Das lange Interview mit Helge Hommes

"Das ist eine Besessenheit"

Eigentlich malt er zwar vor allem Bäume, aber aktuell widmet sich der Künstler Helge Hommes der "sozialen Plastik". Mit Hilfe von Leipzigern, die ihren Sperrmüll bei ihm abgeladen haben, hat er die "Sperrmüllkathedrale" in der alten Post gebaut.
Helge Hommes
Der Künstler Helge Hommes sitzt in seinem Kunstwerk

Als Helge Hommes mit der Kunst anfing, war er jung und wütend. "Ich wäre fast in den Untergrund gegangen", erzählt er uns. Der Ausweg: das Malen. Er lernte, seine politische Energie in Kunst umzuwandeln, arbeitete tagsüber als Straßenmaler und malte nachts das, was ihn wirklich interessierte: gesellschaftskritische Bilder, die er im Selbststudium immer weiter ausarbeitete. Aber ein Kunst-Studium? "Das kam für mich überhaupt nicht infrage – es war nicht notwendig!"

Das Unmögliche möglich machen

Und dann kamen die Bäume. Sie ziehen sich durch seine sämtlichen Werke, tauchen überall auf. "Es ist eine Besessenheit", sagt Hommes. Und ein Rettungsring: "Die Menschen rasen seit Jahrtausenden auf die Bäume zu und suchen ein Orakel, das tue ich auch." Obwohl er jahrelang versucht hat, auch nur einen bestimmten Baum malerisch einzufangen, hält er es selbst für unmöglich, die Natur genau so darzustellen, wie sie ist. Aber gerade das "Bewusstsein, etwas zu versuchen, obwohl man es nicht kann" treibe ihn an, es weiter zu probieren.

"Alles ist Form"

Auch sein neuestes Projekt, das "Ur-Licht", stellt einen Baum dar: einen begehbaren Mammutbaum, der die Lobby der Alten Post ausfüllt und durch die Decke zu wachsen scheint. Hell ist es in der "Sperrmüllkathedrale", denn die Wände sind weiß gestrichen und gänzlich aus Sperrmüll zusammengeschraubt. Dabei bestehen die Wände nicht nur aus Brettern – denn die Leipziger, aufgefordert, ihren Sperrmüll bei Hommes vorbei zu bringen, schleppten auch mal alte Videokassetten, eine Kuckucksuhr oder eine Badewanne an.

Wie er die verbaut hat, was aus "seinem" Modell-Baum geworden ist und was im "Manifest" steht, hat er uns im langen Interview erzählt.

 

Helge Hommes spricht über die Einheit von Kunst und Leben, seine Baum-Besessenheit und sein "Ur-Licht"

Redaktion: Caro Bernert, Maxim Mladzinau, Paula Wittenberg

m19 mit Helge Hommes
 

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Paula Amy Wittenberg
16.10.2014 - 18:04
  Kultur

Wer Helge Hommes besuchen möchte, findet ihn vielleicht im "Ur-Licht" in der Alten Post. Die Ausstellung hat noch bis Anfang November geöffnet und kostet keinen Eintritt.