Dialog

Der Migrant des Vertrauens

Erfahrungen, Ärger oder Sorgen bezüglich der zunehmenden Anzahl von Geflüchteten? Über all das kann man zunächst einmal reden, meint Ali Can. Genau darum geht es dem Studenten auch bei seinem Projekt "Hotline für besorgte Bürger".
Ali Can
Ali Can - Initiator des Projektes „Hotline für besorgte Bürger“

Telefonieren statt spalten

Ein Anruf, ein Gespräch und schon ist unsere Gesellschaft etwas weniger gespalten. So jedenfalls die Idee hinter dem Projekt "Hotline für besorgte Bürger". Besorgte Bürger – verniedlicht diese Art Bezeichnung von Rechtsextremen oder stempelt die Menschen mit berechtigten Sorgen als Rassisten ab? Weder noch. Für Ali Can bezeichnet dieser Begriff zunächst einmal Menschen mit Gesprächsbedarf. Und genau für die engagiert er sich ehrenamtlich mit seiner Hotline.

Jeder redet über Flüchtlinge, jeder redet über Asylbewerber. Aber wo ist denn der Dialog? Ich wollte nicht übereinander reden, sondern miteinander und gleichzeitig die Chance bieten, falls jemand mal reden möchte und eine Frage hat, dass wir vielleicht gemeinsam darüber reden. Und dass ich dann irgendwie sozusagen der Migrant des Vertrauens bin, dass ich derjenige bin, mit dem man mal reden kann, plaudern kann.

Ali Can

Ali Can war früher selbst Asylbewerber. 1995 kam er als Kleinkind mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Heute ist er 23 und pausiert gerade sein Lehramtsstudium. Im August vergangenen Jahres hat Ali die Hotline ins Leben gerufen. Seitdem hat er bis zu 120 Anrufe entgegengenommen. Mit nur drei Anrufern davon kam kein vernünftiges Gespräch zustande. Mittlerweile hat er auch vier Kollegen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen.

Fragen über Fragen

Für sein Projekt zieht Ali Can bisher eine positive Bilanz. Schließlich geht es ihm auch nicht darum, seine Anrufer in einem Wortgefecht von seiner politischen Meinung zu überzeugen. Ali Can hört den Menschen zunächst einmal nur zu und stellt Fragen.

Ein Gespräch sieht ungefähr so aus, dass jemand sagt: "Ich bin gegen die Islamisierung des Abendlandes." Und ich frage dann: "Für was sind Sie auf der anderen Seite?" Und da sagt dann jemand zum Beispiel: "Ich bin für christliche Werte. Für die Gebote zum Beispiel." Und da horche ich auf und sage: "Ah! Für die Gebote? Meint das auch sowas wie Nächstenliebe?" Und da sagt mein Gesprächspartner oft "Ja" und zögert erstmal einen Moment.

Ali Can 

So will Ali Can einen Dialog schaffen und mit Vorurteilen und unbegründeten Ängsten rund um die Themen Integration und Islam aufräumen. Bisher scheint ihm das ganz gut zu gelingen.

Mehr zu dem Projekt erfahren Sie im Beitrag von Redakteurin Angela Fischer: 

Ein Bericht von Angela Fischer über das Projekt „Hotline für besorgte Bürger“
 

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Die Hotline erreichen Sie von Montag bis Donnerstag 18 bis 20 Uhr und Sonntags 20 bis 22 Uhr.