M19 mit Björn Wilda

Das Sprachrohr der Marginalisierten

Das Straßenmagazin KiPPE wird in Leipzig von sozial Bedürftigen verkauft. Die Hälfte des Verkaufspreises dürfen sie direkt behalten. Projektleiter Björn Wilda erzählt bei M19 über Redaktion und Verkauf der KiPPE und die soziale Not in Leipzig.
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Moderator Moritz Lünenborg und Björn Wilda

Die Sendung zum Nachhören:

Ehrenamtliches Engagement in der Redaktion 

In der Redaktion des Straßenmagazins ist lediglich Björn Wilda mit einer Kollegin fest angestellt. Darüber hinaus gibt es einige ehrenamtliche Menschen, die Artikel für das Magazin schreiben. Insbesondere das Interesse für Praktika ist immer sehr hoch - Platz gibt es allerdings derzeit nur für zwei Praktikantinnen. 

Wir wissen, dass es gegenüber Wohungslosen auch sehr viel Gewalt gibt. Das sind die Schwächsten in der Gesellschaft, weil die überhaupt keine Lobby haben. Und dafür stehen die Straßenzeitungen und wir als Sprachrohr.

Björn Wilda

Auch KiPPE-Verkaufende schreiben ab und zu Artikel für das Magazin, das 12 mal im Jahr erscheint. Das Interesse ist aktuell aber nicht hoch. Ein sozialer Hintergedanke und insbesondere Einzelschicksale sind der thematische Schwerpunkt: die KiPPE vertritt soziale Randgruppen in der Gesellschaft.

Auf der Straße zum Leipziger Original

Die KiPPE verkaufen Menschen, die von Armut oder Wohnungslosgkeit bedroht sind. Aber auch Rentner und Rentnerinnen und Studierende dürfen an dem Projekt teilnehmen. Regelmäßig machen das derzeit etwa 60 Menschen in Leipzig. Einige von ihnen sind seit vielen Jahren dabei, und haben sich so zu wahren Originalen in ihrem Verkaufskiez entwickelt...

Wenn man die KiPPE verkaufen möchte bekommt man nach einer Vorstellung einen Verkäuferausweis mit Regeln - zum Beispiel darf man nicht angetrunken verkaufen. Wie viele Exemplare man verkaufen will legt man selbst fest, kauft sie im Vertrieb ein und verkauft diese auf der Straße weiter. Auch für Geflüchtete, die erst seit kurzem in Leipzig sind, ist der KiPPE-Verkauf eine Beschäftigungsmöglichkeit. 

Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet bei der KiPPE: Eine geregelte Tagestrukstur, der Kontakt zur Gesellschaft und der Geldverdienst. Dazu gibt es auch Kontakt zu anderen Projekten wie beispielsweise dem betreuten Wohnen, dem Tagestreff oder Hilfe von Sozialarbeitenden.

Die Straßenzeitung im Wandel des Medienkonsums

Auf den Wandel im Medienkonsum und sinkende Auflagenzahlen bei Tageszeitungen und Lokalpresse reagieren andere Straßenzeitungen bereits: Einige Straßenzeitungen gibt es auch online abrufbar. In Manchester wird dafür der QR-Code auf der Straße verkauft, mit dem die Zeitung dann online aufgerufen werden kann. Die KiPPE hat ihre Verkaufszahlen in den letzten Jahren allerdings steigern können und ist so bisher nicht vom Medienwandel bedroht.

Die Straßenzeitung ist nicht vergleichbar mit Tageszeitungen. Als Straßenzeitung soll sie ja verkauft werden - wenn wir online gehen haben ja die Verkäufer und Verkäuferinnen nichts davon. Wir sind ja ein soziales Projekt.

Björn Wilda

 

 

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