Filmrezension - Logan Lucky

Der Cousin der Ocean´s Filme

Zwei Brüder und ein perfekter Raub zum großen Geld. 16 Jahre nach Ocean´s Eleven kehrt Regisseur Steven Soderbergh mit seinem neuen Film "Logan Lucky" zu alten Mustern zurück. Das Ergebnis bleibt aber leider hinter den Erwartungen zurück.
Adam Driver und Channing Tatum als Geschwisterpaar mit Geldproblemen

Vier Jahre ist es her, seit Regisseur Steven Soderbergh seinen Abschied aus dem Filmgeschäft bekannt gegeben hat. Zu viel würden die Filmstudios sich einmischen und zu sehr würden sie sich auf große Blockbuster ohne erzählerischen Tiefgang konzentrieren. Soderbergh wechselte ins Fernsehen, drehte dort den viel beachteten "Liberace" für HBO und wirkte an der Serie "The Knick" über ein Krankenhaus in New York Anfang des 20. Jahrhunderts mit. 

Alles aus einer Hand

Doch wie einst bei Howard Carpendale war auch hier die Abkehr nicht von Dauer. Soderbergh macht wieder Kino, diesmal zu seinen eigenen Bedingungen. Bei seinem neuen Film Logan Lucky, der seit Donnerstag in den Kinos läuft, war er verantwortlich für Regie, Kamera, Schnitt und vermutlich auch das Drehbuch (den Namen Rebecca Blunt halten viele für ein Pseudonym) und für den Verleih wurde mit Fingerprint Releasing kurzerhand eine eigene Firma gegründet. Kein Einfluss mehr von außen, alles in den Händen von Steven Soderbergh. Wirklich Überraschendes ist dabei nicht herausgekommen, er selbst bezeichnet den Film als eine Art Cousin der Ocean´s Filme.

Die Logans ohne Glück

Sie haben es nicht leicht die Logan Brüder Clyde und Jimmy. Clyde Logan (Adam Driver) hat im Kampfeinsatz seinen Arm verloren und trägt jetzt vom Ellenbogen abwärts eine Prothese. Er arbeitet als Barkeeper und wird dort regelmäßig aufgrund seines Handicaps schikaniert. Sein Bruder Jimmy Logan (Channing Tatum) schlägt sich derweil mit Gelegenheitsjobs herum, die ihm nicht wirklich aus seinen Geldsorgen heraushelfen. Als er bei einem dieser Jobs an einer NASCAR-Rennstrecke arbeitet, kommt ihm die Idee zum perfekten Geldraub: Am Tag des prestigeträchtigsten Rennens in der NASCAR Saison, dem Cola Cup 600, scheint sich die Möglichkeit aufzutun, mithilfe eines unterirdischen Tunnelsystems unter der Rennstrecke das große Geld zu erbeuten. Da weder Clyde noch Jimmy über die nötige Expertise verfügen ein solches Unterfangen bewältigen zu können, holen sie sich Hilfe beim gelernten Safeknacker Joe Bang, der hier schön überzeichnet und mit platinblonder Kurzhaarfrisur von Daniel Craig gespielt wird. Der sitzt aber noch im Gefängnis, sodass nun nicht mehr nur ein Raubüberfall, sondern auch noch ein gut geplanter Gefängnisausbruch auf der To-Do Liste steht. Die Probleme scheinen kein Ende zu nehmen, doch die beiden Brüder sind fest entschlossen, sich und ihrer Familie endlich auch einmal zum Glück zu verhelfen.

Wenig Neues

Logan Lucky verläuft leider weitestgehend ohne Überraschungen und wirkliche Höhepunkte. Die Geschichte ist sehr vorhersehbar und selbst die für Soderbergh typische Auflösung am Ende vermag nicht wirklich einen Aha-Moment beim Zuschauer zu hervorzurufen. Als Cousin der Ocean´s Filme fehlt es Logan Lucky dazu einfach an Intelligenz. Das ganze Smarte und Schnelle, was diese Filme ausgemacht hat, ist hier kaum zu finden. Der Film schafft es nie wirklich in Fahrt zu kommen, einen eignen Rhythmus zu entwickeln, stattdessen wirkt er immer um ein paar Sekunden aus dem Takt gefallen.

Zu Besuch im amerikanischen Hinterland

Das ist doppelt ärgerlich, denn nicht nur hätte man Soderbergh eine originellere Rückkehr zur großen Leinwand gewünscht, sondern der Szenerie auch mehr Aufmerksamkeit. Dass diese bei all der Kritik nun untergeht, wird ihr nicht gerecht. Zu stimmungsvoll ist das Land eingefangen, irgendwo im Süden der USA zwischen Wohnwagensiedlungen und weißen Neubauvillen, zwischen all den Pick Up Trucks und Nationalflaggen. Das viel beschriebene Hinterland hat hier einen starken Auftritt. Auch macht es Spaß, den Darstellern zuzuhören, wie sie sich alle einmal in Südstaatendialekten ausprobieren. Die Charaktere sind dabei klischeebelastet und stereotypisiert, werden aber von der Geschichte ernstgenommen und nicht zu Witzfiguren. Das gibt ihnen in manchen Momenten Tiefe, die von den Darstellern auch gut ausgespielt wird. Auch der Wortwitz, der in manchen Stellen im Skript steckt, wird pointiert umgesetzt. 

So hat Logan Lucky zwar immer wieder Momente, in denen der Film wirklich Spaß macht. Die alleine schaffen es aber leider nicht über die gesamte Länge von immerhin zwei Stunden zu fesseln und zu begeistern. Insgesamt bleibt man als Zuschauer am Ende etwas enttäuscht zurück. Darüber was hätte sein können, bei dem Regisseur, bei dem Cast. Als hoffnungsvoller Ausblick bleibt, dass Steven Soderbergh jetzt wieder mehr Kinofilme dreht. Das nächste Mal dann vielleicht etwas mehr Mut zu Neuem.

 

 

 

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Lennart Johannsen
18.09.2017 - 11:11
  Kultur

Regie: Steven Soderbergh

Darsteller: Channing Tatum, Adam Driver, Riley Keough, Daniel Craig, Katie Holmes, Hilary Swank