Datentracking im Alltag

Das Geschäft mit unseren Daten

Wer im Internet surft, soziale Medien nutzt oder sich am Smartphone den Weg weisen lässt, gibt Daten von sich preis. Aber in welchen Situationen hinterlassen wir im Alltag sonst noch Spuren und wie funktioniert das Geschäft mit den Daten eigentlich?
Sobald wir mit dem Internet verbunden sind, werden ständig Daten über uns gesammelt
Sobald wir mit dem Internet verbunden sind, werden ständig Daten über uns gesammelt

In unserem Alltag geben wir ständig eine Unmenge an persönlichen Daten über uns preis. Mangelndes Wissen über die Vertragsbedingungen sind häufig der Grund für die leichtfertige Datenfreigabe. Mittlerweile werden unsere Daten sogar getrackt, während wir mit dem Leihrad durch Leipzig fahren, denn für viele Unternehmen ist der Handel mit unseren Daten zur wahren Goldgrube geworden.

Was sind eigentlich „Daten“?

Darauf gibt es keine einfache Antwort. In der DSGVO heißt es, dass „personenbezogene Daten“ alle Informationen sind, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen.

Laut Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement, geben wir diese Informationen im Alltag ständig preis, sobald wir mit dem Internet verbunden sind:

Das passiert häufig gar nicht absichtlich oder bewusst. Beispiel Smartphone in der Tasche - dort können Bewegungsdaten aufgezeichnet werden, dort kann aufgezeichnet werden wann, wie oder wie oft ich mit dem Smartphone interagiere. (...) Das sind die berühmten „Datenspuren“ die wir hinterlassen. (...) Und die fallen auch an, wenn mein Auto mit dem Internet verbunden ist, oder ein Fahrrad das ich leihe. 

Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement 

Für wen sind diese Daten interessant?

Neben Akteuren wie Regierungen oder Sicherheitsdiensten haben laut Hoffmann vor allem auch Werbetreibende Interesse an personenbezogenen Daten. Denn mit den detaillierten Informationen über die Kunden können zielgenaue Kundenprofile erstellt werden und so auch ganz individuell Werbung geschaltet werden. Dabei sind letztendlich alle Bereiche unseres Alltags von Bedeutung:

Je mehr Datenpunkte wir preisgeben, desto realistischer sind die Profile, die über uns erstellt werden können. Wenn man weiß, wann ich ins Bett gehe, wann ich aufstehe, was ich zum Frühstück esse, welche Zahnpasta ich verwende, wie lange ich zur Arbeit brauche – alles das sind Informationen, die für irgendeinen Werbetreibenden von Interesse sein können.

  Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement 

Datenspuren im Alltag

In Leipzig boomen gerade die Fahrradverleihsysteme. Überall stehen die bunten Fahrräder an Kreuzungen und können per App geliehen werden. Aber auch hier haben die Anbieter zahlreiche Möglichkeiten, Daten über ihre Kunden zu sammeln.

Leihfahrräder in Leipzig
Leihfahrräder stehen in Leipzig an jeder Ecke. Foto: Paula Christoph

Bei der Registrierung müssen Grunddaten angegeben werden. Dazu gehören Name, Telefonnummer, Kontodaten etc. Bevor es losgehen kann, muss außerdem die Geolokalisierung aktiviert werden. Durch diese Einstellung hat der Anbieter die Möglichkeit, neben den persönlichen Daten auch Standortdaten oder im Zweifel sogar Bewegungsprofile zu speichern.

Zwar sind diese Daten auf den ersten Blick für manche vielleicht kein Geheimnis, in der Summe geben die Daten aber Informationen darüber preis, wohin man fährt, wo man einkauft, gerne isst, wo man wohnt und wo man arbeitet. Und mit genau diesen Daten können dann Persönlichkeitsprofile erstellt werden, die für Werbetreibende Gold wert sind.

Daten als Währung?

Daten als Währung?
Daten als Währung?

Bike Sharing ist wie viele andere Angebote, die wir Online und per App nutzen, sehr günstig. Für eine halbe Stunde Fahrspaß bezahlen die Nutzer und Nutzerinnen gerade mal 50ct bis 1,50 €. Studierende fahren in Leipzig in der ersten halben Stunde sogar kostenlos.

