Verkehrsschildervandalismus

Das Spiel mit der Sicherheit

Auf der Suche nach einer bestimmten Adresse hat sich in Leipzig der ein oder andere sicher schon mal geärgert: In manchen Stadtteilen gleichen da die Straßenschilder eher einem modernen Stickerheft. Die Stadt sieht ein Sicherheitsproblem und handelt.
Straßenschild mit Stickern beklebt
Ob Menschen mit Behinderung bei diesem Schild noch wissen, ob sie hier nun entlangfahren dürfen?

...rndtst, Ko...straße, Sim.....traße oder die Karl-Loveknecht-Straße? Für den einen ist es Kunst, für den anderen witzig, die Stadtverwaltung aber ist genervt. Sie sind vollgesprüht, bemalt, beklebt – aus Sicht der Straßenverkehrsordnung eine Gefahr: vandalierte Straßenschilder. „In Leipzig besteht erheblicher Handlungsbedarf“, klagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal. Denn auch wenn bisher keine Statistik genau aufschlüsselt, wie viele Verkehrsunfälle sich tatsächlich auf beschädigte Schilder zurückführen lassen – für Rosenthal steht fest: Sie schränken die Verkehrssicherheit ein.

Sticker: 3 Cent. Neues Schild: 350 Euro.

 

Simildenstraße

Nicht nur das, beklebte oder beschmierte Straßenschilder sind auch teuer. Erst müssen sie gereinigt werden, aber nach ein oder zwei Säuberungsaktionen sei häufig bereits die UV-Schicht des Schilds angegriffen, klagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal. Dann muss es ersetzt werden und das kann teuer werden: Der ADAC schätzt die Kosten eines Schilds auf bis zu 350 Euro. Im vergangenen Jahr mussten Rosenthal zufolge 3000 Straßenschilder gereinigt werden.

Neue Schilder für bessere Reinigung

Um dafür zu sorgen, dass in Zukunft nicht mehr so viele beklebte Straßenschilder ersetzt werden müssen, führt die Stadt nun nach und nach neue Schilder ein: Eine spezielle Schutzfolie soll dafür sorgen, dass die Schilder später schneller und besser gereinigt werden können. Ein solches neues Schild ist Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks zufolge rund sechs Euro teurer als bisher – aus Heiko Rosenthals Sicht eine notwendige und sinnvolle Investition. „In erster Linie geht es darum, die Sicherheit im Verkehr zu gewährleisten.“

Retten beklebte Schilder vor Strafe?

Denn häufig seien Schilder kurz nach Säuberungsaktionen wieder beklebt, vor allem im Innenstadtbereich und in Bereichen, die „sowieso eine Bekleben- und Graffitikultur“ hätten. Die Täter werden nur in seltenen Fällen gefasst – einen Sticker an ein Schild zu kleben, ist eine Sekundentat. Doch wer ein Straßenschild nicht befolgt, weil seine Botschaft nicht mehr erkennbar ist, der wird sein Vergehen streitbar machen können. Ob ein Fahrradfahrer in der Fußgängerzone einer Strafe entgehen kann, weil das Verbotsschild nicht mehr eindeutig lesbar war, das hängt Rosenthal zufolge vom Einzelfall ab. Diskussionen mit Ordnungshütern seien aber eher die Ausnahme.

Ein Verein für bessere Straßenschilder?

Mit dem Schildervandalismus ist Leipzig natürlich nicht allein: Im Februar hat sich in Baden-Württemberg der Schilderüberwachungsverein gegründet. Seine Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, die Verkehrssicherheit in Deutschland durch die Verbesserung von Verkehrsschildern zu erhöhen. Dabei kann jeder helfen: Mittels einer App sollen Verkehrsteilnehmer unlesbare Straßenschilder fotografieren und an den Verein geschickt werden. Der sammelt derzeit noch kräftig Beweismaterial, um sich für eine bessere Straßenbeschilderung einzusetzen. 

mephisto 97.6-Redakteur Magnus Folten im Gespräch mit Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal.
 
 

Kommentieren