Altes Leipziger Stadtbad

Das Stadtbad lebt, aber das Wasser fehlt

Dieses Jahr feiert das Alte Leipziger Stadtbad seinen 101. Geburtstag. Aber seit über zehn Jahren ist hier niemand mehr geschwommen. Wie wird das Stadtbad eigentlich aktuell genutzt? Und wann kann hier wieder gebadet werden?
Stadtbad Leipzig
Die Stadt sucht einen Käufer für das historische Stadtbad Leipzig.

Charme trotz bröckelnder Fassade

Das Alte Leipziger Stadtbad auf der Eutritzscher Straße 21, im Leipziger Norden, hat einiges von seinem Charme und seiner Prestige über die Jahre eingebüßt. Vor über 100 Jahren wurde es eröffnet und ist damit das älteste Hallenbad Leipzigs. Heute schwimmt und badet hier allerdings niemand mehr. Die Fassade ist trist und heruntergekommen, die Fenster sind, aufgrund vermehrter Einbrüche, verbarrikadiert. Seit 2004 ist das Wasser abgestellt und die Schwimmbecken sind leer. Dabei ist es innen immer noch genau so prunkvoll und gut erhalten wie vor 100 Jahren. Es gibt zwei große Schwimmhallen, getrennt nach Frauen und Männern, weil das damals eben noch so üblich war. Die Männerschwimmhalle wurde umgebaut – das Becken ist mit einer großen Holzplatte abgedeckt. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen wie Dinnershows, private Feiern oder Konzerte statt. Die Frauenschwimmhalle ist komplett unberührt und erstrahlt in ihrem alten Jugendstil-Glanz mit hohen Decken, Säulen und Bögen, Skulpturen und Stuckverzierungen. Aber auch innen blättert der Putz von den Wänden, der Strom funktioniert nur teilweise und ein Teil der Decke ist bereits eingestürzt. Doch warum wird das Alte Stadtbad nicht einfach renoviert und saniert? 

Ein teurer Badespaß

Die Antwort ist relativ einfach: die Stadt Leipzig hat aktuell kein Geld für das Stadtbad. Die Sanierungskosten befinden sich im zweistelligen Millionenbereich. Die Stadt bevorzugt einen privaten Investor, daher ist das Stadtbad auch gerade für relative günstige 500.000 Euro ausgeschrieben. Investoren fehlen allerdings seit nun mehr 13 Jahren. Konzepte für das Stadtbad können aktuell bei der Stadt eingereicht werden, wobei schon vor zwei Jahren in einem Stadtratsbeschluss festgelegt wurde, dass das Stadtbad "badähnlich" weiter zu nutzen sei. Das heißt, dass das Bad für die Leipziger Bevölkerung als Schwimmbad wieder geöffnet werden muss. Auch Konzepte, in denen Hallenbad und Veranstaltungslocation zusammen kommen, sind möglich. Aber konkrete Umsetzungspläne gibt es aktuell nicht. 

Ein Herz für das Stadtbad

Damit das Alte Stadtbad nicht komplett zerfällt und in Vergessenheit gerät, hat sich 2006 auf Initiative der Leipziger Wasserwerke GmbH die Förderstiftung "Leipziger Stadtbad" gegründet. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Stadtbad vor dem kompletten Verfall zu bewahren und aus dem Bad wieder einen kulturellen und sportlichen Anziehungspunkt für die Leipziger Bevölkerung zu machen. Thomas Fieberg ist Vorstandsmitglied und hat eine Vision für das Alte Stadtbad:

Also unser Credo ist immer noch: Da wo Stadtbad draufsteht, soll zumindest zum Teil auch wieder Stadtbad rein. Deswegen sind wir angetreten. Und jetzt hier ein Hotel daraus zu machen, das ist mit uns nicht zu machen.

