Interview: Käptn Peng

"Dem weißen Kaninchen der Reime folgen"

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi sind zurück! Auf ihrem letzten Album waren sie dem Anfang nah, jetzt schreiben sie "Das Nullte Kapitel". Wir haben mit Robert Gwisdek alias Käptn Peng vor dem Auftritt im Haus Auensee gesprochen.
Robert Gwisdek
"Das Peng gebar sich selbst im Dichterdarm des Wörterwals": (Robert Gwisdek alias Käptn Peng)

Das ganze Interview kann man hier nachhören:

mephisto97.6 Redakteurin Sophie Boche im Gepräch mit Robert Gwisdek.
3105 IV Käptn Peng

mephisto 97.6: Euer Album, das jetzt gerade rausgekommen ist, heißt "Das Nullte Kapitel" - Was verbindet ihr mit dem Albumtitel?

Käptn Peng: Das Nullte Kapitel ist das Kapitel, das vor dem ersten Kapitel war.

Das heißt es muss scheinbar irgendwas sein, was ursprünglich ist. Also das, was vor dem Urknall am Start war, wenn man den Urknall als allererstes Kapitel sieht. Was steht in einem Buch vor dem ersten Kapitel, vor dem ersten Wort, vor dem ersten Bild, quasi das unsichtbare Kapitel.

Auf eurem letzten Album habt ihr den Song "Der Anfang ist nah" gehabt, euer aktuelles Album heißt "Das Nullte Kapitel" -  Seid ihr dem Anfang damit schon näher gekommen?

Der Anfang ist immer nah. Und im Nullten Kapitel ist er natürlich nicht nur nah, sondern fast schon omnipräsent.

Er fängt ständig an!

Euer letztes Album habt ihr vor vier Jahren veröffentlicht. Was habt ihr in der Zeit bis jetzt gemacht?

Wir haben tatsächlich viel Pause gemacht. Also wir sind alles Menschen, die in unterschiedlichsten Bereichen leben und arbeiten. Ich bin auf ein Dorf gezogen und baue da eine Scheune aus und mache anderen Kram, der nichts mit Musik zu tun hat. Und dann haben wir uns so nach und nach zusammengesammelt und wieder angefangen Musik herzustellen.

Robert, du bist ja auch für das Schreiben der Texte zuständig. Und wie entsteht so ein Text bei euch? Also kommt das mehr durchs Freestyle Rappen oder setzt du dich auch mal hin und schreibst einen Text komplett runter?

Da gibts tatsächlich zwei oder drei unterschiedliche Arten und Weisen, wie das passieren kann - also wie Kreativität gelenkt wird bei mir. Das ist manchmal so, dass ich eine inhaltliche Idee habe und der folge ich dann und versuche sie in Reimen umzusetzen. Das ist aber der seltenste Fall. Ganz oft ist es auch so, dass einen einzelne Sätze inspirieren für den nächsten Satz und der inspiriert dann wieder zu dem darauffolgenden Satz. Das heißt, du folgst dem weißen Kaninchen der Reime und hoppelst hinterher bis du irgendwann ein Konstrukt hast. Und das ist teilweise sehr collagenartig, und manchmal sehr dezidiert: Ich will jetzt genau 'das' ausdrücken, diese Emotion, und dann fährt man da relativ zielsicher entlang. Es gibt beide Wege und ich weiß gar nicht, was schöner ist, denn es ist auch wirklich sehr schön sich mal vom Text schreiben zu lassen.

Wenn man auf eure Bühne schaut, habt ihr eine ziemlich umfangreiche Instrumentensammlung, vor allem, wenn man zu den Percussions schaut. Hast du da ein Lieblingsinstrument?

Das Kuchenblech. Das klingt so schön beschissen.

Gibt es ein Instrument, das euch da noch fehlt?

Ich hätte glaube ich gerne ein Blasinstrument. So eine Bassklarinette oder eine schöne Oboe.

Wenn man euer Album hört, dann fällt auf, dass es genau eine Stunde lang ist. Ist das Zufall oder Feinschliff-Arbeit?

Krass, das ist mir bisher nicht aufgefallen. Das ist ja toll - Ja die 1 und die 0!

Wenn man einige Songs auf dem Album anhört, zum Beispiel 'MC Homo Sapiens Sapiens', dann fallen einem einige gesellschaftskritische Textzeilen auf. War es eure Intention ein gesellschaftskritisches Album zu machen oder betrachtet ihr es gar nicht als solches?

Ich glaube, wenn man es sich genau anschaut, ist es gar nicht so gesellschaftskritisch. Es gibt tatsächlich drei Referenzen, die gesellschaftskritisch sein könnten. Das ist zum einen 'MC Homo Sapiens Sapiens', in dem ich aus der Perspektive eines menschlichen Battlerappers auftrete, der den eigenen Planeten battled. Dann gibt es ein Lied über das emotionale Bild der Frau in der Gesellschaft. Und so ein, zwei Verweise über Deutschtum, in denen ich das so ein bisschen aufs Korn nehme. Ansonsten ist es ein extrem introspektives, fast schon metaphysisches Album geworden. Das hat tatsächlich gar nicht so viel sozialen Bezug, wie man meinen könnte.

Wenn man sich eure Alben anschaut, dann gibt es bis jetzt noch kein Feature mit anderen Künstlern. Aber wenn ihr das mal irgendwann machen würdet - Mit wem wäre das?

Mit Beyoncé. Falls wir Zeit haben. Das ist ja immer so, man sagt das so und dann hat man doch keine Zeit und muss wieder absagen, weil zu viel los ist grade. Sorry Beyoncé, wir melden uns noch.

Käptn Peng "Spiegelkabinett"

 

 

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