CD der Woche: Manchester Orchestra

Das Monument

Manchester Orchestra – klingt nach einem Musik-Ensemble aus Manchester. Eigentlich macht kommt die Band aus Atlanta und macht Folk-Rock. Mit dem neuen Album sollen sie „erwachsen“ geworden sein.
Manchester Orchestra
Manchester Orchestra werden auf ihrer neuen Platte erwachsen.

Was macht man, wenn man sich nach vier erfolgreichen Alben in einer Identitätskrise befindet? Richtig. Man sucht nach neuen Herausforderungen. Die bestand bei der vierköpfigen Folk-Rock Band aus Atlanta darin, einen exzellenten Film-Soundtrack für den Film „Swiss Army Man“ zu komponieren. Die einzige Voraussetzung: Sie durften keine Instrumente verwenden. Um das zu schaffen, legten sie insgesamt 150 Stimmen und Geräusche übereinander. Heraus kam ein wunderschön arrangiertes Meisterwerk. Das gefiel Hauptdarsteller Daniel Radcliffe so gut, dass er es am liebsten mit einem Oscar beehrt hätte.

Jeder Song eine Geschichte

In ihrem neuen Album „A Black Mile To The Surface“ verarbeitet Sänger und Gitarrist Andy Hull allerlei Beziehungsprobleme, Identitätskrisen und das Vatersein. Diese neue Verantwortung verarbeitet die Band in vielen der 11 Songs. Zum Beispiel im Song „The Maze“. Dort wird die Vaterrolle mit einem Labyrinth verglichen.

Auf der neuen Platte stehen große Emotionen im Vordergrund. Jeder Song erzählt eine Geschichte. Mit Titeln wie „The Mistake“ oder „The Grocery“ ist das schon beim Blick auf die Tracklist deutlich. Ersterer ist ein melodramatischer Song über die einfache Tatsache, dass wir alle Fehler machen. In Letzterem findet sich Sänger Hull im Kopf eines Amokläufers wieder.

Unterlegt werden die tiefgreifenden Themen von einem gewaltigen Sound. Der ist manchmal fast schon überwältigend, gerade wenn man eine ruhige Folk-Platte erwartet hat. Aber auch hier gelingt es der Band sich in den richtigen Momenten zurückzunehmen.

Orchestrales Wunderwerk

Es scheint fast so, als ob sie einmal die gesamte Folk-Rock Palette durchprobiert hätten. Zum einem gibt es leichtfüßigen Folk-Pop („The Alien“), der jede Menge Zeit zum Durchatmen liefert. Dann lässt eingängiger Gitarren-Pop wie in „The Gold“ den Zuhörer für eine Weile in Geborgenheit schwelgen. Nur, um dann mit Songs wie „Lead, SD“ eine opulente Rocknummer hinzuschmettern, die düstererer nicht sein könnte.

Der gewaltige Sound der Platte wird vor allem durch das gezielte Ein- und Aussetzen von elektronischen sowie akustischen Gitarren definiert. Besonders deutlich wird das im Song „The Moth“. Die Band wollte es sich zur Aufgabe machen, nur dann richtig laut zu werden, wenn es wichtig ist und das dann mit voller Wucht.

Manchester Orchestra erschaffen mit ihrem neuen Album eine Sammlung von Geschichten, die eines gemeinsam haben: einen gewissen hoffnungsvollen Ton. Der zieht sich mithilfe wunderschön arrangierter Melodien durch jeden Track. Egal wie dramatisch sich die Songs aufbauen. Auf ihren vergangenen Alben wirkte der Sound der Band oft überladen. Manche Stimmen würden die Entwicklung auf Manchester Orchestras neuem Album als „Erwachsenwerden“ bezeichnen und vielleicht passt diese Umschreibung ganz gut. Im letzten Song der Platte „The Silence“ zeigt die Band noch mal ihr volles Spektrum. Hulls Stimme wird zum Ende hin in ein orchestral anmutendes Klangerlebnis ausgebaut, bevor es dank dezentem Klavier wieder verklingt.

Fazit

Die 3 Jahre Wartezeit haben sich für Folk-Rock Fans gelohnt. Die Band wollte ein „nicht-Manchester-typisches“ Album schaffen und das ist ihnen gelungen. Ihre Kreativität und ihr Können standen zwar nie zur Frage, trotzdem glänzt „A Black Mile To The Surface“ mit einem gut abgestimmten Mix aus allerlei Folk und Rock Elementen. Ob wir dies Andy Hulls Midlife Crisis oder der Inspiration aus „Swiss Army Man“ zu verdanken haben, spielt keine Rolle. Hörenswert ist die Platte auf alle Fälle.

 

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Manchester Orchestra: A Black Mile To The Surface

Tracklist:
  1. The Maze
  2. The Gold
  3. The Moth*
  4. Lead, SD*
  5. The Alien
  6. The Sunshine
  7. The Grocery*
  8. The Wolf
  9. The Mistake
  10. The Parts
  11. The Silence*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 28.07.2017
Concorde / Caroline