Bezahlen wir in manchen Bereichen unseres Alltags vielleicht nicht mehr nur mit klassischem Geld, sondern auch mit unseren persönlichen Daten? 

Das ist definitiv so. Google könnte seine Dienste sonst so nicht anbieten. Natürlich sind die teilweise werbefinanziert, aber diese Werbefinanzierung funktioniert nur, weil Google so viele Daten hat und deswegen anderen Unternehmen zielgerichtete Werbung anbieten kann

Jan Marschner, Fachanwalt für IT-Recht und Datenschutzbeauftragter

Auch Christian Hoffmann sieht den Tausch der Daten gegen Dienstleistungen als passenden Vergleich zu einer Währung. Als direkte Zahlungsmittel könne man Daten im Internet jedoch nicht sehen: 

Ein Bezahlen mit Daten ist es nur bedingt, da wir 1. häufig gar nicht wissen, dass wir diese Daten hinterlassen und das nicht absichtlich tun (...). Und 2. sind die Daten ja auch nicht wirklich weg. Wenn man 10€ ausgibt, hat man die 10€ nicht mehr. Aber wenn Sie einen Namen irgendwo eingeben, dann besitzen Sie den Namen ja immernoch. 

Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement 

Wie kann und sollte ich mich schützen?

Wer seine Daten schützen möchte, sollte immer nur das preisgeben, was für die Nutzung zwingend erforderlich ist. Schon beim Download der App sollte man darauf achten, nicht zu viele Häkchen zu setzten und dem Dienst unnötige Rechte an privaten Informationen zu geben.

Ich muss mir im Klaren sein, wo ich Daten preisgebe und wie diese weiterverarbeitet werden. Grundsätzlich muss jedes Unternehmen und jeder Verantwortliche, der die Daten verarbeitet - also erhebt, speichert oder in irgendeiner Form nutzt - den Betroffenen, also die natürliche Person, bei Erhebung der Daten informieren.

Jan Marschner, Fachanwalt für IT-Recht und Datenschutzbeauftragter 

 

Datenschutz

Es lohnt sich also, die Geschäftsbedingungen der Unternehmen zu prüfen und auch das Kleingedruckte zu lesen.

Nutzerinnen und Nutzer werden außerdem auch durch rechtliche Vorgaben geschützt. Ein sogenannter „Gummiparagraph“ gebe den Unternehmen dabei aber Spielraum, die Vorschriften zu umgehen:

Wir haben gleichwohl

einen Gummiparagraphen. Das heißt, wenn das Unternehmen ein berechtigtes Interesse hat und der Eingriff in die Rechte und Freiheiten der betroffenen Person nicht gegenüber dem berechtigten Interesse überwiegt, dürfen Daten verarbeitet werden.

Jan Marschner, Fachanwalt für IT-Recht und Datenschutzbeauftragter 

Das sei kritisch, denn ein berechtigtes Interesse habe ein Unternehmen ja eigentlich immer, da es den Absatz und Vertrieb steigern möchte. Auch in dem Merkblatt eines Leipziger Fahrradverleihanbieters steht so beispielsweise, dass die Daten der Kunden und Kundinnen an Dritte weitergegeben werden, was damit begründet wird, dass ein berechtigtes Interesse an Direktwerbung besteht. Ein Punkt, der laut Marschner zwingend verändert werden sollte.

Insgesamt muss sowohl von Seiten der Anbieter, als auch von Seiten der Politik noch vieles getan werden, um die Daten der Nutzerinnen und Nutzer angemessen zu schützen. Bis dahin sind die Nutzerinnen und Nutzer gefragt, ihre Einstellungen zu überprüfen, die richtigen Häkchen zu setzen und die Möglichkeiten zum Datenschutz zu nutzen, die sie haben.

Der Betrag zum Nachhören:  

Das Geschäft mit unseren Daten - ein Beitrag von Paula Christoph
Datentracking

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Weiterführende Infos:

Mehr Infos zum Thema Datenverarbeitung zu Werbezwecken hier

Der "Gummiparagraph" zur Interessenabwägung aus der DSGVO hier

Für die Zukunft gibt es Hoffnung:

Vorausichtlich Ende 2019 soll die e-Privacy-Verordnung in Kraft treten. Vor allem das Speichern und Weiterverarbeiten personenbezogener Daten im Internet soll damit stärker reguliert werden. Mehr Infos dazu hier