Universität Leipzig

Das Paulinum wird eröffnet

Am 1. Dezember wurde die Universitätskirche Paulinum eröffnet, mit acht Jahren Verspätung. Ein halbes Jahrhundert nach der Sprengung der St. Pauli Kirche in der DDR.
Paulinum

Mit einem Festakt und einem Festkonzert wurde das Paulinum, welches gleichzeitig Universitätskirche und Aula ist, eröffnet. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über vier Tage und enden mit dem Universitätsgeburtstag, dem Dies academicus. Am Sonntag dem 3. Dezember wird erstmals ein Gottesdienst im Paulinum stattfinden. Es gibt also viel Gelegenheit das neue Gebäude zu besuchen und die Mischung aus gerettem Barok und moderner Kirchenarchitektur zu betrachten.

Eröffnungsfestakt

Die Eröffnungsfeierlichkeiten begannen mit Grußworten und Gesprächen von und mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stansilaw Tillich, der sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange und dem Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie der Universitätsrektorin Beate Schücking.

Die Redner bezogen sich immer wieder auf die DDR und die Sprengung der St. Pauli Kirche am 30. Mai 1968. So sagte die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur:

Ein großer Teil der Leipziger Bevölkerung hat diesen Akt wie eine nicht heilende Wunde wahrgenommen und ich denke er ist insgesamt wahrgenommen worden als barbarischer Akt einer staatlichen Diktatur.

Eva-Maria Stange

Im Anschluss gab es Reden von Dan Diner, dem ehemaligen Direktor des Simon-Dubnow-Institutes für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig und von Erick van Egeraat, dem Architekt des Paulinums. Außerdem nahmen auch internationale Ehrengäste und Partner der Universität Leipzig teil, wie etwa Vertreter der Hochschulen aus Graz, Prag, Ohio und Stellenbosch. Das Abendprogramm bestand aus einem Festkonzert aufgeführt vom Leipziger Universitätschor mit dem MDR-Rundfunkchor, dem Mendelssohnorchester Leipzig sowie dem Universitätsorganisten Daniel Beilschmidt an der Orgel.

Gottfernste Region der Welt

Ist es überhaupt sinnvoll eine neue Kirche in Leipzig zu eröffnen, obwohl die Bewohner mehrheitlich atheistisch sind? Die neuen Bundesländer sind nämlich die mit Abstand gottfernste Region der Welt, so der Verbund von Umfrageinstituten "International Social Survey Program". Dieser erforschte das Ausmaß der Religiosität in jüdisch und christlich geprägten Ländern weltweit. 52,1 Prozent der Beragten in Ostdeutschland sagten: "Ich glaube nicht an Gott." Aber dennoch steht die Stadt der Eröffnung positiv gegenüber:

Der Neubau kann den Frevel der Sprengung nicht tilgen aber er schließt eine Lücke in der Stadt und in den Herzen der Bewohner der Stadt.

Stanislaw Tillich

Mehr Informationen zum Paulinum und wie die Zeitzeugen zu der Universitätskirche stehen, können Sie im Beitrag nachhören: 

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteur Florian Zinner.
 
 

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Moritz Lünenborg
01.12.2017 - 20:30