Wohnsituation von Geflüchteten

Der mühsame Weg zur eigenen Wohnung

Als sich im Sommer 2015 die Zahl der Geflüchtete stark erhöhte, galt es diese erstmal schnell unterzubringen. Bilder von überfüllten Lagern bekommt man kaum mehr zu sehen. Viele Geflüchtete wollen nun raus aus den Massenunterkünften und in die Stadt.
Ein junger Mann sitzt auf einer Parkbank.
Salem wartet auf den Termin für seine Wohnungsbesichtigung.

Viele Menschen zieht es heutzutage in die Städte. Das wirkt sich natürlich auch auf den Wohnungsmarkt in den Großstädten Deutschlands aus. Auch im immer beliebter werdenden Leipzig macht sich dies bemerkbar. Für die Städte sprechen mehr Arbeitsplätze, kulturelle Angebote und allgemein mehr Möglichkeiten. Neben Studierenden und Künstlern zieht es auch immer mehr Geflüchtete nach Leipzig. Salem stammt aus dem Irak. Nach mehreren Etappen ist auch er in der Stadt gelandet. Doch zum 1. Oktober muss er seine Wohnung verlassen, da sie renoviert wird. Deshalb sucht er eine zentrumsnahe Wohnung.

Ich mache ein Praktikum in Markleeberg, deshalb möchte ich nicht so weit weg wohnen. Wenn ich hier eine Wohnung finde, wäre das ganz toll. Es ist auch besser, in der Stadt zu wohnen, denn hier ist man mit Straßenbahn und Bus besser angebunden.  

Salem, Geflüchteter aus dem Irak

Monatelange Wartezeiten

Viele Geflüchtete wollen in die Stadt. Doch häufig stoßen sie bei ihrer Wohnungssuche auf viele Hindernisse. Wie findet man zum Beispiel einen Bürgen, der seinen Wohnsitz in Deutschland hat, wenn man selbst fremd im Land ist? Oder was tut man, wenn eine der wenigen in Möglichkeit kommenden Wohnungen, außerhalb der vom Amt genehmigten Miete liegt? Bei der Leipziger Wohnungs- und Baugenossenschaft liegt die Wartezeit zurzeit bei acht Monaten.

Britta Schulze begleitet Geflüchtete privat bei der Suche. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass auch viele Vermieter es den Geflüchteten nicht leicht machen. So seien Einraumwohnungen sehr schwer zu finden. Oft lägen die Mieten knapp über den 328 Euro, die das Arbeitsamt und den 308 Euro, die das Sozialamt bezahlen.

mephisto 97.6 Redakteurin Nadja Baschek im Gespräch mit der freiwilligen Helferin Britta Schulze
Nadja Baschek im Gespräch mit Britta Schulze

Ich habe mehrmals nachgefragt, auch mit der LWB telefoniert: "Wie sieht das aus, derjenige würde die 20 Euro doch selbst zahlen." "Nein, das geht nicht, der Vermieter sagt dem nicht zu, das sind zu viele Komplikationen." Es ist dann automatisch so, dass die Mieten ein kleines bisschen drüber liegen, und viele ausländische Menschen nicht als Mieter infrage kommen.

Britta Schulze, freiwillige Helferin

Die steigende Frustration und mangelnde Kenntnis über hiesige Strukturen der Wohnungssuchenden kann dazu führen, dass ihre Situation ausgenutzt wird.

Ich habe einen Makler getroffen, der Wohnungen für Ausländer sucht. Er sagte, er würde in spätestens zwei Monaten eine Wohnung für mich finden. Ich habe ihm geglaubt und er hat mir eine Firma vermittelt und dort für mich übersetzt. Allerdings las ich dort in meinem Vertrag, dass es vier Monate dauert, bis er mir eine Wohnung besorgt.

Ahmad, Geflüchteter aus Syrien

Die Stadt ist keine große Hilfe

Neben wirrer Bürokratie, hoher Nachfrage und sogar Betrügern, führt oft die mangelnde Hilfestellung zu Problemen für die Geflüchteten. Denn obwohl auch das Leipziger Wohnkonzept vorsieht, dass die Geflüchtete schnell eine andere Unterkunft finden, wird wenig Hilfestellung für sie bereitgestellt. Das kritisiert Barbara Buchmayer, sie engagiert sich bei der Leipziger Freiwilligenagentur.

Geflüchtete müssen immer nach den "Kosten der Unterkunft" gehen, der Bestand der Wohnungen, die in diesem Bereich liegen, ist sehr knapp geworden. Das ist ein Grund. Der zweite Grund ist, dass jetzt sehr viele aus den Gemeinschaftsunterkünften drängen, weil sie ihre Duldung und ihren Status erreicht haben und jetzt aus den Unterkünften raus müssen. Und da fehlt es an der meiner Meinung nach nötigen Begleitung.

Barbara Buchmayer von der Leipziger Freiwilligenagentur

Dies bestätigte sich auch bei der Recherche von mephisto 97.6, als sich weder Sozialamt noch Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft trotz mehrerer Anfragen zurückmeldeten. So sind die Geflüchteten oft auf sich allein gestellt, in einer fremden Sprache und ohne die Strukturen zu kennen.

Die mephisto 97.6 Reporter Nico Otten und Nadja Bascheck haben unter anderem den Iraker Salem bei seiner Wohnungssuche begleitet. Hören Sie hier im Feature zum Thema Wohnsituation für Geflüchtete in Leipzig, wie es ihm dabei ergangen ist:

Ein Feature von Nico Otten und Nadja Bascheck zur Wohnungssituation von Geflüchteten in Leipzig.
1508_Feature_Geflüchtete
 

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Nicola Seele
17.08.2017 - 20:12