Theaterpremiere

Das Pauschenpferd der Macht

Das englische Wort "Surround" heißt soviel wie umgeben, ummanteln. Wie man im Theater ummantelt werden kann, zeigte am gestrigen Abend die Gruppe Overhead Project. Sie feierten Premiere ihres Stücks Surround im Lofft Leipzig.
Lofft
Schauspieler Tim Behren greift sich Kollegen Florian Patschovsky

Das Overhead Project ist ein Künstlergespann, bestehend aus einem Akrobatenduo und zwei Tänzerinnen. Die Gruppe hat das Konzept für das Stück und die dazugehörige Performance selbst auf die Beine gestellt. Zusammengearbeitet haben sie dabei mit dem Philosophen Eric Eggert. Der Name „Surround“ ist auf das Bühnenbild zurückzuführen. Dieses ist kreisförmig im Raum angelegt, um ein in der Luft schwebendes Pauschenpferd. Ein Pauschenpferd, das kennt man aus dem Turnunterricht: Ein länglicher Bock mit zwei Griffen. Um das Pauschenpferd befinden sich ein markierter Kreis in dem sich zu Beginn die Zuschauer und Schauspieler bewegen.

Was für eine Rolle spielt dieses Pauschenpferd?

Zum einen geht von diesem Gerät etwas Machtvolles und Magisches aus. Dem Turngerät wird nämlich von den Schauspielern sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Künstler werden von diesem brachial pendelnden Gerät gleichermaßen angezogen und dann wie Magneten wieder davon weggestoßen. Der Bock soll im Großen und Ganzen ein Machtinstrument darstellen mit dem Schauspieler und Publikum agieren müssen.

Overhead Project – ein akrobatisches Erlebnis

Im Stück Surround sind Schauspieler und Publikum ständig in Bewegung. Seien es turnerische Einlagen am Pauschenpferd oder frei im Raum. Die Schauspieler binden dabei das Publikum fleißig mit in ihre Performance ein und interagieren mit ihn.

Ein Theaterstück zum Mitmachen?

Dadurch, dass Publikum und die Schauspieler während der Performance verschmelzen, gibt es theoretisch die Möglichkeit aktiv am Stück teilzunehmen. Man bekommt oft Lust, selbst mitzuspielen und beispielsweise am Pauschenpferd eine Einlage hinzulegen. Im Endeffekt findet man sich als Zuschauer selbst jedoch in einer eher passiven Rolle wieder. Man traut sich nicht so recht, aktiver mitzumachen.

Was gibt die inhaltliche Tiefe des Stückes her?

Die Ausführung will aufzeigen, wie sich Menschen in verschiedenen Machtpositionen gegenüber verhalten und welche Dynamiken damit einhergehen. Wie verhalten sich Menschen in Herden? Wie viel trauen sie sich? Wie lassen sie sich durch Führung beeinflussen? Wenn man das Programm der Vorstellung vorher nicht angeschaut hat, fällt es einem aber schwer, soviel Tiefe in das Stück hineinzulegen. Dadurch entstehen während der Aufführung sehr viele Fragen, was den inhaltlichen Kern angeht. Genauere Informationen bekommt man eher durch das Programm oder im Gespräch mit Schauspielern und anderen Zuschauern.

Andere Skurrilität.

Dass es um Machtverhältnisse geht, wird einem auf eindrückliche Weise dargeboten. Das zeigt sich durch ständige physische Kämpfe zwischen den Schauspielern. Besonders beeindruckend ist eine Sequenz, bei der sich die Schauspieler gegenseitig in den Mund packen und mit ihren Fingern in den Mündern der anderen ziehen. Im Grunde wie ein Angler einen Fisch am Hacken aus dem Wasser zieht. Das wirkt skurril und animalisch.

Lohnt sich der Besuch?

Wer experimentelles Theater mit ästhetischen akrobatischen Einlagen mag, dem kann das Stück durchaus empfohlen werden. Mir persönlich ist es jedoch sehr schwer gefallen einen tiefgehenden Sinn in diesem Stück zu finden. Ohne Vorinformationen war der Interpretationsspielraum für mich im Grunde zu groß. Die Handlung zu Abstrakt. Das Stück regt dadurch aber durchaus zum Nachdenken an. Ich bin mit Absicht uninformiert in das Stück gegangen. Es bietet sich daher also an, das Programm vorher zu lesen. Dann entstehen vielleicht nicht ganz so viele Fragezeichen.

Die Rezension zum Nachhören finden Sie hier:

Im Studiogespräch mephisto 97.6 Redakteur Markus Mertens.
Surround

 

 

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Markus Mertens
13.10.2017 - 19:20
  Kultur