Filmrezension "Wunder"

Das Lächeln unterm Astronautenhelm

Die Romanvorlage der Autorin R.J. Palacio wurde 2012 zu einem absoluten Bestseller. Die Verfilmung von "Wunder" läuft nun ebenso erfolgreich in den Kinos und zeigt einen großartigen Kinderdarsteller in der Hauptrolle.
Szene aus "Wunder"
Auggie hat Angst davor, seinen Helm abzunehmen.

Der zehnjährige Auggie Pullmann ist alles andere als gewöhnlich. Seit seiner Geburt musste er 27 Mal wegen eines Gendefekts operiert werden. Sein Gesicht ist schwer entstellt und aus Scham trägt er die meiste Zeit über einen großen Astronautenhelm. Bis zur vierten Klasse wurde er von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Jetzt haben sie aber entschieden, ihn zum ersten Mal auf eine richtige Schule zu schicken. Anfangs eher ängstlich und skeptisch stellt Auggie sich den Blicken und Worten der anderen Kinder aus der Schule. Am Ende findet er jedoch den Beweis dafür, dass wahre Freundschaft nicht durch Äußerlichkeiten bestimmt wird.

Ein grandioser Kinderdarsteller

Regisseur Stephen Chbosky hält sich in "Wunder" sehr nah an die erfolgreiche Romanvorlage. Anders als im Roman, wo man die Details nur erahnen konnte, bekommt man hier nun auch einen richtigen Eindruck von Auggies Aussehen und zwar so überzeugend, dass das Make Up des kleinen Auggie für einen Oscar nominiert ist. Nach seinem grandiosen Auftritt in dem Drama "Raum", für das er 2016 mit dem Critic´s Choice Award ausgezeichnet wurde, brilliert der

Julia Roberts und Jacob Tremblay in "Wunder"
Auggie wird von seiner Mutter ermutigt

zwölfjährige Jacob Tremblay einmal mehr und muss sich vor seinen erwachsenen Kolleg*innen keinesfalls verstecken. Tremblay beweist erneut, dass er zu den wohl stärksten Nachwuchsschauspielenden überhaupt gehört. Seine Performance an der Seite von Julia Roberts und Owen Wilson, die im Film seine aufopferungsvollen Eltern spielen, ist nichts anderes als herzzerreißend.

Überzeugendes Familienkino

Aufgrund seiner Krankheit stand Auggie schon immer im Mittelpunkt seiner Familie. "Wunder" erzählt die Geschichte dabei aus mehreren Perspektiven, sodass das Publikum auch einen Einblick in das Leben seiner Eltern und seiner Schwester Via (Izabela Vidovic) bekommt, die ebenso mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben. In einer Zeit der Schönheitsideale ist "Wunder" inhaltlich natürlich aktueller denn je. Themen wie Mobbing, Freundschaft und die Betonung der Wichtigkeit innerer Werte werden alle familientauglich verpackt. Dabei trägt Stephen Chbosky hier und da etwas zu dick auf und verzichtet nicht auf eine ordentliche Portion Kitsch. Das obligatorische Happy End darf da natürlich auch nicht fehlen und "Wunder" gibt sich alle Mühe, auf die Tränendrüsen des Publikums zu drücken. Vielleicht verkommt die Lösung der Probleme etwas zu sehr zu naivem Wunschdenken, denn die traurige Realität sieht bekanntlich häufig ganz anders aus.

Am Ende ist "Wunder" aber mit seiner Mischung aus komischen und ergreifenden Szenen ein absolut unterhaltsamer und routiniert inszenierter Familienfilm, der genau das bietet, was im Vorfeld zu erwarten war. Ganz nebenbei geht die emotionale Geschichte mit seiner Anti-Mobbing-Botschaft für sein junges Publikum mit gutem Beispiel voran. Nur folgerichtig, dass die einfühlsame Erzählung besonders im englischsprachigen Raum mittlerweile fester Lesestoff im Unterricht geworden ist. Der enorme Erfolg im Kino bestätigt die Tatsache, dass das Konzept der Geschichte voll aufgegangen ist.

 

Fazit

"Wunder" ist ein ebenso witziger wie berührender Film, bei dem man sich auf jede Menge Kitsch einstellen muss, der aber mit seiner eindringlichen Botschaft, der warmherzigen Inszenierung und einem überwältigenden Kinderdarsteller ein absolut sehenswerter Familienfilm geworden ist.

Jenny Becker über "Wunder"
 

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Janick Nolting, Jenny Becker
15.02.2018 - 12:57
  Kultur

Wunder

Regie: Stephen Chbosky

Laufzeit: 114 Minuten

FSK 0

Cast: Jacob Tremblay, Julia Roberts, Owen Wilson, Izabela Vidovic, Mandy Patinkin und andere

Kinostart: 25. Januar 2018

Der Film erscheint am 28. Mai 2018 auf DVD und Blu Ray im Vertrieb von Studiocanal.