euro-scene 2015

Das Fenster nach Europa weit aufmachen

Das Festival zeitgenössischen Theaters und Tanzes findet dieses Jahr zum 25. Mal in Leipzig statt. Zu diesem Anlass sprachen wir mit Festivalleiterin Ann-Elisabeth Wolff und Michael Freundt, Mitarbeiter am internationalen Theaterinstitut Berlin.
Die Installation "Transforming Acts" kann man kostenfrei auf der euro-scene besuchen

Das Fenster nach Europa weit aufmachen

Das sind die Worte mit der die Festivalleiterin Ann-Elisabeth Wolff, die euro-scene immer wieder beschreibt. Erstmal ein schönes Bild, aber es ist auch das, was dieses Festival von Beginn an ausgemacht hat. Das erzählt Michael Freundt, Mitarbeiter am internationalen Theaterinstitut Berlin und langjähriger Begleiter der euro-scene.

Michael Freundt erklärt, was das Festival ausmacht
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1991 fand die euro-scene unter der Leitung von Matthias Renner zum ersten Mal statt. Dabei baute er auf ein Festival auf, das während der DDR junges Theater in Leipzig präsentierte und bereits zeigte, dass hier reges Interesse herrschte. Ein Grund dafür ist bis heute die breite Studentenschaft. Doch in all den Jahren kam es immer wieder zu drastischen Einschnitten, erinnert sich Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff. So ist kurz nach der Gründung der damalige Direktor überraschend verstorben.

Ann-Elisabeth Wolff über die Situation nach dem Tod des ehemaligen Direktors der euro-scene, Matthias Renner
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Seitdem bestimmt sie die Ausrichtung des Festivals. Sie reist durch Europa, sieht sich zahlreiche Stücke an und entscheidet, welche Stücke in den nächsten Jahren eingeladen werden sollen. Dabei müssen die Stücke irgendwie national und international zugleich sein.

Ann-Elisabeth Wolff spricht über den nationalen Bezug und die europäische Verständlichkeit der Stücke
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Diese Auswahl wird für die Festivaldirektorin immer schwieriger. Ein Problem ist die zunehmende Globalisierung: Die Künstler reisen selbst viel, sodass Tanz aus Osteuropa trotzdem nach Frankreich aussieht. Die Stücken sollen eben auch in allen Ländern funktionieren. Doch die Auswahl wird immer schwieriger.

Es wird immer schwieriger, gute Stücke zu finden, so Wolff
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Vielleicht greift die euro-scene deswegen oft auf alte Bekannte zurück. Zum 25. Jubiläum in diesem Jahr steht die Retrospektive im Vordergrund. Eine Video-Installation stellt vergangene Performances nebeneinander. Das Erfolgsstück Rosas danst Rosas von 1983 ist bereits zum zweiten Mal zu Gast. Wolff hebt besonders den Künstler Romeo Castellucci hervor, den sie für seine kompromisslose Arbeit schätzt. Und natürlich sind auch unbekanntere Künstler aus Osteuropa zu Gast, wie die Bela Pinter mit Titkaink aus Ungarn. Doch bei aller Freude am Theater wollen die Künstler für ihre Arbeit bezahlt werden. Hier liegt der zweite große Einschnitt in der Geschichte der euro-scene.

Direktorin Ann-Elisabeth Wolf erklärt die Sponsoren-Situation
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Seitdem ist das Festival eher erfolglos auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Derzeit ist der Hauptgeldgeber die Stadt Leipzig, die sogar deutlich mehr gibt als der Freistaat Sachsen. Hier befürchtet die Festivalleitung sogar Kürzungen. Immer steht die Frage im Raum, ob die euro-scene als weiteres Festival nötig ist. Immerhin gibt es eine reichhaltige Angebot in Leipzig und die Reise zu anderen Festival ist kein Problem mehr. Michael Freundt meint aber dennoch, dass die euro-scene einzigartig ist. Denn sie bringt ganz Europa in Leipzig zusammen.

Michael Freundt über euro-scene: Europa in Leipzig
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Natürlich steht das auch für Festivalleiterin Ann-Elisabeth Wolff außer Frage. Und obwohl sie auch andere Angebote bekommen hatte, wollte Sie weiter für das Leipziger Publikum da sein. Mindestens bis zum 30. Jubiläum will sie noch weitermachen, doch wie es danach weitergeht, weiß noch keiner.

 

 

 

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Thilo Körting
04.11.2015 - 16:34
  Kultur

Mehr Informationen rund um das euro-scene Festival finden sie hier.