Im Gespräch: Mohamed Amjahid

Das Privileg der weißen Hautfarbe

Mohamed Amjahid als nichtweißer Mann veranschaulicht durch seine eigenen Erlebnisse in Deutschland, was es eigentlich bedeutet, privilegiert zu sein. Sodass auch der Leser merkt, welche die eigenen Privilegien sind und wie man sie hinterfragen kann.
Autor und Journalist Mohamed Amjahid im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteurin Sarah Emminghaus
Autor und Journalist Mohamed Amjahid im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteurin Sarah Emminghaus

Als 2015 Tausende Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof empfangen wurden und der Begriff der „Willkommenskultur“ erstmals gelebt über die Fernsehbildschirme flackerte, war der Journalist Mohamed Amjahid vor Ort und wollte recherchieren. Wollte – denn es gelang ihm nicht. Die meisten Ehrenamtlichen, die er ansprach, wollten ihm Butterbrote oder Seife in die Hand drücken. Sie wollten partout nicht verstehen, dass er als deutschsprachiger Journalist vor Ort war und einfach nur ein Interview mit ihnen führen wollte. Diese Anekdote in Amjahids Buch „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“ ist lustig, irgendwie. Das Lachen bleibt einem aber auch oft genug im Halse stecken, so absurd sind einige der Szenen, die Amjahid beschreibt.

Szenen aus seinem eigenen Leben

Amjahid ist in Frankfurt am Main geboren, mit seinen marokkanischen Eltern aber wieder nach Marokko gezogen, als er noch ein Kind war. Sein Abitur machte er noch in dem nordafrikanischen Land, zum Studium kam er wieder nach Deutschland. Beim Berliner „Tagesspiegel“ absolvierte er ein journalistisches Volontariat und arbeitet jetzt als Redakteur und Reporter für das ZEIT-Magazin. Klug vermag er es, Szenen aus seinem eigenen Leben mit abstrakteren Konzepten zu vermischen und dem weißen Leser dadurch schmerzhaft zu verdeutlichen, wie privilegiert er eigentlich ist.

das Konzept des Tokenismus

Amjahid selbst kämpft damit, ein „Token“ zu sein – ein guter Ausländer. Einer, der ständig hören muss, wie gut er ja deutsch spricht, wie toll er sich integriert hat. Das impliziert, so erklärt er das Konzept des Tokenismus, eben immer, dass diejenigen, die noch nicht so gut deutsch sprechen oder nicht so gut integriert sind (was auch immer das heißen mag), keine guten Ausländer seien. Damit setzt er unbewusst und kaum selbst beeinflussbar die Norm dafür, wie ein „guter Migrant“ zu sein hat, und zeigt die Komplexität des ganzen Themas wieder und wieder auf.

Ich plädiere dafür in der eigenen Sphäre etwas zu tun.

Mohamed Amjahid

Es gibt die Aussage, Antisemitismus sei das Problem von Antisemiten. Das sei jedoch falsch, so Amjahid. Nur gemeinsam könne man gesellschaftliche Probleme bearbeiten und positive Veränderungen ermöglichen. Gemeinsam – also sowohl Befürworter als auch Gegner einer Sache, so zum Beispiel bei Antisemitismus. Der Autor von „Unter Weißen“ plädiert dafür, dass jeder in seinem Rahmen aktiv wird.

Das gesamte Interview mit Mohamed Amjahid können Sie hier nachhören:

Autor und Journalist Mohamed Amjahid im Gespräch mit mephisto97.6 Redkateurin Sarah Emminghaus.
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Mohamed Amjahid wurde 1988 in Frankfurt am Main geboren. Er arbeitet als Redakteur und Reporter für das ZEIT-Magazin. „Unter Weißen. Was es heißt, privilegiert zu sein“ ist sein erstes Buch. Amjahid lebt in Berlin.