Interview mit Grossstadtgeflüster

"Das würden wir doch nie im Radio sagen"

Mit dem rotzigen Song "Fickt-euch-Allee" stürmte die Berliner Elektropop-Band Grossstadtgeflüster die viralen Charts. Beim Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark haben wir Sängerin Jen auf einen entspannten Plausch getroffen.
Im Interview mit Sängerin Jen
Im Interview mit Sängerin Jen

Das Interview gibt es hier zum Nachhören:

Redakteur Maximilian Enderling im Gespräch mit Jen von Grossstadtgeflüster
Mitschnitt des Interviews mit Jen

mephisto 97.6: Fangen wir doch mal mit einer kleinen Schnellfragerunde an: Burger um 4 Uhr morgens oder Hummer und Champagner zu Mittag?

Jen: Na auf jeden Fall der Burger!

mephisto 97.6: Mit welcher Band würdet ihr gerne mal auf Tour gehen?

Jen: Da fragste mich etwas... hauptsache nett und natürlich trinkfest.

mephisto 97.6: Und welchen Song einer anderen Band hättet ihr gerne geschrieben?

Jen: Naja, also kohletechnisch wahrscheinlich sowas wie 'YMCA'. Oder halt so einen Evergreen wie 'Yippie Yeah' von Deichkind. Oder die ein oder andere Bosse-Nummer. Aber vielleicht nicht so sehr ein spezieller Song, eher eine Zeile von ihm: "Dein Arzt hat gesagt es ist okay, aber alles tut weh"! Wenn ich die geschrieben hätte, würde ich mich so hart selbst dafür küssen.

mephisto 97.6: Was wolltest du als Kind mal werden? Hattest du da eine Ahnung?

Jen: Nein! Aber ich wusste genau was ich werden wollte. Mein erster Berufswunsch war Verhaltensforscherin, weil wir zuhause so Walddokus rumliegen hatten. Ich hab mir das halt so vorgestellt, dass man den ganzen Tag unter Wasser ist und Wale anguckt. Dann hatte ich irgendwann Bio in der Schule und das hat sich ganz schnell geändert.

mephisto 97.6: Gibt es denn etwas, das du im nächsten Leben gerne werden würdest?

Jen: Auf das ganze Reinkarnationsding habe ich eigentlich keinen Bock. Wenn wir mit dem Tourbus so durch die absolute Pampa fahren, denke ich mir einfach: Vielleicht wirst du dann so ein Grashalm hier und du kannst nicht weg. Und die Bäume denken sich so: "Scheiße ey, noch 100 Jahre, fäll mich, fäll mich". Und eigentlich bin ich auch ganz happy mit dem, was ich jetzt bin. Das mache ich einfach noch mal, genau so.

mephisto 97.6: Wo wäre deine persönliche Fickt-euch-Allee?

Jen: In meinem Herzen! Ich trage sie immer mit mir. Die Antwort habe ich geübt für meinen Auftritt beim Eurovision Song Contest oder bei Florian Silbereisen. Mit so einem großen Move, von der Galatreppe herab im Paillettenkleid. Das wird super. 

mephisto 97.6: Habt ihr damit gerechnet, dass der Song so viral geht?

Jen: Alles geplant. Nee, natürlich nicht. Der Song ist ja auch aus einer Frustsituation heraus entstanden. Aber irgendjemand hat dann das Gerücht gestreut, dass das eine große Agentur für viel Geld zurechtgestrickt hat. Aber gerade weil wir kein Geld hatten, ist das Musikvideo zum Song mit einer Handykamera entstanden. Wenn wir das berechnen könnten, dann säßen wir beide jetzt in einem Jacuzzi und würden darauf warten, dass mein Privatjet mich abholt.

mephisto 97.6: Ihr habt im Lied auch Tablas - Steht ihr etwa auf indische Musik?

Jen: Haben wir? Ach keine Ahnung, was uns da geritten hat. Kein Witz: Wir denken halt einfach sehr wenig nach. Grundsätzlich.

mephisto 97.6: Was erwartet uns von der neuen EP?

Jen: Eine EP! Nein nein, wir nennen das ja auch Episoden. Davon sind jetzt mit "Ich rollator mit meim Besten" und "Ich boykottier dich" zwei neue zu haben.

mephisto 97.6: Ich bin auch ein Fan der Band "De Fofftig Penns" - die haben euren Song "Ich muss gar nix" ja auf plattdeutsch gecovert. Könntest du da mitsingen?

Jen: Da habe ich sogar schon mitgesungen! In Bremen durfte ich mit auf die Bühne. Aber das ist natürlich beim professionellen Platt der zuckersüßen Friesenjungs kläglich untergegangen. Zumindest habe ich es versucht.

mephisto 97.6: A propos Norddeutschland: Eure Show beim Hurricane-Festival wurde ja bei sintflutartigen Regenfällen zur Weltuntergangsparty. Wie habt ihr den Abend erlebt?

Jen: Das war so krass. Wir haben es erst relativ spät gecheckt. Irgendwann habe ich so in diesen 5-Meter-Graben geguckt und die Bässe standen so halb im Wasser. Dann ging Schritt für Schritt alles bei uns aus und hinter uns war plötzlich eine Warnmeldung auf der Leinwand. Und es sind an den Seiten richtige Niagarafälle hereingeströmt.  Aber die Leute vor Ort sind natürlich Profis und hatten das unter Kontrolle, ich hätte ja mit viel mehr aufgeschnittenen Füßen und gebrochenen Genicken gerechnet.

mephisto 97.6: Zu eurem Konzert hier beim Juicy Beats: Der Spaß wurde ja im Radio übertragen. Und ihr habt live über Pimmelkruste und Muschisaft geredet!

Jen: Aber auch deutlich betont, dass wir sowas niemals live im Radio sagen würden. Das darf man doch nicht.

mephisto 97.6: Seid ihr schon viel angeeckt, weil ihr gerne vulgär seid?

Jen: Ach, ich bin da selbst garnicht so hinterher. Aber es ist natürlich nicht so leicht, uns im Radio unterzubringen. Uns ist durchaus bewusst, dass das nicht immer so ganz familienfreundlich ist. Wir wissen auch, dass es innerredaktionell im deutschsprachigen Raum schon Trouble wegen uns gab, bishin zu Kleinkriegen. Aber, dass es auch Leute gibt, die unsere Musik scheiße finden, macht sie gerade lebendig. Was wäre Liebe ohne Hass?

mephisto 97.6: Das stimmt. Und verstellen solltet ihr euch wirklich nicht!

Jen: Wir haben es oft genug versucht, das schaffen wir einfach nicht. Dankeschön.

 

 

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Maximilian Enderling
09.09.2016 - 21:33
  Kultur