Berlinale 2018

Der Mann mit dem falschen Silberzahn

"Twilight"-Vampir Robert Pattinson landet im Wilden Westen und sucht seine Geliebte. Die skurrile Westernkomödie "Damsel" läuft im Wettbewerb der 68. Berlinale und spaltet die Gemüter.
Szene aus "Damsel"
Ein glückliches Liebespaar? Nicht mehr lange...

Ein kleines, süßes Miniaturpferd hat der Möchtegern-Cowboy Samuel Alabaster (Robert Pattinson) für seine geliebte Penelope (Mia Wasikowska) ausgesucht. Jetzt führt er es an der Leine als Hochzeitsgeschenk neben sich her. Problem an der ganzen Sache ist nur: Seine zukünftige Braut ist weg. Geraubt wurde sie von einem üblen Hinterwäldler, der sie nun in eine abgelegene Blockhütte verschleppt hat. Gemeinsam mit dem zwielichtigen und selten nüchternen Gottesmann Henry (David Zellner), der das Paar direkt trauen soll, macht sich Samuel auf den Weg durch den Wilden Westen. Die "damsel in distress", die Jungfrau in Nöten, muss befreit werden! Bereits unterwegs kommt es jedoch zu allerhand Turbulenzen und der wahre Schock kommt erst noch, als die beiden endlich an besagter Hütte ankommen... 

Irritiertes Lachen

Damsel ist ein ziemlich verstörender Film geworden, bei dem sich viele Fragen auftun. Wie kommt man solche Ideen? Warum hat niemand bemerkt, dass man sich vielleicht etwas zu ernst nimmt? Warum sind Robert Pattinson und Mia Wasikowska in diesem Film? Und warum schickt man Damsel im Berlinale-Wettbewerb ins Rennen gegen die üblichen Arthausfilme? David und Nathan Zellner haben auf jeden Fall eine Komödie geschaffen, die irgendwie aus der Reihe fällt und der man einen gewissen Charme nicht absprechen kann.

In Damsel soll das gesamte Western-Genre einmal komplett umgekrempelt und durch den Kakao gezogen werden. An dieser Stelle ist es schwer, ohne Spoiler ins Detail zu gehen, aber es sei gesagt, dass die von Mia Wasikowska gespielte Penelope keinesfalls die wehrlose Dame ist, die man aus diesem Genre sonst so kennt. In Wirklichkeit bestimmt sie, was hier passieren soll, denn die Männer in dieser Geschichte sind durch die Bank weg absolute Idioten. Leider geht die Mischung aus feministischer Westernparodie und Slapstick nicht so ganz auf. Am Ende ist Damsel weder das eine, noch das andere, und sorgt in vielen Szenen eher für Kopfschütteln.

Die Himbeeren rufen

Es gibt in Damsel Szenen, die so auch aus einem Film von Helge Schneider stammen könnten. Die ganze Komödie ist größtenteils eine Aneinanderreihung skurriler kleiner Sketche, die wunderbar gefilmt und in Szene gesetzt sind, aber eben nicht immer das tun, was sie sollen. Figuren tauchen aus dem Nichts auf und sorgen für Chaos, bevor sie wieder verschwinden. Leute werden aus Versehen in die Luft gesprengt, zwischendurch verirrt sich ein Indianer in die Geschichte und in der zweiten Hälfte schlagen die Regisseure und Drehbuchautoren mit vielen abstrusen Wendungen endgültig über die Stränge. Das Konzept würde aufgehen, wenn der Film nicht so endlos lang wäre. Fast zwei Stunden sind für diese dünne Geschichte nämlich viel zu lang.

Im recht überzeugenden Mittelteil wird die gerade aufgebaute Dynamik einer einzelnen Wendung geopfert und die Geschichte kommt plötzlich zum völligen Stillstand. In der zweiten Hälfte gibt es dann im Grunde genommen auch nicht mehr viel zu erzählen, die Situationskomik funktioniert nur selten. Damsel ist der perfekte Kandidat für die Goldene Himbeere 2019. Vor allem Robert Pattinson sorgt mit seiner Gesichtskirmes, dem unechten Silberzahn und dem übertriebenen Spiel eher unfreiwillig für Komik. Zwar mag die Rolle bewusst so angelegt sein, aber irgendwie hat hier niemand so wirklich verstanden, dass der ganze Film eine einzige Trashnummer geworden ist. Etwas mehr Selbstironie hätte nicht geschadet!

Fazit

In der Pressevorführung erntete der Film Buhrufe. Von einer Katastrophe ist Damsel weit entfernt, aber der Platz im Berlinale-Wettbewerb ist doch äußerst diskussionswürdig. Der Mittelteil hat ein paar gelungene Gags auf Lager und lässt Pattinson und Wasikowska groß aufspielen, ansonsten ist die Geschichte aber zu langweilig, um ihren Zweck als unterhaltsame Westernparodie zu erfüllen. 

 

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"Damsel" feierte Weltpremiere beim Sundance Festival 2018 und internationale Premiere im Wettbewerb der 68. Berlinale.

Ein regulärer Kinostart erfolgt voraussichtlich im Sommer 2018.

Regie und Drehbuch: David und Nathan Zellner

Laufzeit: 113 Minuten

Cast: Robert Pattinson, Mia Wasikowska, David und Nathan Zellner, Robert Forster, Joe Billingiere