Landtagswahlen 2019

Das keifende blaue Gespenst

In Sachsen geht das Blauschwarze Gespenst um und es kommt wie erwartet, die AFD gewinnt stark dazu. Aber nicht genug um in die Regierung zu kommen. Der Live-Kommentar von Chefredakteur Moritz Maria Lünenborg am frühen Wahlabend.
Sachsen hat gewählt.
Sachsen hat gewählt.

Der Kommentar zum Nachhören:

Live-Kommentar von Chefredakteur Moritz Maria Lünenborg zum schwarzblauen Gespenst
Live-Kommentar von Chefredakteur Moritz Maria Lünenborg zum schwarzblauen Gespenst

Die Volksparteien sind doch nicht Tod, die CDU ist wieder stärkste Kraft geworden. Die Sachsen haben gespürt, dass es um viel geht. Und 65 % der Bevölkerung sind wählen gegangen. Wahlkampf Themen waren Strukturwandel und Ausbau der Infrastruktur. Komplexe und wichtige Themen, die jedoch von Gefühlen überlagert wurden. Viel mehr als um Sachfragen ging es darum, über die Richtung zu streiten. Die Richtung in die es für Sachsen, in die es für Deutschland gehen soll. Dabei spielten Bundesthemen eine wichtige Rolle. Migration und Sicherheit waren für die Gefühlslage vieler Sachsen wichtig. Obwohl Sachsen ein sicheres Land ist und obwohl der Ausländeranteil bei knapp 5 % liegt. Und auch wenn Sachsen wirtschaftlich prosperiert, fühlen sich viele abgehängt. Ja, da wären wir wieder bei der Infrastruktur.

Gefühle statt Fakten

Aber scheinbar geht es in der sächsischen Politik gerade nicht um Fakten. Sondern, noch mal, um Gefühle. Und die weiß die AfD geschickt zu lenken und auszunutzen. Ängste schüren und sich als Protestpartei inszenieren, damit punktet die AfD auch in Sachsen. Verbindungen in die Naziszene tun ihrer Beliebtheit keinen Abbruch. Die Radikalisierung der Partei und auch ihre mangelnde Kompetenz, wenn es wirklich um die Sache geht, scheint nicht zu stören. Es geht ja um Protest, um Gefühle. Die werden aber nicht nur von Rechtsaußen bestimmt, sondern auch links von der Mitte. In Sachsen ist nicht nur der kaum gezügelte Hass - mit Schaum vor dem Mund - en vogue, sondern auch ein lauschiges Wohlgefühl. Die Rede ist von den Grünen, dem Gegenpol zur AfD. Denn zwischen den beiden Parteien gibt es keine Überschneidungen, weder Thematisch noch beim WählerInneklientel. Die Grünen liefern das wärmende Gefühl für das aufgeklärte Bürgertum. Sie werden aber scheinbar nur Juniorpartner neben der CDU. Ihre Unbestimmtheit hat in Sachsen doch nicht zum ganz großen Erfolg geführt. Jetzt in die Regierungsverantwortung zu gehen wird schwierig für die Grünen. Sie haben Veränderung versprochen und müssen sie jetzt vielleicht liefern. Denn die SPD als anderer möglicher Koalitionspartner befindet sich im freien Fall. Also Schwarz-Grün für Sachsen, ob das die Gefühlslage der Sachsen beruhigt, ist fraglich. Gerade die Grünen sind oft genug das Hassobjekt der AfD Rhetorik.

Das Gespenst spukt weiter

Selbst die Hoffnungen von Links hängen jetzt also an Michael Kretschmer und der CDU. Ihre Aufgabe wird es sein das nunmehr blaue Gespenst im Schach zu halten, denn auch in der Opposition bleibt die AfD ein Machtfaktor im Freistaat. Die Hoffnung bleibt, dass viele Sachsen wieder lernen, sich vor keifenden Gespenstern zu fürchten und nicht mehr in die Populismusfalle laufen.

 

Kommentieren