 

Thomas Fieberg, Vorstandsmitglied der Förderstiftung "Leipziger Stadtbad"

Die Finanzierung läuft über Spenden, aber auch über die Einnahmen von Veranstaltungen und Feiern, sowie Führungen und Fotoshootings in den Räumlichkeiten der alten Saunen. Diese sind besonders prunkvoll und von allen Räumen des Stadtbades am besten erhalten. Die Saunen sind im maurischen Stil gestaltet und sehen mit ihren bunten Kacheln und goldenen Verzierungen aus wie aus 1001 Nacht. Hier könnte eine echte Wellnessoase entstehen, die Möglichkeiten und Räume wären vorhanden. Gerade jungen Leipzigern ist das Alte Stadtbad nur noch als Veranstaltungslocation ein Begriff. Viele kennen es sogar gar nicht mehr.

Das Schauspiel Leipzig entert das Alte Stadtbad

Eine Möglichkeit das Stadtbad wieder in den Fokus der Jugendlichen zu rücken, bietet demnächst das Schauspiel Leipzig. Der Jugendtheaterclub "Sorry, eh!" bespielt ab Mai die Räumlichkeiten des Alten Stadtbades. Unter der Regie und Leitung von Yves Hinrichs inszenieren die Jugendlichen das Stück Tschick nach dem Jugendroman von Wolfgang Herrndorf. In dem Buch geht es um zwei Teenager, die in den Sommerferien mit einem gestohlenen Auto quer durch Deutschland fahren und sich nicht nur mit Geldmangel, sondern auch mit dem Problem des Erwachsenwerdens herumschlagen müssen. Einige Passagen des Buches spielen ebenfalls in einem Schwimmbad. Zwischen den baulichen Merkmalen des Stadtbades und dem Leben der beiden jugendlichen Protagonisten in Tschick gibt es für Regisseur Yves Hinrichs durchaus Paralellen: 

Dass das Stadtbad an sich in so einer baulichen Zwischenphase ist, das ist zum Teil schon saniert worden, zum Teil natürlich auch noch nicht. Das ist so ein bisschen dazwischen. Und genau dieser Charme macht, auch die Geschichte in Tschick aus, dass es eben nicht alles perfekt und clean ist. Und ich finde, dass das Stadtbad da mit seinem ganzen Flair, mit diesem Unfertigen da genau raufpasst.

Yves Hinrichs, Leiter des Jugendtheaterclubs des Schauspiels Leipzig

Und wie sieht die Zukunft aus?

Im Juli diesen Jahres feiert das Stadtbad seinen 101. Geburtstag. Eigentlich wollte die Förderstiftung "Leipziger Stadtbad" zum 100. Geburtstag, also letztes Jahr, wieder baden und schwimmen. Daraus ist nichts geworden. Das Stadtbad wird vorerst weiterhin für Veranstaltungen, Fotoshootings und Führungen genutzt. Und zwar so lange, bis sich ein Investor mit einem geeigneten Konzept, mit dem Stadt und Förderverein leben können, findet. Dieser müsste einiges an Geld und Zeit in die Sanierung investieren. Das Alte Stadtbad geht kleine, feine Schritte zur Neueröffnung: Renovierung der maroden Decke, Dinner-Shows und Veranstaltungen zum "Wave-Gotik-Treffen", Fotoshootings und Filmdrehs, Führungen durch das gesamte Gebäude und eine große Feier jedes Jahr zum "Tag des offenen Denkmals", die Theateraufführungen durch das Schauspiel Leipzig. Das Stadtbad ist und bleibt präsent und auch wichtig für das Leipziger Stadtbild. Und wer weiß, vielleicht kann im Alten Stadtbad zum 105. Geburtstag – das wäre 2021 – wieder geschwommen, gebadet, geplantscht und sauniert werden.

Wie geht es mit dem Alten Leipziger Stadtbad weiter? Redakteurin Josefine Farkas mit der aktuellen Situation des Bades und einem Ausblick:

Ein Beitrag über das Alte Leipziger Stadtbad und seine Zukunft
 
 

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Das Schauspiel Leipzig entert das Alte Stadtbad... und zwar mit "Tschick"

Premiere
05.05.2017, 19:30

Weitere Termine
06.05.2017, 19:30
10.05.2017, 19:30
11.05.2017, 11:00 & 19:30 u.a.