Katharina Thalbach im langen Interview

Das Leben und seine Bondbösewichte

Katharina Thalbach - Schauspielerin, Regisseurin und Lebenskünstlerin. M19 hat sie in Berlin getroffen und mit ihr über Männer, das Theater und ihre infantile Seite gesprochen.
Katharina Thalbach zu gast bei M19
Schauspielerin Katharina Thalbach und Moderator Paul Materne

Aktuell ist Katharina Thalbach wieder als Madame Bertoux in einem Hanni und Nanni Film zu sehen. Sie spielt die verwirrte Französisch-Lehrerin bereits schon zum vierten Mal. Diesmal handelt es sich um ein Reboot, das nicht mit den anderen drei Teilen in Verbindung steht. Katharina Thalbach ist somit auch die Einzige, die vom vorherigen Cast eine Rolle übernommen hat. M19 hat sie bei der Vorstellung des Films "Hanni & Nanni: Mehr als beste Freunde" getroffen.

Die Vergangenheit und ihre Augenringe

Katharina Thalbach ist in einer Theaterfamilie groß geworden und verbrachte viel Zeit am Theater. Ihre Mutter war Schauspielerin und hat sie immer mit genommen, so bekam sie relativ früh einen Einblick hinter die Theater-Kulissen. Für sie war es eine schöne Kindheit, auch weil sie als kleines Mädchen immer lange aufbleiben konnte um bei den Theaterproben zuzuschauen - was von ihrem Umfeld meist negativ wahrgenommen wurde.

'Mein Gott, du armes Kind! Was hast du denn für Augenringe?' Das konnte ich mir schon mit vier Jahren anhören.

Auch in der Schule wurde sie eher wegen ihrer Mutter gehänselt anstatt beneidet. Schauspielerei war nicht so angesehen wie es heute ist, berichtete Katharina Thalbach, da musste sie sich sogar teilweise mit Fäusten verteidigen. In ihren Augen war die Schauspielerei immer nur ein Beruf, wie der des Metzgers. Kein Wunder, denn mit 13 Jahren ergatterte sie schon ihre erste Theaterrolle - der Beginn einer langen Karriere. Heute ist sie seit mehr als 50 Jahren am Theater tätig und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Dabei geht sie hurmorvoll mit ihrem Alter um und sagt immer wieder: "Mein Gott, ich bin halt so alt!". Auf die Frage, ob denn eine Autobiographie geplant ist, antwortete Katharina Thalbach:

Ich habe einen Vertrag mit Rowolth...

Aber den Titel, wollte sie M19 noch nicht verraten. Es sei ein Projekt, für das sie noch keine richtige Zeit gefunden habe und es daher noch ein Weilchen dauern könne bis die Autobiographie fertig ist.

Über kindliche und männliche Seiten

Katharina Thalbach sagt über sich selbst, dass sie infantil sei. Zum Beispiel habe sie vor einiger Zeit in einem Fernsehinterview intensivst über Popel gesprochen. Auch im Alltag scheint die infantile Seite der Katharina Thalbach immer mal wieder durch, indem sie die Personen um sich herum gerne einmal ärgert. Sie bewahrt sich seit Jahren ihren Spieltrieb durch das Theater. Frauen haben es hier besonders schwer, wenn diese in ein "gewisses Alter" kommen. Thalbachs Schauspiel-Kollegin Maren Kroymann hat hierzu drei Phasen einer Schauspielerin definiert: Zuerst spielt Frau die Geliebte, dann die reizlose Ehefrau und danach kommt Frau zur Oma oder dem Bondbösewicht. Katharina Thalbach erwiderte darauf, dass sie hoffe sie wäre bald bereit für den Bondbösewicht.

Ich wäre der beste Bondbösewicht aller Zeiten mit dem schlechtesten Englisch. [...] Als Deutsche einen Bondbösewicht spielen, der Englisch spricht mit einem französischen Akzent, als Tarnung natürlich, und dann die fiesesten Sexspielchen macht.

Sie habe nie diese Phasen mitbekommen, da sie mit 33 Jahren angefangen hat Regie zu führen und könnte in dieser Zeit inszenieren, was sie wollte und war nicht abhängig. Unter anderem hat Katharina Thalbach in dieser Zeit einige Männerrollen gespielt, was ihr auch großen Spaß gemacht habe.

Das Ying und Yang ist bei mir gleichmäßig verteilt, fürchte ich. Was mir im Wege steht ist mein äußerst großer Busen. Aber ansonsten glaube ich fehlt mir wenig.

Sie selbst meint auch, dass sie immer zu klein gewesen sei, um die schönen Frauen zu spielen. Jetzt sieht man sie oft in der Rolle der Alten, was sie aber als angenehm wahrnimmt. Auf die Frage, ob sie denn nicht gerne einmal für einen Tag ein Mann sein möchte, verneinte Katharina Thalbach mit ihrer Lebenserfahrung.

Auch da schätze ich mich glücklich, dass ich in meinem Leben schon einige sehr tolle Männer hatte, kennenlernen durfte, durchquetschen, sie erforschen und da ist es mir auch ein Bedürfnis dieses Wissen weiterzugeben.

Das Erbe des Schauspiels

Katharina Thalbach ist immer noch Teil einer Theaterfamilie, denn Tochter und Enkelin haben auch die Schauspielerei angefangen. Obwohl sie nicht wollte, dass die beiden Schauspielerinnen werden, freut sie sich, wenn alle drei zusammenarbeiten. Mit ihrem aktuellen Erkenntnisstand würde sie selbst nicht mehr Schauspielerin werden.

Weil ich das gefühl habe, dass es alles zu sehr in die Richtung verkäuflichkeit geht und das würde mich anöden. [...] Das Wort Ruhm ist inzwischen viel größer als das Wort Arbeit.

Sie würde eher Straßentheater machen, weil es hier noch auf das schauspielerische Können ankommt und nicht nur darauf berühmt zu werden.

Man hat ja wirklich das Gefühl, das erstebenwerteste ist berühmt zu sein und wenn sie das dann sind, dann leiden sie. Das ist so merkwürdig alles.

Vielleicht möchte sie irgendwann noch Geschichte studieren, aber erstmal bleibt sie noch beim Schauspielen.

Das lange Interview mit Katharina Thalbach über Männer, Popel und das Theaterleben gibt es hier zum Nachhören:

mephisto 97.6 Moderator Paul Materne im Gespräch mit Schauspielerin Katharina Thalbach

Redaktion:

Sophie Rauch, Paul Materne

3105 M19 mit Katharina Thalbach
 

Kommentieren

Sophie Rauch
01.06.2017 - 13:45
  Kultur