Soziale Netzwerke

Der Facebook-Faktor

Wie links oder rechts ist die Facebook-Welt? Vor wenigen Wochen hat die Süddeutsche Zeitung einen Test entwickelt, der sich ebendieser Frage stellt. Ein Selbstversuch.
Wie groß ist Ihre Facebook-Filterblase? Ein Test der Süddeutschen Zeitung gibt eine mögliche Antwort auf die Frage.
Täglich konsumieren wir politische Inhalte auf Facebook, ohne dabei unseren persönlichen Newsfilter zu hinterfragen.

Dass Facebook unseren Newsfeed mit Hilfe von Algorithmen an unser Like-Verhalten anpasst, ist nichts Neues. In den Neuigkeiten wird uns vordergründig das angezeigt, was in unserem Freundeskreis besonders beliebt ist. Oft fällt in diesem Zusammenhang der Begriff der sogenannten Filterblase: Durch den Facebook-Algorithmus konsumieren wir kaum noch Inhalte, die unserem Meinungsbild widersprechen, und nehmen die Welt praktisch nur noch durch die eigene Filterblase wahr.

Von Freunden und Filterblasen

Wie ist es wohl um meine Filterblase bestellt, frage ich mich und stelle mich dem Test der Süddeutschen Zeitung. Ein Facebook-Login genügt, schon habe ich mein Ergebnis:

Ergebnis beim Filterblasen-Test
Mein Ergebnis zeigt Überschneidungen mit Nutzern aus bestimmten politischen Milieus.

Am meisten soll ich mich also zur SPD hingezogen fühlen. Eigentlich sympathisiere ich aber eher mit den Grünen. Was mich noch mehr überrascht: Wie kann es bei zwei gegensätzlichen Parteien wie der SPD und der FDP so viele Überschneidungen geben? Katharina Brunner, Datenjournalistin bei der Süddeutschen Zeitung, erklärt mir, wie das Ergebnis zustande kommt. Mit ihrer Redaktion habe sie Hitlisten erstellt - jeweils eine für die sieben Parteien. Dabei wurden für jede Partei jene 50 Seiten aufgelistet, die unter Facebook-Nutzern aus dem Milieu dieser Partei besonders beliebt sind. Bei dem Test werden dann die eigenen gelikten Facebook-Seiten abgerufen und anschließend mit den Daten der Süddeutschen Zeitung abgeglichen. Bei Überschneidungen bekommt man eine bestimmte Punktzahl zugeteilt, je nachdem, wie beliebt eine Seite in einem der parteipolitischen Milieu ist.

Ich sehe mir an, um welche Seiten es sich bei meinem Ergebnis konkret handelt. Bei SPD, FDP, Grüne und Linke sind das die heute-show, extra3 und Jan Böhmermann. Facebook-Nutzer aus dem CDU/CSU-Milieu liken genau wie ich die heute-show und ZDF heute. An deren Spitze steht aber die deutsche Fußballnationalmannschaft. Bei der AfD genauso. Auch die Seiten Jung & Naiv und Queen verbinden mich mit Anhängern der AfD. Wie groß ist denn nun meine Filterblase?

Echokammer statt Filterblase

Experimente wie der Test der Süddeutschen Zeitung seien nur begrenzt aussagefähig, sagt Dirk Arnold vom Leipziger Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft. Er sieht weitere Einflussfaktoren auf die eigene Filterblase.

Es hängt natürlich auch maßgeblich von Ihrem Freundeskreis ab. Und ob Sie die Neugierde und das Interesse haben, auch auf Dinge zu klicken, die nicht bekannt sind oder die vielleicht konträr zu Ihnen stehen.

 

Dirk Arnold, Kommunikationswissenschaftler

Tatsächlich kommt die Süddeutsche Zeitung zu einem ähnlichen Fazit. Filterblasen mit festen Grenzen gibt es so nicht. Deshalb habe mein Ergebnis auch Überschneidungen mit SPD UND FDP, erklärt Katharina Brunner.

Es gibt keine klar voneinander abgegrenzten Sphären, sondern einen gewissen gesellschaftlichen Konsens, der sich darin widerspiegelt, dass SPD, FDP, die Grünen, die Linken und die CDU ein ziemliches Konglomerat sind und relativ eng beieinanderstehen. Auffällig ist, dass die AfD tatsächlich ein bisschen isoliert dasteht.

Katharina Brunner, Journalistin

In den sozialen Netzwerken zeichnen sich also zwei Lager ab. Auf der einen Seite die Anhänger der etablierten Parteien, auf der anderen die der AfD. Treffender als der Begriff der Filterblase ist hier der sogenannte Echokammer-Effekt. Durch den verstärkten Kontakt mit Gleichgesinnten in sozialen Netzwerken kann es zu einer Verengung der Weltsicht kommen. Anders als bei der Filterblase, die sich eben nur auf den einzelnen Nutzer bezieht.

Ob Filterblase oder Echokammer, so groß kann die bei mir gar nicht sein, schließe ich aus meinem persönlichen Ergebnis. Klar, die AfD ist meinem Newsfeed nicht wirklich präsent. Deshalb ist Facebook für mich ja auch kein Informationsmedium. Konträre Meinungen gehören zum gesellschaftlichen Diskurs einfach dazu.

Den Beitrag von Angela Fischer gibt es hier zum Nachhören:

Ein Beitrag von Angela Fischer über Filterblasen in sozialen Netzwerken
30.05.

 
 

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