Amerikas lokale Wirtschaft

Der lange Weg nach oben

Die US-amerikanische Wirtschaft schwächelt besonders in ländlichen Regionen, denn dank langer Anfahrtswege und einer geringen Kaufkraft straucheln lokale Kleinunternehmen-Betreibende. Durch mühevolle Aufbauarbeit ist Besserung in Sicht.
Das Shawnee Mercantile bringt wieder Leben auf die Main Street.

Einige Steinstufen führen seitlich am Schaufenster vorbei zur Tür des Shawnee Mercantile. Mit seiner hübsch dekorierten Fensterfront und zwischen den restlichen Ruinen der Hauptstraße wirkt das kleine Lädchen etwas verloren. Das Mercantile ist ein Laden für Dekoration und antike Fundstücke, der nur am Wochenende geöffnet hat, da die Besitzenden Vollzeitjobs haben. Anders könnten sie sich nicht über Wasser halten. Deb Hutmire und Bev Trovato haben das Mercantile zusammen gegründet.

„Vor zwei Jahren hatten wir während des Homecomings einen Stand. Wir haben ein paar Handarbeiten gezeigt und die Leute haben gefragt, ob wir ein Geschäft hätten. Und danach haben wir uns gesagt: Wir sollten einen eigenen Laden aufmachen!“

Bev Hutmire, Shawnee Mercantile

Im Mercantile kann die Kundschaft auch unter Anleitung Dekorationen basteln. Das ist für die wirtschaftsschwache Region ein ungewöhnliches Geschäftsmodell.

Starthilfe ist da

Rural Action, eine gemeinnützige Organisation, arbeitet daran das ländliche Ohio wiederaufzubauen. Dan Vorisek hilft Kleinunternehmern bei rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen. Er sagt, der Erfolg hänge nicht unbedingt von der Idee des Unternehmens ab.

„Der größte Geschäftserfolg kommt normalerweise durch einen Unternehmer, der ein guter Chef ist. Es kommt nicht unbedingt darauf an, was für ein Geschäft er hat. Wer gut in dem ist, was er macht, hat eher Erfolg.“

Dan Vorisek, Rural Action

Der Einzelhandel in Südost Ohio spielt eine entscheidende Rolle, denn mehr als zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung arbeiten in lokal geführten Kleinunternehmen. Schlichtweg, weil es kaum große Unternehmen oder Ketten gibt. Denn bedingt durch das geringe Einkommen ist auch die Kaufkraft sehr niedrig.

Eine gute Idee

Für Geschäftleute ist es also wichtig, das eigene Geschäftskonzept an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Bevölkerung anzupassen. Um langfristig Erfolg zu haben, müssen sie sich der ländlichen Struktur anpassen.

Viele unserer Gemeinden erholen sich von Dekaden, die durch große Firmen von außerhalb geprägt waren, die für Einkommen und wirtschaftliches Wachstum gesorgt haben. Und in gewisser Hinsicht haben wir vergessen, wie wir das auf lokaler Ebene selbst hinkriegen.

Dan Vorisek, Rural Action

Zusammenhalt stärken

Diese lokalen Unternehmen bieten zum einen Arbeitsplätze, zum anderen stellen sie die nötigsten Geschäfte bereit, um Gemeinden zu versorgen. In Vinton County wurde Ende 2017 der erste Supermarkt überhaupt eröffnet. Zum Vergleich: Der County hat die zehnfache Fläche Leipzigs. Zuvor mussten Bewohner über eine Stunde mit dem Auto fahren, um Lebensmittel zu kaufen. Denn wegen der geringen Kaufkraft hatte sich keine der großen Ketten angesiedelt. Gewinnorientiert zu arbeiten ist daher schwierig.

Die Gegend ist reich an Geschichte, aber wirtschaftlich arm. Daher sind die Gewinnmargen kleiner. Genauso wie die Einnahmen generell, damit es bezahlbar für Kunden bleibt.

Jenna Horiuchi, Americorps

Für Bev und Deb vom Shawnee Mercantile steht der wirtschaftliche Aspekt nicht an erster Stelle. Sie wollten einen Ort schaffen, an dem die Gemeinde zusammenkommt. Auf dem Tresen steht ein großes Glas mit Süßigkeiten, falls die Kinder aus dem Ort eine kleine Stärkung brauchen. Der Aufbau der Infrastruktur in ländlichen Gegenden ist besonders wichtig, denn nur so kann eine lebenswerte Umgebung geschaffen werden.

Durch lokale Kleinunternehmen kann das Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft auf lange Sicht gestärkt werden. Auch wenn dieser Prozess Jahrzehnte andauern kann.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Redakteurin Lauren Ramoser
0503 FS Beitrag
 

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