Deutsche Einheit

Denkmal ohne Einheit?

Ob Ost-West-Unterschiede oder gescheiterte Planungsabläufe: es gibt viele Kontroversen um das geplante Einheitsdenkmal in Leipzig. Nun legt Oberbürgermeister Burkhard Jung das Projekt in die Hände der Bürgerrechtler.
Friedliche Revolution Gedentafel
Gedenktafel an die Friedliche Revolution 1989 in Leipzig

Aller guten Dinge sind drei 

Geplant ist das Freiheits- und Einheitsdenkmal schon seit einem Beschluss des Bundestages im Jahr 2007. Der erste Versuch der Umsetzung scheiterte aufgrund von mangelnder Bürgerbeteiligung und fehlender Transparenz bei der Auswahl des finalen Entwurfs. So waren zu viele Bürger gegen das Architekturkonzept, welches das Aufstellen von 70 000 bunten Würfeln auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz beinhaltete. 2014 wurde das gesamte Projekt deshalb auf Eis gelegt. Fördergelder des Bundes in Höhe von fünf Millionen Euro blieben der Stadt aber immer noch zur Verfügung gestellt. Als Mitte Februar dieses Jahres die Planung des ebenso umstrittenen Einheitsdenkmals in Berlin wiederaufgenommen wurde, griff auch die Stadt Leipzig ihr Vorhaben wieder auf. Der Streitpunkt diesmal: die Standortfrage. Während die CDU weiter am Wilhelm-Leuschner-Platz festhielt, brachte die SPD mit dem Matthaikirchhof das frühere Stasi-Areal ins Spiel. Heute verkündete Oberbürgermeister Burkhard Jung im Interview mit der Leipziger Volkszeitung dann die nächste Überraschung: Die Stadt legt die Vorbereitungen für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in die Hände von Bürgerrechtlern. Dazu gehören Tobias Hollitzer vom Museum in der Runden Ecke, Regina Schild von der Leipziger Stasiunterlagen-Behörde, Tobias Töpfer vom Schulmuseum, Uwe Schwabe vom Bürgerarchiv sowie Rainer Vor, Michael Kölsch und Gesine Oltmanns von der „Stiftung Friedliche Revolution“. Ein erster Entwurf soll laut OB Jung zum 30. Revolutionsjubiläum vorliegen. Was aus dem dritten Anlauf für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig letztendlich wird, ist noch völlig unklar.

Ob dann in fünf, sechs, sieben, zehn Jahren ein Denkmal steht – ich weiß es nicht. Vielleicht dauert es noch länger.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)

Denkmal allein reicht nicht

Doch nicht nur der schwierige Planungsprozess sorgt für Aufregung: 

Denkmal für wen? Für was? Nach fast 30 Jahren gibt es immer noch große Unterschiede. Die Vereinigung habe ich mir ganz anders vorgestellt.

Nake Flock, Revolutionärin vom 09. Oktober 1989

Tatsächlich gibt es in vielen Bereichen immer noch ein Ost-West-Gefälle: Der Mittelwert der Gehälter im Westen ist 25 Prozent größer als im Osten. Und während Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg neben Berlin zu den Bundesländern mit der höchsten Arbeitslosenquote zählen, liegen die Quoten in fast allen alten Bundesländern unter sieben Prozent. Auch bei der Rente gibt es immer noch Ungleichheiten. Der Rentenwert im Osten beträgt derzeit 97,1 Prozent des Westwertes. Von Gehältern über Arbeitslosenzahlen bis hin zu den Renten wird deutlich: Fünf Millionen Euro wären vielleicht anderswo besser angelegt, als in einem Freiheits- und Einheitsdenkmal. 

Den Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Hendrik Zimny zum Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig hören Sie hier:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Hendrik Zimny
0903_BmE_Einheitsdenkmal
 

Kommentieren