Unterwegs auf der Karl-Heine-Straße

Der Felsenkeller öffnet seine Türen

Der Felsenkeller in Plagwitz steht seit Jahren leer und wartet auf Trubel. Es wurde viel gemunkelt und spekuliert. Nun soll das Gebäude zu neuem Leben erwachen.
Den Felsenkeller im Leipziger Westen gibt es schon seit über 100 Jahren.

Dieses prachtvolle Eckgebäude kennt jeder. Auf der Kreuzung Karl-Heine-Straße/Zschochersche Straße kann man das ehemalige Ballhaus, das Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Neobarocks erbaut wurde, kaum übersehen. Die historische Bedeutung des Gebäudes ist unbestreitbar. Im 19. Jahrhundert wurde der Felsenkeller als Veranstaltungsort für Bälle und Konzerte genutzt. Im Prozess der Industrialisierung wandelten sich die Stadtteile Lindenau und Plagwitz zu typischen Arbeitervierteln, sie wurden Anzugsort für bedeutende Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Clara Zetkin oder Ernst Thälmann. Und sie alle sprachen hier. Nun ist es still um den Felsenkeller geworden. Es herrscht allgemeine Unwissenheit um Nutzen und Zukunft dieses Ortes. Vonn einigen vereinzelten Veranstaltungen abgesehen blieb der Felsenkeller ungenutzt. Ein paar Events im Jahr, und auch diese gibt es nicht mehr. Der Grund ist wohl die fehlende Kommunikation zwischen dem Besitzer, Anwohnern und der Stadt.

Der Felsenkeller als Supermarkt?

Erst als ein Konzept zur kommerziellen Nutzung des Gebäudes als Supermarkt in Umlauf gebracht wurde, kam Bewegung in die Sache. Tommy Fethkes Laden liegt gleich gegenüber. Er beschäftigt sich schon länger mit dem Felsenkeller und macht sich Gedanken um die Zukunft des Gebäudes.

"Da gab's auch 'ne Bürgerbewegung, die sich gegen so ne kommerzielle Nutzung durch 'ne Supermarktkette ausgesprochen hat. Supermarkt, das passt ja überhaupt nicht da rein und das ist auch nichts, was jetzt hier die Anwohner wollen oder schätzen würden."

Wem gehört eigentlich der Felsenkeller?

Handelt es sich bei dem Besitzer tatsächlich um einen profitgeilen Kulturbanausen? Herr Doktor Ingo Seidemann arbeitet als Projektleiter und klärte uns auf. Beim Besitzer handele es sich um einen Plagwitzer, dem das Projekt sehr am Herzen liege. Er habe schon einen Wert von ca. 500.000 Euro investiert und man könne ihm dankbar sein, dass das Gebäude noch steht. Momentan gebe es aber noch Sanierungsauflagen, die es zu finanzieren gelte. Sobald diese Hürde überwunden ist, soll der Felsenkeller seine Türen für Kunst und Kultur wieder öffnen, so Seidemann:

„Comedy, Kabarett, Juristenball, alles, was es da auch schon gegeben hat, kann da auch wieder stattfinden. Wir haben vor, zum Jahresende bereits, die Wiederintaktsetzung des Felsenkellers zu schaffen. Ein entsprechender Antrag ist bei der Bauordnungsbehörde eingereicht worden. Wir hoffen, dass wir im Dialog mit den zuständigen Fachbehörden einen Weg finden können, dass wir alle brandschutztechnischen Voraussetzungen schaffen können um das Saalgebäude als solches für Veranstaltungen wieder öffnen zu können."

Der Felsenkeller bleibt also der Kultur im Westen treu und kann schon bald für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden.

mephisto 97.6 - Reporter Nicolai von Schwarze über den Felsenkeller.
Felsenkeller
Felsenkeller
 

Kommentieren