Frisch Gepresst: Baxter Dury

Der Prinz der Tränen

„I don’t think you realise how successfull I am.“ Selbstbewusst präsentiert sich Baxter Dury auf seinem neuen Album „Prince of Tears“. Er überzeugt mit ironischen Texten und einem Hauch Melancholie.
Baxter Dury
In seinem 5. Studioalbum schlüpft Baxter Dury in die Rolle des "Prince of Tears."

In große Fußstapfen zu treten ist nie leicht. Schon gar nicht wenn der Herr Papain der 70ern mit seiner Band The Blockheads einfach mal so nebenbei die New Wave Bewegung in England essenziell beeinflusst hat. Deswegen wollte Baxter Dury ursprünglich überhaupt keine Musik machen. Der Sohn von Musiklegende Ian Dury konnte sich dann aber doch nicht ganz der Musik lossagen und hat jetzt sein bereits fünftes Studioalbum auf den Markt gebracht. Die Indie-Pop-Platte ist zwar nur knapp 30 Minuten lang, beeindruckt aber mit mehr Überraschungen als so manche 16-Song-Doppel-Deluxe-Version.

Mister Maserati mag keine Mandelmilch

„Prince of Tears“ startet stark mit der ersten Singleauskopplung des Albums. Der Song „Miami“ handelt nicht, wie der Titel zuerst vermuten lässt, von der sonnigen Partystadt in Florida, sondern stellt den Hauptcharakter des Albums vor. „I’m like a skipping tycoon, full of promise and cum […] I am Miami.“ Miami – das ist eine Version Durys die sich selbst verdammt voll nimmt, aber eigentlich nicht weiß wo sie hingehört. „He thinks he’s someone, but he’s not.“, erklärt der Brite. Immer wieder zeigt Dury neue Seiten von sich, aber immer wieder geht es um dasselbe Thema: Herzschmerz. Dieses verpackt er aber mit so viel britisch-trockenem Humor, dass die Platte sich stark von vielen anderen Trennungsalben abgrenzt. Baxter Durys Überheblichkeit hat dem Album schon die Bezeichnung „Break Up Album for Adults“ eingebracht. (siehe NME

Neben den herkömmlichen Liebesthemen gibt es aber auch Überraschungen. Auf „Almond Milk“, einem der kürzesten Songs der Platte, wird Jason Williamson, Rapper bei den Sleaford Mods, gefeatured. Gemeinsam lassen sie sich über den Einsatz von Milchersatzprodukten aus. Geprägt wird das Album von Durys dunklem Sprechgesang. Auf „Oi“ richtet er sich an einen alten Schulfreund, der ihm „damals die Nase gebrochen hat“ und „jetzt hoffentlich kein komplettes Arschloch“ geworden ist.

Ein Mann und zwei Frauen

Fast schon bedrohlich wirken die langen, düsteren Sprechanteile auf „Prince of Tears“. Unterbrochen werden sie aber immer wieder von sanften Frauenstimmen. Auf den meisten Songs übernimmt das Madeleine Hart, die gefühlt mehr Gesangsanteil am Album hat als der Schöpfer des. Im Lied „Porcelain“ wird Hart von Rose Elinor Dougall abgelöst. Diese singt dort, abgesehen von Durys düsterem Flüstern am Anfang, allein.

„Porcelain boy, you’re just a lonely motherfucker. I don’t give a shit about you.“

Durch den ganzen Song zieht sich eine einprägsame Basslinie, die immer wieder durch gezielt eingesetzte Synthies und harmonische Streicher ergänzt wird. Genau nach diesem Prinzip ist die Vielzahl der Stücke auf „Prince of Tears“ aufgebaut. Einzig das Tempo variiert in einigen der 10 Songs. „Mungo“ ist eine etwas schnellere Nummer mit Funk-Elementen à la LCD Soundsystem. Hier ertönt Durys Stimme eher unschuldig und wird sehr sanft von Harts Frauenstimme im Refrain eingefangen.

Der Soundtrack seines Lebens

Besonders auffällig ist die Kürze der meisten Songs. „Letter Bomb“ ist eine gelungene Abwechslung eines sonst sehr harmonischen, smoothen Albums. Schon fast in alter Punk-Manier werden hier die titelgebenden Wörter „Letter Bomb“ immer wieder wiederholt – unterlegt mit simplen Synthie-Tönen. Nicht mehr und nicht weniger. Beim ersten Hören sicher gewöhnungsbedürftig.

Einen klaren Gegensatz dazu liefert „Wanna“. Der jazzige Bass und das fast von Beginn einsetzende Streichorchester machen den Song gemeinsam mit dem letzten Song und Titeltrack "Prince of Tears" zu den beiden melancholischsten und ruhigsten Tracks des Albums und erinnern den Hörer wieder an das, was die Platte neben der Ganzen britischen Unernsthaftigkeit eigentlich ist: Der Soundtrack zu Baxter Durys turbulentem Leben.

„I wanna say something nice to you but I don’t think I know how.“

Fazit

„Prince of Tears“ ist abwechslungsreicher als es beim ersten Hören zu vermuten lässt. Zwar sind die einfache und doch starke Basslinie, Durys dunkler Sprechgesang und der Einsatz der weiblichen Stimmen in den Refrains nach drei Songs vorhersehbar. Aber genau dann, wenn man denkt alles gehört zu haben, überrascht er mit Diskobeats, Streichern und anderen Spielereien. Dabei ist ein hochinteressantes und in all seiner chaotischen Unklarheit, ein doch sehr harmonisches Album. Auch wenn Baxter Dury vor allem stimmlich sehr an seinen einflussreichen Vater erinnert, hat er seine Nische definitiv gefunden.

 

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Baxter Dury: Prince of Tears

Tracklist:
  1. Miami*
  2. Porcelain
  3. Mungo*
  4. Listen
  5. Almond Milk
  6. Letter Bomb
  7. Oi
  8. August
  9. Wanna
  10. Prince of Tears*

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 27.10.2017
Le Label / PIAS / Rough Trade