DOK Rezension

Das Walross, der Tod und das Meer

Der Gewinner des "mephisto 97.6 Publikumspreises für den besten Animationsfilm aus der offiziellen Auswahl" steht fest. Gewonnen hat "Grandpa Walrus", ein französischer Animationsfilm.
Die Familie steht im Mittelpunkt des Animationsfilms "Grandpa Walrus"

Alte Männer, die den ganzen Tag am Strand liegen und sich in der Sonne kaum bewegen, so erklärt die Erzählstimme am Anfang, werden  Walrosse genannt. Genau so ein Walross ist der Großvater der Familie, um die es in "Grandpa Walrus" geht. Der Film lief beim diesjährigen DOK Festival im Wettbewerb um den Publikumspreis für den besten Animationsfilm aus der offiziellen Auswahl und ging dort als Sieger hervor.

​Eine Familie am Strand

Im Entenmarsch wandern sie durch die Dünen Richtung Strand - eine Großmutter, eine Mutter und die vier Geschwisterkinder. Kaum einer scheint wirklich Lust auf diesen Ausflug zu haben. Die beiden Teenagermädchen sind damit beschäftigt irgendwo Handyempfang zu bekommen, ihr jüngerer Bruder muss sich um den noch jüngeren Bruder kümmern, der ihm weinend auf den Schultern sitzt, weil er sein Kuscheltier verloren hat. Die Mutter trägt das Gepäck und versucht dabei, die Situation unter Kontrolle zu halten, während die Großmutter stoisch durch den Sand in Richtung Meer marschiert. Als sie plötzlich betend auf die Knie fällt, wird dem Zuschauer der Grund des Ausflugs klar. Dort ist, wo einst tagein, tagaus der Großvater am Strand gelegen hat und letztendlich auch starb, sein Abdruck im Sand zu erkennen. Eingerahmt wird seine Silhouette durch eine Vielzahl von Zigarettenstummeln. Der Familie wird klar, dass ihr Großvater nicht mehr zurückkommen wird und jeder findet am Strand einen anderen Weg damit umzugehen.

​Bilder der Trauer

In ruhigen, lebensnah inszenierten Bildern erzählt die französische Regisseurin Lucréce Andreae hier eine Geschichte von Trauer und Familie. Trotz der realistischen, sehr genauen Animation findet sie Wege über surrealistische Elemente eine größere Geschichte zu erzählen. Die Natur wirkt bedrückend auf die, die ihrer Trauer keinen Raum lassen, und droht alle zu verschlingen. Erst als am emotionalen Ende des 14-minütigen Kurzfilms jeder seinen eigenen Weg gefunden hat mit der Trauer umzugehen, findet auch die Familie zueinander. Dabei ist "Grandpa Walrus" kein Film, der nur auf die Tränendrüsen der Zuschauer abzielt. Immer wieder entstehen aus der Gruppendynamik der Familie heraus auch komische Momente, die sich passend in die übergeordnete Thematik von Trauer- und Verlustverarbeitung einfügen. Der Film revolutioniert dabei nicht die Kunst der Animation, aber das muss er auch gar nicht. Vielmehr erzählt der Film eine emotionale Geschichte, die in der Art der Animation eine perfekte Plattform findet, die dem Zuschauer genug Identifikationsspielraum lässt. Lucréce Andreae hat mit "Grandpa Walrus" einen berührenden Film geschaffen, der ein verdienter Sieger des mephisto 97.6 Publikumspreises ist.

 
 

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Lennart Johannsen
05.11.2017 - 09:48
  Kultur