öffentliche Bild Pulitzers. Vielleicht auch, um dieses aufzupolieren, stiftete er den Pulitzer Preis. Joseph Pulitzer starb schon 1911, schwer krank und erst 43 Jahre alt. In seinem Testament stiftete er 2 Million Dollar – einen Teil auch an die Columbia University, um dort die erste akademische Journalistenausbildung zu verankern. Ein Viertel der Summe, 500.000 Dollar, widmete er einem Preis für Journalismus – dem Pulitzer Preis. Er wird seitdem jährlich verliehen.

… für den unbefangensten und größten Verdienst einer amerikanischen Zeitung an der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr.“  […] „Als Kriterien der Exzellenz gelten ein klarer Stil, moralische Absichten, tadellose Argumentation, und die Kraft, die öffentliche Meinung in die richtige Richtung zu beeinflussen.

Joseph Pulitzer

Neben mehreren Preiskategorien für Journalismus lobte Pulitzer auch Preise für Dramatik und Musik aus. Aus den ursprünglich neun Preiskategorien sind mittlerweile einundzwanzig geworden – auch Sachbücher und Romane, Lyrik, Fotographie und Online-Journalismus werden mittlerweile ausgezeichnet.  

Arbeiten müssen selbst eingereicht werden

Der Pulitzer Preis ist mit etwa 10.000 Dollar dotiert. Er wird von einem zwanzigköpfigen Komitee vergeben, das hauptsächlich aus Journalistinnen und Journalisten, Verlegern und Kritikern besteht. Dieses Komitee wählt aus je drei Nominierten, die von Fachjurys ausgewählt werden, den Sieger. Um ausgewählt zu werden, muss man seine Arbeit selbst einreichen. Über 3000 Arbeiten prüfte das Komitee in diesem Jahr, allein 1200 im Bereich Journalismus. In manchen Jahren werden Preise in einzelnen Kategorien gar nicht erst vergeben – ein Beispiel für die hohen Standards der Jury.

Oft gewinnen die Großen

Den allerersten Preis in der Kategorie Reportage gewann 1917 der Journalist Herbert Bayard Swope für seine Zeitungsreihe „Im Inneren des deutschen Reiches“. Darin beschrieb er die Stellungskämpfe im Ersten Weltkrieg. Die Artikel erschienen wohl nicht zufällig in „The World“, die Joseph Pulitzer verlegt hatte. Für Kriegsberichterstattung, zum Beispiel aus Vietnam und Korea, wurden auch später mehrere Pulitzer Preise vergeben. Häufig gewannen die großen amerikanischen Zeitungen, zum Beispiel die Washington Post. Sie bekam den Preis unter anderem für Ihre Recherchen zur Watergate-Affäre und zum NSA-Skandal.

Kritik

Immer wieder gibt es auch Kritik am Pulitzer Preis. Die Jury sei zu konservativ, der geheime Auswahlprozess zu intransparent. Als der Rapper Kendrick Lamar für sein Album „Damn“ gewann, verstanden viele die Welt nicht mehr. Trotzdem bleibt der Pulitzer Preis die vielleicht renommierteste Auszeichnung für Journalismus und Literatur. Fast prophetisch wirken heute die Worte ihres Gründers Joseph Pulitzer:

Unsere Republik steht und fällt mit der Presse. Eine fähige, unabhängige, der Öffentlichkeit verpflichtete Presse kann die Tugend aufrechterhalten, ohne die eine gewählte Regierung nur Hohn und Spott ist. Eine zynische, geldgierige und demagogische Presse führt zu einer Gesellschaft, die genauso niederträchtig ist wie sie selbst.

Joseph Pulitzer

Es dürfte also ganz in Pulitzers Sinne sein, dass in diesem Jahr gleich mehrere Zeitungen für kritische Recherchen zu Donald Trump ausgezeichnet wurden. So könnte man leicht vergessen, dass Joseph Pulitzer selbst es einst nicht so ernst nahm mit der Wahrheit – Hauptsache, die Schlagzeile stimmte.

Der Beitrag zum Nachhören:

Der Beitrag von Literaturredakteur Lucas Wotzka.
BmE Pulitzer

 

 

Kommentieren