Kunst & Geschichte

„DDR auf Wänden“

Grau – Mangelware – Plattenbau. Alles Begriffe, die viele junge Menschen mit der DDR verbinden. Eine neue Gemäldeausstellung im Museum der bildenden Künste wurde von Schülern konzipiert und gibt einen etwas differenzierteren Blick auf die DDR.
DDR auf Wänden
Die Austellung "DDR auf Wänden" im Museum der bildenden Künste Leipzig

16 Schüler, 41 Jahre Kunstgeschichte und 41 Gemälde – So könnte man die Ausstellung, die seit gestern im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen ist zusammen. „DDR auf Wänden“ heißt das Projekt, bei dem Schüler der 35. Oberschule Leipzig acht Monate lang in enger Kooperation mit dem Museum eine Ausstellung zu DDR-Kunst konzipiert haben. Auf Initiative des Museums trafen sich die Jugendlichen alle zwei Wochen. Sie wählten aus dem stolzen Museumsfundus von über 1000 Gemälden die für sie wichtigen Werke aus, analysierten sie und kommentierten jedes einzelne mit einer persönlichen Meinung.

Hans-Werner Schmidt ist der Direktor des Museums und findet, dass es Zeit wurde, einmal mit „frischem Blick“ auf die DDR-Kunst zu blicken. Er bemängelt, dass die ostdeutsche Kunst normalerweise von den immer gleichen Kritikern und Wissenschaftlern analysiert würde. 

Diese Form der angenehmen Unbekümmertheit, ohne jeden Vorbehalt aus der eigenen Lebenspraxis Fragen an die Bilder zu stellen, ist ein großes Wagnis für die jungen Kuratoren gewesen.

Direktor des Museums der bildenen Künste, Dr. Hans-Werner Schmidt 

Während sich der Museumsdirektor über das junge Kuratorenteam freut, redet man bei der Leitung der Oberschule begeistert von einem großartigen, außerschulischen Lernprojekt.

Nicht alles ist, wie es scheint

Im Laufe des Projektverlaufs trafen die DDR-Bilderwelten auf die Vorstellung, die die Schüler von der DDR aus dem Unterricht oder von Verwandten hatten. Kunstlehrerin Beate Örtel-Köpping hat das Projekt geleitet und erzählt, dass die Schüler oft eine durchwegs negative Vorstellung von der DDR hätten.

Die Dinge die Eltern und Verwandte ihnen über die DDR erzählt haben, die stimmen nicht alle. Es gibt ja auch immer noch eine andere Seite. Und die haben wir hier zusammen kennengelernt.

Kunstlehrerin Beate Örtel-Köpping der 35. Oberschule Leipzig

Aus der Sicht der Betroffenen

Sighard Gille ist einer der DDR-Künstler, die ihre Arbeit für diese Ausstellung zur Verfügung stellen.  Während der Arbeitsphase hat er sich mit den Schülern über das Leben und die Arbeit als Künstler in der DDR unterhalten und ihnen sein Wissen mitgegeben. Am Abend der Ausstellungseröffnung wandert er durch den Raum, unterhält sich mit einigen Besuchern und bleibt vor einem Gemälde stehen. Es handelt sich um sein eigenes Bild und zeigt eine Szene aus dem Hamburger Rotlichtviertel. Er erzählt, dass es zu DDR-Zeiten nie ausgestellt werden durfte. Zu groß war die Furcht der DDR-Regierung, dass „das wilde Leben im Westen“ die sozialistischen Ideale zerstören könnte. Von dem Kommentar neben seinem Gemälde ist Gille beeindruckt, meint allerdings:

Das ist kein Bild, das in der DDR gern gesehen worden wäre. Die Schüler haben das wohl nicht verstanden. Wahrscheinlich haben sie ein falsches Bild von der DDR und von der Rigorosität, die die SED bei Kunst an den Tag legte.

Sighard Gille, Künstler aus DDR-Zeiten

Nichtsdestotrotz ist Sighard Gille überzeugt, dass die Jugendlichen unbedingt von dieser Zeit lernen müssen. Dass ihnen der Freiraum für ihre Interpretationen gegeben werden muss. 

 

 David Straub war im Museum der bildenden Künste bei der Ausstellung „DDR auf Wänden":

David Straub über die Ausstellung „DDR auf Wänden"
 

David Straub über die Ausstellung „DDR auf Wänden" 

 

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Bis zum 11. Juni 2017 können die Besucher des Museums die Bilder der Künstler und Kommentare der Schüler sehen und sich dann selbst eine Meinung zu 41 Jahren Kunstgeschichte bilden.