Filmkritik

Das Ende der Wahrheit: Action beim BND

Ein deutscher Genrefilm im Politthriller Gewand. Regisseur Philipp Leinemann wagt mit „Das Ende der Wahrheit“ die Erzählung über geheime Verstrickungen des Bundesnachrichtendienstes.
Szene aus "Das Ende der Wahrheit"
BND-Mitarbeiter Martin Behrens und die Journalistin Aurice Köhler auf einer Sicherheitskonferenz

„Vielleicht kann ich die Wahrheit finden, indem ich die Lügen vergleiche.“

Leo Trotzki

Mit diesem Zitat beginnt „Das Ende der Wahrheit“ und wirft die Zuschauenden in die Arbeit des BND-Mannes Martin Behrens. Der von Ronald Zehrfeld gespielte Experte für den Raum Zentralasien, begleitet als vermeintlicher Übersetzer das Gespräch mit einem Asylbewerber. Statt einfach nur die Worte des Mannes wiederzugeben, setzt Martin diesen unter Druck, um an geheime Informationen heranzukommen. Im Gegenzug verspricht er dem jungen Mann eine Aufenthaltsgenehmigung. Die erpressten Informationen führen im weiteren Verlauf zu einem Drohnenangriff der USA, bei dem der Miliz-Chef Al-Bahiri getötet wird. 

Große Ambitionen

Gleichzeitig erzählt der Politthriller von einer Affäre des BND-Mitarbeiters Behrens mit der Journalistin Aurice Köhler (Antje Traue). Für Behrens eine Bekanntschaft, die geheim gehalten werden muss, da die Sicherheitsstandards seines Berufs den Kontakt eigentlich verbieten. Die Journalistin ist zudem einer großen Geschichte auf der Spur und versucht Verstrickungen des BND mit der Waffenlobby offenzulegen. Nach einigen unbequemen Fragen während einer Pressekonferenz des Bundesnachrichtendienstes, wird Köhler Opfer eines Terroranschlags auf ein Münchener Restaurant. Folgenreich für Behrens. Denn durch den Tod seiner Geliebten, rückt er in die Rolle des Privatermittlers.

Szene aus "Das Ende der Wahrheit"
Axel Prahl und Alexander Fehling als BND-Mitarbeiter

„Das Ende der Wahrheit“ greift große Themen auf, um diese zu einem undurchsichtigen Netz zu verstricken. US-Drohneneinsätze, die Zusammenarbeit von BND-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit der Waffenlobby und eine dubiose Firma namens „Global Logistics“, werden alle gemeinsam in den großen Topf der Verwirrung geworfen. Zudem werden die privaten Ermittlungen von Behrens innerhalb des eigenen Hauses durch den jungen Bürokraten Patrick Lemke (Alexander Fehling) behindert.

Buckelige Größe

Alexander Fehling gelingt es, seiner Figur eine passende Arroganz und Reserviertheit zu verleihen, die den Gegenpol zu Behrens bildet, ohne dabei die Charakterentwicklung außer Acht zu lassen. Lemke schafft die Entfaltung vom buckeligen Karrieristen hin zum Kollegen mit Rückgrat. Leider bleibt das Drehbuch weit hinter den schauspielerischen Qualitäten des Films zurück. So verstrickt und teilweise undurchschaubar die Handlungsstränge des Politthrillers wirken, so plump ist am Ende die Auflösung. Eine Vielzahl an eindimensionalen Gegenspielenden wird in den Ring geworfen, wodurch die Geschichte riesig aufgeblasen erscheint, um letztlich aber in einer großen Wolke der Belanglosigkeit zu verpuffen.

Dabei ist „Das Ende der Wahrheit“ im Ansatz durchaus gelungen inszeniert. Kühle Farben vermitteln ein angespanntes Bild innerhalb der BND-Räume. Leider setzt sich die erzählerische Belanglosigkeit gegen Ende auch inszenatorisch fort. Statt plausible und kreative Ansätze für eine Auflösung der Verquickungen zu liefern, setzt der Film lieber auf halbgare Schusswechsel und gewollt heroische Todesszenen.

 

Fazit

Philipp Leinemanns Mut, einen deutschen Genrefilm im BND-Umfeld mit renommierter Besetzung zu drehen, ist ihm hoch anzurechnen. Letztlich sind es aber nur vereinzelte Darbietungen, die in Erinnerung bleiben. Statt die Handlung von „Das Ende der Wahrheit“ gekonnt zu Ende zu erzählen, setzt der Film lieber auf wenig spektakuläre Actionszenen.

 

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Das Ende der Wahrheit

Kinostart: 09. Mai 2019

FSK 16

Laufzeit: 105 Minuten

Regie: Philipp Leinemann

Drehbuch: Philipp Leinemann

DarstellerInnen: Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Claudia Michelsen, Antje Traue, Axel Prahl, August Zirner und weitere