Konzertbericht: Dillon

Das Phänomen Dillon

Nachdem Dillon im September vergangenen Jahres ihr Konzert-Debüt zum Album in der Elbphilharmonie gab, ist sie nun mit der neuen Platte “Kind” nach Hamburg in den Mojo Club zurückgekehrt - ein Bericht über ihr Konzert am 2. März.
Dillon
Die Künsterin Dillon.

Das Licht geht aus, die Nebelmaschine an. Eine Frau kommt auf die Bühne, sie trägt eine weite Hose in Lackoptik und ein enges Oberteil. Sie könnte auch Lara Croft sein, ist es aber nicht: Die Musikerin trägt den magischen Namen Dominique Dillon de Byington, besser bekannt als Dillon. Sie kommt, um ihr drittes Album "Kind" vorzustellen. Nach “The Silence Kills” und “The Unknown” soll es jetzt etwas leichter zugehen, mehr von schönen Dingen wie Loslassen und Liebe handeln, als von Depression und Traurigkeit. Dillon steht am seitlich vom Publikum weg gedrehten Mikrofon und sie beginnt - ohne Vorband, ohne Begrüßung. Sie schenkt uns minimalistische Beats vereint mit dem Gesang ihrer besonderen Stimme. Man merkt ab dem ersten Moment, dass es ihr um die Musik geht - und nicht um die Show. Vielleicht auch nicht einmal um das Publikum. Sie ist da, wegen der Musik.

Düstere Melancholie

Schnell wird klar: Dillon hat ihre eigenen Vorstellungen von einem Konzert. Einem Mann, der mit seinem Smartphone ein Video von ihr aufnehmen möchte, deutet sie mit einer Geste, damit aufzuhören. Meine Hoffnung auf ein entspanntes Konzert weicht langsam. Ihre Musik ist düster-melancholisch wie zuvor und die Stimmung im Publikum leicht angespannt. Das bleibt auch so, bis sie ihr wohl bekanntestes Lied "Thirteen Thirtyfive" spielt. Durch etwas fröhlichere Töne breitet sich Gelassenheit aus und Dillon lässt ein kleines “Schön, dass ihr alle hier seid!” ins Publikum wandern. Doch das hält nicht lange an. “Wenn ihr miteinander reden wollt, ist das okay, aber dann macht das Zuhause. Dann geht bitte. Ich meins ernst. Es ist nicht fair.” - Anspannung im Publikum, aber auch Beifall von vielen. Mucksmäuschenstill geht es weiter und wir hören ein paar ihrer schönen neuen Songs - “Killing Time”, “Shades Fade” und “Kind” sind dabei. In “Kind”, das wie ihr Album heißt und sogar zwei mal auf der Platte vorkommt, singt sie davon nett zu sein und Licht hereinzulassen. Es tut gut, diese hoffnungsvollen Lyrics von ihr zu hören.

Ein elektronisches Kunstwerk

Doch irgendwie werde ich dieses Gefühl nicht los. Dieses Gefühl, dass wir alle eigentlich nicht hier sein sollten. Weil wir in ihre Privatsphäre eindringen, weil sie gerne alleine wäre und die Blicke und die Aufmerksamkeit des Publikums einfach zu viel sind. Irgendwann schließe ich einfach die Augen - glaube, dass das für sie und für mich am Besten ist. Und dann komme ich endlich in ihrer Musik an. Analysiere nicht mehr Dinge, um die es gerade eigentlich gar nicht geht. Denn das einzig wichtige grade ist wirklich die Kreation dieser dillonhaften elektrischen Beats. Sie gibt uns den Raum, in ihre Psyche abzutauchen und uns mit ihrer Kreativität zu umhüllen. Das fühlt sich nicht unbedingt leicht an, aber auf jeden Fall intensiv. Nach dem Beifall kommt sie noch einmal zurück auf die Bühne mit ihrer Version von The Weeknds “Wicked Games”. Auch wenn sie vielleicht kein Fan davon ist, Konzerte zu geben, ihre Musik live zu hören, bleibt auf jeden Fall in Erinnerung. Und zwar nicht nur, wegen der tiefgehenden Schwere, die man zu spüren bekommt, sondern vor allem weil ihre Musik Kunst ist. Sie schafft ein elektronisches Kunstwerk, für das ein Konzertsaal vielleicht auch einfach nicht der richtige Ort ist. So geht das Konzert dem Ende entgegen und ich hoffe, dass Dillons Musik immer mehr Licht hineinlassen wird.

 

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Verena Meyer
23.03.2018 - 09:43
  Kultur

Dillon hat ihre Wurzeln in Brasilien, zog aber mit nur vier Jahren nach Deutschland und lebt heute in ihrer Wahlheimat Berlin.

Diskografie:

This Silence Kills (2011)
The Unknown (2014)
Kind (2017)