Fußball und Politik

Der FC Lok - ein Verein und sein Image

Seit der Neugründung des Vereins 2003 wird der Club immer wieder mit rechtsextremistischen Positionen in Verbindung gebracht. Erst vor Kurzem gab es einen antisemitischen Vorfall, der in Zusammenhang mit dem FC Lok steht.
Der Fanblock des FC Lok

Vor einigen Wochen tauchte ein antisemitischer Aufkleber aus dem Lok-Umfeld auf. Dieser zeigt das jüdische Mädchen Anne Frank im Trikot des Erzrivalen Chemie Leipzig. Es ist zudem der Tag und die Uhrzeit für das anstehende Derby zwischen Lok und Chemie.
Lok Leipzig ist ein bezeichnendes Beispiel für einen Fußballclub, bei dem seit Bestehen Rechtsextremismus eine Rolle spielt. Schon seit den 90ern gehen Anhänger aus dem rechtsextremen Umfeld zu dem Club aus dem Stadtteil Probstheida.

Neugründung hilft nicht

Nach zwei Insolvenzverfahren wurde der Verein 2003 neu gegründet. Die Führung übernahm Steffen Kubald – ein ehemaliger Hooligan. Mit dabei war das NPD-Mitglied Nils Larisch. Durch dessen Unterstützung rückte die NPD näher an den Verein. So machte Holger Apfel, Mitglied der Partei, zur sächsischen Landtagswahl Wahlkampf vor dem Lok-Stadion. Das Bindeglied zwischen NPD und Lok war die Hooligangruppierung Scenario Lok. Jens Frohburg von der Organisation Chronik.LE, die sich mit der Dokumentation von rechten Übergriffen beschäftigt, erklärt, dass es sich bei dieser Gruppe um die letzte Ultra- bzw. Hooligangruppierung bei Lok handelt, die sich eindeutig faschistisch – auch öffentlich – positioniert hat. Die etwa 30-köpfige Gruppe ist maßgeblich verantwortlich für das rechte Image des Vereins. So bildeten sie in der Fankurve ein aus Menschen geformtes Hakenkreuz. Die Gruppierung wird auch vom Verfassungsschutz überwacht.

Zäsur in der Vereinsführung

In den vergangenen Jahren hat sich aber einiges bei Lok geändert: Es gibt einen neuen Vorstand, der eine klare Linie fährt. 2013 erhielt Scenario Lok gemeinsam mit anderen rechten Gruppen Stadionverbot. Zu Scenario Lok konkret wollte sich die Vereinsführung auf Anfrage jedoch nicht äußern.
Auch bei den Fans gibt es Neuigkeiten. Die alternative Ultragruppe Blue Side Lok wurde vor einigen Jahren von Nazis bedroht und aus dem Stadion gedrängt. Inzwischen sind sie zurück und werden von einem Fanprojekt unterstützt. Es wird darauf geachtet, dass keine neuen Fans aus der Neonaziszene rekrutiert werden: Dadurch können potentiell auch antirassistische Inhalte ins Stadion gelangen, für die die alternative Fangruppe nach eigenen Angaben ebenfalls steht.

Reichen die Bemühungen aus?

Das rechte Image loszuwerden, sei aber nach wie vor schwierig, wie Lok-Vizepräsident Alexander Voigt betont. Der Verein versuche tagtäglich, dieses negative Image abzulegen. Der Zulauf von neuen Fans sei eingeschränkt und es sei schwieriger neue Sponsoren zu gewinnen. Er bittet neben all der Kritik, auch die Bemühungen des Vereins wahrzunehmen. Letztlich könne der Verein aber nur mit den Mitteln agieren, die ihm zur Verfügung stehen. Insgesamt handele es sich um ein gesellschaftliches Problem, welches der Verein selbst nicht beheben könne. Auch die Vereinssatzung wurde 2014 angepasst. Dort steht explizit, dass Rassismus und Gewalt bei Lok keinen Platz haben. Der Verein grenzt sich aber auch von linker Gewalt und Islamismus ab. Dabei hatte der Verein damit noch nie Probleme. Bei Chronik.LE nimmt man die Abgrenzungsversuche zur Kenntnis. Dennoch gebe es aber keine langfristige Strategie zur Bekämpfung von Rechtsextremismus.

Stadionverbote, klar trifft man alle oder man trifft nur einen Teil? Es hat sich aber schon etliches geändert in der letzten Zeit - und zwar zum Positiven.

Ein Lok-Fan, der anonym bleiben möchte

Festzuhalten bleibt: Die alten Akteure werden nicht von heute auf morgen verschwinden. Rechtsextremismus bleibt auch weiterhin eine Herausforderung für den Verein. Die Auseinandersetzung mit rechten Anhängern wird den FC Lok auch in Zukunft beschäftigen.

 

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