Buchmesse 2018

"Der Böse Mensch"

Für Immanuel Kant gehört das Böse fest zur menschlichen Natur. Mit "Der Böse Mensch“ testet Lorenz Just die ambivalente Kategorie auf ihre Alltagstauglichkeit. Der Newcomer stellte sein literarisches Debüt auf der Buchmesse vor.
Lorenz Just
"Der böse Mensch" ist das literarische Debüt des Autors Lorenz Just.

Allerlei Bösewichte haben die Mülltonnen in Brand gesetzt. Über die lodernden Flammen steigt pechschwarzer Qualm auf ­– die reinste Schande wie Herr Naumann leise vor sich hinspricht, während er das Küchenfenster schließt. Der Nachbar lehnt in der Tür zum Hinterhof und blickt selbstvergessen den emporsteigenden Rauchsäulen hinterher.

"Der böse Mensch", S.87

Ein ehemaliger Warlord findet in Deutschland eine neue Heimat und gibt sich in der Badewanne Tagträumen vergangener Kriegszeiten hin. Ein Künstler sucht nach seiner Daseinsberechtigung und hofft auf eine große Künstlerkarriere, frei von den Fesseln des sozial Erwünschten. Ein Vater trauert um sein abgetriebenes Kind und schreibt sich sein Gewissen rein.

In 16 Kurzgeschichten entwirft Lorenz Just die Welt vermeintlich normaler Kleinstädter. In seinen Erzählungen blickt er hinter die Fassade des Durchschnittsdeutschen, des Geflüchteten, des Künstlers oder des Vaters. Er nähert sich deren Biographien, sozialen Kontexten und emotionalen Beweggründen an. Sie alle eint das Böse. Für Lorenz Just ist das aber nicht über die philosophisch-abstrakte Ebene zu erklären. Es ist banaler.

Im Buch war ein Indikator dafür, dass ein Mensch mit dem Bösen konfrontiert ist oder war, immer der, dass sich das Gewissen meldet. Da wo jemand eine Schuld spürt, hat er subjektiv sich sozusagen auf die Seite des Bösen begeben und muss im Nachhinein damit umgehen.

Lorenz Just

Lorenz Just legt den Finger in die Wunde gesellschaftlicher Tabu-Themen: Menschenrechtsverletzung, Umweltzerstörung oder Akzeptanz von Abtreibung und Behinderung. Eingewebt in den Alltag einzelner Figuren, erhebt der Autor subtil den moralischen Zeigefinger.

Mit "Der Böse Mensch" stellt Lorenz Just sich den ungemütlichen Fragen in seinem eigenen sozialen und gesellschaftlichen Hintergrund. Literatur müsse immer die Frage nach dem Bösen aufwerfen.

Im Buch widme ich mich diesem Assoziationsraum des bösen Menschen (...). Die Texte sind tatsächlich meine Versuche mich dem anzunähern. Es geht natürlich nicht um Mörder, sondern eher um uns westliche Menschen, oder um mich selbst, oder den Menschen, denen ich mich zugehörig fühle, inwiefern wir böse Menschen sind.

Lorenz Just

„Der Böse Mensch“ ist eine Dokumentation vieler Einzelschicksale, welche im Zusammenschluss allgemeingültigen Charakter erhalten. Der Erzählband lebt von der intensiven Beziehung zwischen den Figuren und dem Leser und den Kontrasten Gut gegen Böse.

„Der Böse Mensch“ schärft den alltäglichen Blick auf Ungerechtigkeiten im Kleinen wie im Großen. Nicht immer ist das Böse offensichtlich, sondern auch versteckt im Alltag.

Die gesamte Buchrezension zum Nachhören:

"Der Böse Mensch" - eine Buchrezension von Theresia Lutz
 

 

 

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Theresia Lutz
23.03.2018 - 22:55
  Kultur