Filmkritik

The Dead Don't Die: Konsumzombies

Jim Jarmusch ist zurück. Mit im Gepäck hat er eine beeindruckende Gruppe an Hollywood-Größen. In seinem neuen Film versucht sich der Regisseur an einer Zombie-Komödie, versehen mit ordentlich Gesellschaftskritik.
Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver auf Zombiejagd
Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver auf Zombiejagd

Das beschauliche Städtchen Centerville ist eigentlich Sinnbild des friedlichen, alten Amerikas. Wenn Zombies aus ihren Gräbern steigen und nach WLAN, Kaffee und Tabletten gieren, kommentieren die Polizisten Ronnie (Adam Driver) und sein Kollege Cliff (Bill Murray) die Lage nur mit den Worten: „Das wird böse enden“.

Da ist auch Bobby, Verkäufer an der Tankstelle und ausgewiesener Nerd, der alle Zombiefilme kennt, keine Rettung mehr. Und die Dritte im Polizeigespann, Minerva (Chloë Sevigny), verlangt eher nach tröstenden Worten, dass alles nur ein böser Traum sei, statt sich beherzt der Bedrohung entgegenzustellen. Die gewohnte Lethargie, mit der Jarmusch seine Figuren so gern zeichnet, kommt schon nach wenigen Augenblicken in The Dead Don’t Die an die Oberfläche.

Triefende Gesellschaftskritik 

Szene aus "The dead dont die"
Iggy Pop als kaffeesüchtiger Zombie

Jarmusch hat ein großes Ensemble herangerufen, auf das eine schlurfende Zombiehorde losgelassen wird. Oder sie werden selbst zu Untoten. Da kriecht beispielsweise Iggy Pop aus seinem Grab und röchelt unaufhaltlich nach Kaffee. Abgerundet wird die Besetzung durch RZA vom Wu-Tang-Clan als Paketbote und Selena Gomez, die als  Durchreisende schnell in einer Unterkunft à la Psychos Bates Motel landet. Fast einziger Hoffnungsschimmer im Film bleibt die Bestatterin, gespielt von Tilda Swinton, die es mit Samuraischwert und breitem schottischen Akzent mit den Zombies aufnimmt. Gegen den Angriff rüstet sich auch der Farmer Frank Miller (Steve Buscemi), der stets eine „Make america white again“ Mütze trägt. Es ist die Gesellschaftskritik, die aus jeder Einstellung der Zombie-Komödie trieft. Da verwundert auch der Auslöser für die Zombieapokalypse nicht, der durch das Fernsehprogramm verkündet wird. Schuld sei das Fracking an den Polen. 

Fehlendes Feingefühl

Kritk an Gesellschaft und ihrem Umgang mit Natur und Konsum ist im Zombiefilm nicht neu. Auch die Untoten aus George R. Romeros Night of the living dead wurden schon als spürbares Sinnbild auf die westliche (Konsum-)Gesellschaft inszeniert. Jim Jarmusch versucht mit seiner Zombie-Komödie in eine ähnliche Kerbe zu schlagen. Leider hat er dem Klassiker aus den 1960er Jahren wenig hinzuzufügen. Statt mit kreativen Ansätzen zu bestechen, wird die Gesellschaftskritik mit Anlauf, in gewisser Weise plump, auf die Leinwand geworfen.

Fortgesetzt wird dieses Ungeschick in der viel zu häufigen Flucht auf eine Metaebene. Der Titelsong (The dead don’t die von Stugill Simpson) wird als solcher von Hauptfigur Ronnie enthüllt. Der Tiefpunkt ist erreicht, wenn sich Adam Driver und Bill Murray in ihren Polizistenrollen darüber unterhalten, welches Skript sie von Regisseur Jim Jarmusch erhalten haben. Momente, in denen die Zuschauenden unnötig aus der Zombiebedrohung in Centerville herausgerissen werden.

Dabei hat Jarmusch in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass er ein Gespür für subtile und höchst eigene Genrefilme hat. Wo Only Lovers Left Alive noch die Grenzen des bisher bekannten Vampirfilms auslotete, fehlt es The Dead Don’t Die an Stingenz. Will der Film Komödie oder ernste Gesellschaftskritik sein? Jarmusch wagt beides und ist am Ende in beide Richtungen zu inkonsequent.

"Das ist richtig schlimm"

The Dead Don’t Die hat aber auch seine guten Momente. Es ist das Zusammenspiel, in erster Linie von Driver, Murray und Sevigny, das der Zombie-Komödie Bedeutung verleiht. Es gelingt Jarmusch, allen Darstellenden gebührend Platz im Film einzuräumen. Beim Blick auf die Besetzungsliste eine beachtenswerte Leistung. Vom kleinen Cameo-Auftritt bis zu den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern, erfreut jede Darbietung auf eine eigene charismatische Weise. Dies liegt auch an Jarmuschs lakonischem Humor, durch den die Figuren die gewohnte Lethargie ausstrahlen. Seine typische Lässigkeit und fast schon Verweigerung, wenn es um die Einhaltung geläufiger Montagerhythmen geht, lassen den Film kurz strahlen.

Fazit

Jim Jarmusch gelingt die gebührende Integration aller Stars in die Zombie-Komödie. Dennoch hätte The Dead Don't Die mehr Konsequenz gut getan. Die Verknüpfung der Gesellschaftkritik mit humorvollen Momenten des Zombiefilms wirken in weiten Teilen ungeschickt. Dem Regisseur ist eigentlich mehr Feingefühl zuzutrauen.

 

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The Dead Don't Die

Regie: Jim Jarmusch

Kinostart: 13.06.2019

Laufzeit: 105 Minuten

FSK 16

Drehbuch: Jim Jarmusch

Cast: Bill Murray, Adam Driver, Chloë Sevigny, Steve Buscemi, Selena Gomez, Tilda Swinton und weitere