Frisch Gepresst: To Kill A King

Den Teufel im Hinterhof

Die Folk-Rock Band To Kill A King hat mit ihrem neuen Album lange auf sich warten lassen. Seit ihrer letzten Platte vor drei Jahren hat sich einiges für die Briten geändert. Herausgekommen ist ein fulminantes drittes Album.
To Kill A King
To Kill A King sind Grant McNeill, James Ball, Ralph Pelleymounter, Ben Jackson & Josh Taffel

„The Spiritual Dark Age“ sind die letzten drei Jahre meines Lebens, gewissenhaft verpackt in 40 Minuten Musik.“ - sagt Ralph Pelleymounter, Sänger von To Kill A King über deren neues Album. Diese letzten drei Jahre waren für die Wahl-Londoner wahrscheinlich alles andere als leicht. Nach dem Erfolg ihres zweiten Albums, einer ausführlichen Tour durch Großbritannien und Europa und jeder Menge Festivalauftritte wurde es nämlich erst mal sehr still um die Band. Es war schwer geworden, die vielen Autofahrten, Studiokosten und Instrumentreparaturen zu finanzieren. To Kill A King entschieden sich für einen Weg, den immer mehr Künstler gehen: Sie trennten sich von ihrem Plattenlabel und ließen sich ihre Karriere via Crowdfunding von ihren Fans finanzieren. Herausgekommen ist dabei ein Album, welches eben jene Fans sehr glücklich machen wird.

Mitgefühl als Waffe

Schon auf ihrer ersten Platte waren To Kill A King für ihre Gabe gelobt wurde, düstere Folk-Hymnen zu schreiben, was ihnen schnell Vergleiche mit Bands wie The National einbrachte. Auch Ralph Pelleymounters eindringliche, dunkle Stimme wurde in den Himmel gehoben. Die steht auch auf „The Spiritual Dark Age“ ganz klar im Vordergrund. Durch das gesamte Album hindurch spürt man eine gewisse Faszination für Tod und Religion, welche auch schon auf den vergangenen Veröffentlichungen zu finden war. Der Titeltrack des Albums - „Spiritual Dark Age“ - eröffnet gleich mit der Frage, ob Gott eigentlich noch lebe. Dabei kommen sie schnell zur Lösung: Nein, wir sind auf uns allein gestellt. Aber (Gott Sei Dank) helfen wir uns alle gegenseitig dabei, durch dieses Leben zu kommen.

Dass Religion eher kritisch zu betrachten ist, wird auch im Song „The Unspeakable Crimes of Peter Popoff“ deutlich. Dort wird die Geschichte von jenem Fernsehprediger erzählt, der tausenden Menschen das Geld aus den Taschen zog, indem er ihnen so genanntes „Wunderwasser“ verkaufte. Von solchen großen aber auch von kleinen Untaten erzählt „The Spiritual Dark Age“, aber auch zartere Themen, wie Liebe oder Mitgefühl, werden besungen. Mal düster und traurig, aber auch hoffnungsvoll und fröhlich wie in „Compassion Is A German Word“.

Die leisen und lauten Töne

Das Album fällt durch seine schnellen Rocknummern auf, die durch ihre cleveren Gitarrenriffs und dazu passendes Schlagzeug bestechen. Dass To Kill A King Meister des Tempowechsels sind, haben sie schon auf ihren vergangenen Alben gezeigt und auch „The Spiritual Dark Age“ wechselt melodiöse Strophen und schnelle Refrains. Der Track „Cherry Blossoms Fall“ ist zusätzlich noch gespickt von wunderschönen Violinen. Die gibt es auf „No More Love Songs“ zwar nicht zu hören, dafür ein fast Synthie-mäßiges Schlagzeug und Kazoo-artige Zwischenstücke, die die Strophen mit dem fantastischen Refrain verbinden. Definitiv ein Highlight in der Mitte des Albums.

Neben den voluminösen Gitarrentracks gibt es aber auch ruhige Stücke zu hören. „Oh Joy“ ist ein dunkler und doch zarter Folk-Song, der einen willkommenen Break zwischen den sonst sehr wuchtigen Rocknummern liefert. Gegen Ende des Albums sorgen „My God & Your God“ und „I Used To Work Here, Perhaps You Did Too“ nämlich für Rock, der leider etwas überladen und durcheinander wirkt und etwas plump daherkommt. Beendet wird das „The Spiritual Dark Age“ von einer Ballade, bei der die Gesangsstimme nur von Klavier und Streichern umrahmt wird. Ein gelungener und stiller Ausstieg aus der Platte.

„You Go Big or You Go Home“

Die letzten drei Jahre der fünf Jungs von To Kill A King haben sich zumindest musikalisch gelohnt. „The Spiritual Dark Age“ verbindet die melodiösen Folktracks des ersten und die voluminösen Rocknummern des zweiten Albums. Es gibt die gewohnt intelligenten, düsteren Themen auf die Ohren, die einen mit einem Hoffnungsschimmer zurücklassen und die leichten Liebeslieder, die man nur gernhaben kann. Ein paar Songs wirken zwar etwas überladen und sind definitiv wilder als von der Band gewohnt, aber auch die werden gut in die Platte eingebettet. Wer To Kill A King bis jetzt noch keine Chance gegeben hat, sollte das ganz schnell nachholen.

 

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To Kill A King: The Spiritual Dark Age

Tracklist:

1. Spiritual Dark Age*
2. The Unspeakable Crimes of Peter Popoff
3. Compassion Is A German Word
4. Cherry Blossom Falls* 
5. No More Love Songs*
6. Oh Joy
7. The Good Old Days*
8. The One With The Jackals
9. I Used To Work Here, Perhaps You Did Too?
10. My God & Your God
11. Bar Fights
12. And Yet..

 

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 12.01.2018
These Are My Bones

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Im September waren To Kill A King zu Gast in unserer Redaktion. Bei diesem intimen Wohnzimmerkonzert haben sie alte und neue Songs zum Besten gegeben. Eine Besprechung des Abends findet ihr hier.

Hier gibt es eine Rezension zum letzten Album von To Kill A King.

Hin und wieder geht es für To Kill A King hoch hinaus. Was 2012 als "Ralph's Balcony Sessions" begann, hat die Band mittlerweile von den Balkonen Londons bis in einen Leuchtturm in Wangerooge geführt.