Museen

Das Leipziger Naturkundemuseum zieht um

Das Leipziger Naturkundemuseum zieht 2020 in die Baumwollspinnerei um. Mit dem Umzug sind hohe Ambitionen verbunden. Das Museum soll durch die Umsetzung des neuen Mottos "Inklusion - Bildung - Unterhaltung" zum besucherstärksten der Stadt werden.
Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei

Das Leipziger Naturkundemuseum zieht um – in die Halle 7 der Baumwollspinnerei in Plagwitz. Die Eröffnung ist für das Jahr 2020 geplant. Anschließend werden in den neuen Räumlichkeiten auf drei Ebenen und insgesamt 5600 Quadratmetern Dauer- und Sonderausstellungen sowie Depots zu Themen des regionalen Naturraumes sowie zur Leipziger Wissenschaftsgeschichte stattfinden.

Große Ambitionen

Dr. Ronny Maik Leder im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteurin Denise Dörries
 

Der Umzug soll das Naturkundemuseum von einem regionalen Städtemuseum zu dem besucherstärksten Museum der Stadt und einer naturwissenschaftlichen und kulturellen Einrichtung von internationaler Bedeutung avancieren lassen. Seitens der Museumsleitung wird mit jährlich 140.000 Besuchern gerechnet - der etwa dreifachen Besucherzahl des derzeitigen Standpunktes in der Lortzingstraße. Um diese hohen Ambitionen zu realisieren, wird innerhalb der nächsten drei Jahre eine Neugestaltung des Museums von Grund auf erfolgen. Orientiert wird dieser an den Maßstäben der neuen Maxime des Naturkundemuseums „Inklusion – Bildung – Unterhaltung“. Die Umsetzung dieser Leitideen hat in der von Museumsdirektor Dr. Ronny Maik Leder und seinem aus Team erarbeiteten Museumskonzeption konkrete Gestalt angenommen.

Leitidee Inklusion

Inklusion – diese Leitidee soll bei Bau und Ausgestaltung des neuen Naturkundemuseums in unterschiedlichen Aspekten berücksichtigt werden. So hat es den Anspruch, barrierefrei zu sein. Die alten Lokalitäten hielten beim Museumsbesuch für gehbehinderte sowie hör- und sehgeschädigte Gäste eine Reihe von Einschränkungen und Herausforderungen bereit.  Der neue Museumsbau soll mit weitaus mehr Platz und angemessenen Hilfsmitteln allen Gästen etwas bieten können. Auch werden die thematische und technische Ausgestaltung der Ausstellungsstücke bewusst für Gäste aller Altersgruppen und Bildungshintergründe entworfen. Als naturwissenschaftliche und kulturelle Bildungseinrichtung wird das Museum an seinem zukünftigen Standpunkt außerdem Räumlichkeiten für Schulklassen sowie Fachgruppen und universitäre Arbeitsgruppen bereithalten.

Bildungseinrichtung Museum

Bezogen auf die Umsetzung des in den Leitideen vorgesehenen Bildungsauftrags soll mit dem Umzug des Museums eine thematische Neuausrichtung erfolgen. Neben Ausstellungen zur regionalen Landschaftsgeschichte sollen die Museumsbesucher der Einrichtung auch über die Geschichte der ausgestellten Objekte sowie die Wissenschaftshistorie der Leipziger Naturforschung informiert werden. Mit diesem Unterfangen soll, so Museumsdirektor Dr. Leder, bedeutenden Leipziger Forschern Hermanus ter Meer (1871-1934) und Eduard Pöppig (1798-1868) ein Denkmal gesetzt werden. Auch soll den Besuchern durch die Thematisierung der Arbeitsweisen und Lebensgeschichten wichtiger Forscher ein Eindruck von dem sich verändernden Stellenwert wissenschaftlicher Präparate und der Ausrichtung der Naturforschung vermittelt werden.

Fokus auf Unterhaltung

Pressekonferenz Rathaus Leipzig
Die Museumskonzeption wird bei einer Presseveranstaltung vorgestellt.

Besonders betont wird in der neuen Museumskonzeption die als Erfolg versprechend erachtete Leitidee der Unterhaltung. Das neue Naturkundemuseum soll eine Alternative zu dem Motto „bitte nicht anfassen“ der sonstigen Museumskultur aufzeigen. Die Ausstellungen sollen durch einen Methoden-Mix physischer Exponate und neuer Technologien die Leipziger Landschaftsgeschichte durch die geologischen Erdzeitalter hindurch greifbar und erfahrbar machen. Um das Unterhaltungs-Potenzial der Einrichtung auszuschöpfen, sieht die Museumskonzeption außerdem eine enge Zusammenarbeit mit weiteren kulturellen Einrichtungen der Baumwollspinnerei, etwa dem LOFFT-Theater, vor. Das neue Naturkundemuseum soll nicht zuletzt durch die Nähe zum künstlerischen Milieu Teil der zunehmend kulturell lebhaften „Westkultur“ werden. Trotz beträchtlicher Distanz zum Leipziger Stadtzentrum, so hofft die Museumsleitung, könnte der neue Standort bald Teil eines eigenständigen kulturellen Zentrums im Leipziger Westen werden.

Günstig wird die Umsetzung dieser Vorhaben nicht – über 10 Millionen Euro sind für Umbau und Gestaltung des neuen Naturkundemuseums veranschlagt. Ob sich die ambitionierten Pläne mit dieser Summe und innerhalb des vorgesehenen Zeitplans verwirklichen lassen wird die Zeit zeigen. Und ob der Leipziger Westen um die Baumwollspinnerei tatsächlich ein, den Erfolg des neuen Naturkundemuseums begünstigendes, Stadtzentrum darstellt, ebenso.

Mehr zum Thema erfahren Sie im Beitrag von Denise Dörries:

Ein Beitrag von Denise Dörries.
 
 

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