Theaterrezension

Der Elefant im Raum

Das Theater der Jungen Welt baut in ihrer neuen deutsch-georgischen Koproduktion Brücken zwischen zwei sich fremden Welten für junge Menschen ab drei Jahren.
Bild aus "Splikifant"
Das komplette Ensemble

Die Betten werden aneinander geschoben, die Matratzen darüber gelegt und die Decke über alles geschmissen: Fertig ist die Höhle zum Verkriechen. Die sieht aber irgendwie komisch aus. Ist das etwa der Splikifant, der uns da anschaut?

Magische Möglichkeiten

Die Geschichte vom Splikifanten beginnt in zwei Kinderzimmern. Die abendliche Routine vor dem Zubettgehen steht an: Zähne putzen, Schlafanzug anziehen und Bettdecke richten. Doch irgendwie funktioniert das mit dem Einschlafen nicht so recht. Weder müde noch munter eröffnet die Spielzeugkiste eine magische Möglichkeit, Kontakt miteinander aufzunehmen und sich kennenzulernen. Plötzlich sind beide mittendrin in einer anderen Welt mit anderen Farben, anderen Süßigkeiten und vor allem: einer anderen Sprache.

Bild zu "Splikifant"
Sockenpuppe

Deutsch-georgische Koproduktion

Die Sprachhürden sind es dann auch, die für die wundersame Wortneuschöpfung des „Splikifant“ sorgen: einer Mischung aus dem deutschen und georgischen Wort für Elefant. Seines Zeichens Lieblingskuscheltier eines Kindes, bildet er den Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung von Jule Kracht. Entstanden ist diese in deutsch-georgischer Koproduktion mit dem Nodar Dumbadze Professional State Youth Theatre, dem ältesten professionellen Kinder- und Jugendtheater Georgiens. Das Besondere: Jede Vorstellung wird von einem Spieler und einer Spielerin aus Deutschland und Georgien gespielt.

Erinerrungen wecken

Nicht nur den jüngeren auch die älteren Zuschauenden überkommen sofort wohlige Kindheitserinnerungen von den abendlichen Zubettgehversuchen, wenn die Schauspielenden (Nora-Lee Sanwald und Giorgi Jikuridze) plötzlich ihre geheim gehorteten Süßigkeiten unter dem Kissen hervorzaubern. Aber auch Erinnerungen an die gelegentlichen Ängste beim Einschlafen, wie die vor der Dunkelheit, werden gezeigt. Mit der Taschenlampe bewaffnet gegen das Unsichtbare entwickeln sich aberwitzige Verfolgungsjagden durch das Nichts im Kinderzimmer, auf die wohltuende Gesangseinlagen zur Beruhigung folgen. Das junge Publikum ist ganz begeistert und will wissen: "Was passiert hier?"

Liebevolle Gestaltung

Kracht gelingt es, die Gegensätze der beiden Welten auf subtile Art und Weise durchschimmern zu lassen, ohne dabei zu tief in die Klischeekiste „typisch georgisch“ oder „typisch deutsch“ greifen zu müssen. Das gelingt vor allem, durch die liebevoll eingerichtete Bühne und die verspielten Kostüme (Carsten Schmidt und Nino Chitaishvili), die eher mit farblichen als zu symbolhaften Unterscheidungen arbeiten. Wiederkennen kann man sich doch in beiden Welten und miterleben wie aus zwei Fremden ein Miteinander wird.

Die Rezension zum Nachhören:

Moderator Maximilian Enderling im Gespräch mit Anna Hoffmeister

Moderation: Maximilian Enderling

Rezension zu "Splikifant"
 

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Splikifant

Premiere: 13. April 2019

Spielort: Theater der jungen Welt

Regie: Jule Kracht

Darstellende:

Sophia Akhuaschwili

Nora-Lee Sanwald

Giorgi Jikuridze

Benjamin Vinnen

Aufführungstermine:

03. Mai 2019, 10 Uhr

05. Mai 2019, 16 Uhr

06. Mai 2019, 10 Uhr