Das lange Interview mit Eric Marr

Das ZDF ist meine berufliche Heimat

Als Eric Marr anfing in Leipzig Jura zu studieren, hätte er nie daran gedacht, was er Jahre später beruflich machen würde. Seit 2015 ist er einer der Moderatoren des Nachrichtenmagazins „heute Xpress“.
Eric Marr (r.) mit mephisto 97.6 Moderator Nico van Capelle
Eric Marr (r.) mit mephisto 97.6 Moderator Nico van Capelle

Nachrichtensprecher*innen - noch vor 30 Jahren hätte man damit vor allem die Tagesschau in Verbindung gebracht. Fein zurechtgemachte Sprecher*innen hinter einem Pult, die ohne das Gesicht zu verziehen, ja fast regungslos Nachrichten vom Teleprompter ablesen. Heute gibt es Nachrichtenformate in den verschiedensten Formen. Es reicht nicht mehr, sich nur mit dem morgendlichen Blick in die Zeitung zu informieren. Heute muss alles schneller gehen. Diese Tatsache beeinflusst vor allem die Arbeit als Nachrichtenjournalist, erzählt Eric Marr.

Im Nachrichtengeschäft ist alles ein bisschen schneller. Alles ändert sich ständig. Man muss flexibel sein und sehr schnell reagieren können. 

Eric Marr

Vom Paragraphenirrgarten in den Mediendschungel

Seit mittlerweile 19 Jahren arbeitet Marr für das ZDF. Angefangen hat er 1999 als Praktikant. Doch schon vorher sammelt er journalistische Erfahrung. Nach dem Abitur heuerte er bei der Thüringer Allgemeinen Zeitung an.

Unvergessen ein Interview mit der Gruppe Alphaville. Das war so unglaublich und ich war so aufgeregt. Ich kann mich da kaum noch dran erinnern, aber Marian Gold da zu sehen, das war schon klasse. 

Eric Marr

Während der Studienzeit arbeitete Eric Marr bei der Studentenzeitung der juristischen Fakultät. Nach seinem Praktikum beim ZDF lässt ihn die Leidenschaft für den Journalistenberuf nicht mehr los und er beginnt neben dem Studium beim Mainzer Sender als Freier Mitarbeiter zu arbeiten.

Das war eigentlich komplett wahnsinnig. Ich hab mir das dann so eingeteilt, dass ich drei Tage in der Woche in Mainz war und die andere Zeit hier in Leipzig. 

Eric Marr

Ein Job weit übers Sprechen hinaus

Seit mittlerweile 2002 gehört Eric Marr nun schon zur Redaktion der „heute Nachrichten“. Doch der Aufgabenbereich ist weitaus größer als das „bloße“ Nachrichtenlesen. Mit seinen Kollegen teilt er sich den Posten als Chef vom Dienst. Gelegentlich ist er auch als Reporter unterwegs. Der Job eines Journalisten im Aktuellenbereich sei zwar anstrengend, aber auch sehr spannend.

Was mich reizt, ist, dass du jeden Tag was Neues hast. Es sind ja auch nicht nur Nachrichten, sondern du befasst dich ja auch manchmal mit Höhlentauchern in Mexiko […] oder einem Hot-Dog-Wettessen in den USA.

Eric Marr

Lügenpresse

Spätestens seit PEGIDA wird Journalist*innen immer wieder vorgeworfen, vorsätzlich Falschmeldungen im Netz zu verbreiten. Wie beeinflusst das die Arbeit in einer Nachrichtenredaktion?

Unsere Aufgabe ist abzubilden, was ist. Und wenn es da mehrere Meinungen sind, sollte man die auch darstellen.

Eric Marr

Eigentlich dürften sich Journalist*innen keine Fehler erlauben. Denn, wenn einer passiert, würden gleich die Vorwürfe laut. Das gilt sowohl auf nationaler, wie auch auf internationaler Ebene.

Auf nach China

Zu den olympischen Sommerspielen 2008 zog es Eric Marr das erste Mal nach Peking. Dort übernahm er die Berichterstattung für China, Japan, Nord- und Südkorea und die Philippinen. Das zweite Mal war er letztes Jahr in China. Anders als 2008 war China nicht als weltoffenes Land in den Schlagzeilen, sondern der Nordkoreakonflikt und der Tod des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo.

In Deutschland ist Pressefreiheit im Grundgesetz verankert, wie in China auch. Allerdings wird in China die Pressearbeit zensiert. Eric Marr hat selbst keine Zensur erfahren, sie aber bei Kollegen mitbekommen. Aus seiner Zeit als Korrespondent hat Eric Marr nicht nur einiges über die fremde Kultur gelernt, er hat in China ein zweites Zuhause gefunden.

Hören Sie hier das komplette Gespräch von Moderator Nico van Capelle mit Eric Marr:

Eric Marr im Gespräch mit Moderator Nico van Capelle

Redaktion: Annika Sparenborg, Theresia Lutz, Maria Reis

 
 

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Annika Sparenborg
25.04.2018 - 20:01