Interview

Der "Mind_Hacker" findet alles heraus!

Mentalmagier Yann Yuro hackt sich scheinbar in die Facebookprofile der Zuschauer, errät ihre Gedanken, alte Passwörter, ermittelt den perfekten Partner und die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Straftat. Wir haben mit ihm gesprochen.
Showmagier Yann Yuro (im Bild) arbeitet mit Illusionen.
Showmagier Yann Yuro (im Bild) arbeitet mit Illusionen.

Yann Yuro ist Deutscher Meister der Mentalmagie 2017 und hatte am 6. Januar Vorpremiere mit seinem neuen Programm: „Der Mind_Hacker“. Darin findet er mithilfe seines Supercomputers alles über das Publikum heraus. Zum Beispiel Gegenstände, an die sie denken, alte Passwörter oder was sie als nächstes im Internet bestellen werden.

Im Interview spricht er unter anderem über seinen Künstlernamen, den magischsten Moment seines Lebens und das zufällige Auswählen von Menschen aus dem Publikum:

Yann Yuro im Gespräch mit mephisto-Theaterredakteurin Nadine Kirstein.
Yann Yuro im Gespräch mit mephisto-Theaterredakteurin Nadine Kirstein.

mephisto 97.6: Was genau erwartet das Publikum in ihrer Show „Der Mind_Hacker“?

Yann Yuro: Eine Mischung aus Mentalmagie-Show und Science-Fiction würde ich sagen.

mephisto 97.6: Würden Sie das, was Sie in Ihrem neuen Programm machen, auch noch als Theater sehen?

Yann Yuro: Das ist eine gute Frage. Für mich ist es immer noch Theater auf jeden Fall. Ich habe auch für diese Show mit einem Regisseur zusammengearbeitet, den ich noch vom Theater her kenne, mit dem ich mehrere Theaterstücke in Meiningen gemacht habe. Für mich ist die Magie eine bestimmte theatrale Form. Magie ist halt Theater, das auf Täuschung basiert.

mephisto 97.6: Wie sind Sie zum Neuen Schauspiel als Ort gekommen?

Yann Yuro: Mit dem Neuen Schauspiel habe ich schon sehr lange zusammengearbeitet. Wir haben hier auch schon zu dritt, mit anderen Zauberern zusammen, eine Show zur Premiere gebracht, daher gab es den Kontakt zum Theater hier schon länger. Perfekte Größe, perfekte Lage für so eine Show.

mephisto 97.6: Seit 2014 treten Sie unter Ihrem Künstlernamen auf, „Yann Yuro“. Woher kommt die Idee zu diesem Namen?

Yann Yuro: Das kommt aus dem Buch „Krabat“ von Otfried Preußler, dieses Kinderbuch. Da gibt es einen Juro, der Müllersbursche, von dem alle glauben, dass er ganz dumm ist und gar nicht zaubern kann. Und in Wirklichkeit stellt sich am Ende raus, er kann besser zaubern als alle anderen. Ich habe diese Figur immer geliebt. Deshalb habe ich mich „Yuro“ genannt.

mephisto 97.6: Was hat Sie zur Zauberkunst geführt? Haben Sie Taschenspielertricks schon in Ihrer Kindheit gemocht?

Yann Yuro: Ja, ich habe seit ich Kind war gezaubert. Ich glaube der Anfang war, dass meine Tante irgendwann an einem Sonntag mit Brötchen ankam und meine Mutter meinte „Hä? Wo hast du jetzt am Sonntag Brötchen her?“ und sie meinte „Tja, ich kann zaubern!“. Und da dachte ich „Oh, das will ich auch, dieses Zaubern!“. Und dann habe ich angefangen, Zaubertricks zu lernen. Das machen ja viele Kinder, aber ich habe halt nicht mehr aufgehört. Es hat meine narzisstische Ader sehr befriedigt, irgendwelche Dinge zu können, die Erwachsene nicht können.

mephisto 97.6: Was war Ihr magischstes Erlebnis, mal abgesehen von den Brötchen am Sonntag?

Yann Yuro: Oh, das hat mich noch keiner gefragt… ich glaube, das war im Urlaub auf Island, da habe ich eine Wanderung dort gemacht, alleine, den Landmannavegur lang, wo man von Hütte zu Hütte wandert, und man muss sein Gepäck und sein Essen für die ganze Tour dabeihaben, weil man zwischendurch kein Essen bekommt. Und da kam so ein riesiger Canyon, dessen Name unaussprechlich ist, und das war eines der beeindruckendsten Bilder, das ich je gesehen habe. Und ich war leider völlig alleine, hatte keinen Fotoapparat und konnte mit niemandem teilen, dass dieser Canyon gerade 300 Meter breit und 100 Meter tief sich da vor mir auftut!

mephisto 97.6: Haben Sie bei neuen Tricks Bammel, dass etwas schiefläuft? Besonders beim Gedankenlesen?

Yann Yuro: Ja, tierisch Angst! Deshalb die Vorpremiere. Weil ich bei allem einfach nicht weiß, ob es funktioniert.

mephisto 97.6: Haben Sie bestimmte Kriterien, nach denen Sie im Publikum oder auf der Straße Menschen aussuchen für Ihre Gedankenlese-Tricks?

Yann Yuro: Das ist beim Gedankenlesen generell so, dass, wenn ich Leute aussuche, sofort alle denken „Ah, mit denen hat er irgendetwas abgesprochen.“ Deshalb bin ich bei allen Shows, die ich mache, eigentlich immer in der Situation, dass ich Leute zufällig auswählen muss. Ich muss immer irgendetwas ins Publikum werfen und habe keine Kontrolle darüber, wer kommt.  Das ist ganz gut, weil dadurch auch Leute auf die Bühne kommen, die ich selber nie ausgewählt hätte, und die sich plötzlich als die besten Gäste auf der Bühne erweisen.

mephisto 97.6: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Yann Yuro: Ich war zum Beispiel zu Sylvester bei einer Gala mit lauter gefühlt Hundertjährigen. Und eine Dame wurde ausgewählt, die wörtlich beinahe rückwärts die Treppe runtergefallen ist, weil sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Sie sollte an einen Prominenten denken und dabei an einem Blatt herumschnippeln, und hat so leuchtende Augen gehabt und alles kommentiert, was passiert ist. Das war so eine wundervolle Frau auf der Bühne. Ich hätte sie nie ausgewählt, aber ich war sehr froh, dass sie da war!

mephisto 97.6: Würden Sie jemals das Geheimnis, wie ein Trick funktioniert, verraten?

Yann Yuro: Ich bin tatsächlich nicht so wahnsinnig zurückhaltend mit den Geheimnissen. Das heißt, anderen Zauberern verrate ich eigentlich fast alles. Freunden verrate ich auch alles, weil ich es schwierig finde, wenn die glauben, es wäre echt. Aber in einem Interview werde ich natürlich nichts verraten. Und wenn mich nach der Show jemand fragt, verrate ich auch nichts.

mephisto 97.6: Möchten Sie sonst noch irgendetwas loswerden?

Yann Yuro: Kommt zur Premiere! Und ändert euer Passwort regelmäßig!

 

Kommentieren

Mehr zum Thema:

Die Premiere von "Der Mind_Hacker" findet am 26. Januar im Neuen Schauspiel statt.