Arbeitsmarkt

Das Klischeebild vom Rollstuhlfahrer

Mit diesem Montag ist die Woche für Menschen mit Behinderung bundesweit gestartet. In Leipzig wird sie von der Agentur für Arbeit veranstaltet – die Behörde möchte mehr Menschen in den Arbeitsmarkt vermitteln.
Behindertenparkplatz
Die meisten denken beim Thema Behinderung an Rollstuhlfahrer, sagt Hermann Leistner.

Vor allem wolle die Agentur mit der Woche Arbeitgeber für das Thema sensibilisieren, erklärt Pressesprecher Hermann Leistner. Bei den Begriffen Behinderung und Arbeit komme oft nur eine Gruppe in den Sinn:

Jeder von uns denkt häufig an den Rollstuhlfahrer.

Hermann Leistner, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Leipzig

Dabei gibt es, wie Leistner betont, Menschen mit ganz unterschiedlichen Handicaps, so zum Beispiel Schwerhörige oder Taubstumme. Doch gerade diese Menschen bringen ihm zufolge eine besondere und starke Motivation mit, zu arbeiten. Leistner sieht ebenso das Potenzial für Firmen, dem oft beklagten Fachkräftemangel zu begegnen. Viele Menschen mit kleinen Handicaps, wie er sagt, könnten die Fachkräfte von morgen sein. Die Unternehmen müssten sich darum jetzt kümmern.

Endstation Behindertenwerkstatt?

Bedenken zur Woche für Menschen mit Behinderung äußert Antje Barten vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen. Es müsse genau geschaut werden, wohin diese Menschen vermittelt werden, so Barten.

Es ist oft so, dass Menschen mit Behinderung als schwer vermittelbar gelten.

Antje Barten, Antidiskriminierungsbehörde Sachsen

Die meisten würden dann in eine Behindertenwerkstatt gehen. Von dort sei es laut Barten äußerst schwer, wieder auf den freien Arbeitsmarkt zu gelangen. Sie verweist dafür auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag, die ergeben hat, dass weniger als ein Prozent der Menschen in solchen Werkstätten auf dem freien Arbeitsmarkt Fuß fassen konnten.

Gerade bei ihrer Arbeit im Antidiskriminierungsbüro erlebe Barten es oft, dass Menschen wegen ihrer Behinderung abgelehnt würden. Das Büro unterstützt sie dann bei einer Beschwerde oder rechtlichen Schritten. Denn nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz darf niemand aufgrund einer Behinderung benachteiligt werden. Barten sieht noch Luft nach oben. Arbeitgeber würden ihre Möglichkeiten zur Förderung von Menschen mit Behinderung nicht ausschöpfen oder gar davon wissen und zudem oft nur in Vorurteilen denken.

Mehr Informationen können Sie hier nachhören: 

Der Bericht von Hannes Berger zur Woche für Menschen mit Behinderung
2711 Woche Behinderung
 

Kommentieren