Die Kolumne

Das buchstäbliche Sommerloch

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Felix Krause über New York City, Kita Plätze und das Potential der Hitze.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Das buchstäbliche Sommerloch - die Kolumne von Felix Krause
Das buchstäbliche Sommerloch - die Kolumne von Felix Krause

Puh, ist das warm. Temperaturen um die 30 Grad und das über Tage und Wochen. Da wünscht man sich doch mal hitzefrei. Also, dass alles einfach mal still steht. Dass alles ganz entschleunigt abläuft. Und vor allem: dass alle vollkommen d'accord damit sind. Und ich denke mir: Mensch, das gab es doch schon mal. Und zwar in New York City. Da gab es im Juli 1977 einen Stromausfall, der 25 Stunden währte. 25 Stunden, in denen keine Bahn fuhr, keine Ampel funktionierte, kein elektrisches Licht eingeschaltet werden konnte. Ein Sommerloch der Dunkelheit. Aber so richtig ruhig war es da ja auch nicht...

Riesige Plünderungen.

Massenverhaftungen.

Über 1000 Feuer wurden gelegt.

Gewalt.

Unruhen.

Der Tag gilt bis heute als eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte New Yorks.

Na gut. Aber trotzdem hat der große Stromausfall auch eine sehr interessante kulturhistorische Seite.

Und zwar?

Weil unter den massenhaften Plünderungen und Diebstählen auch auffällig viel DJ-Equipment war. In den späten 70er Jahren war im New Yorker Stadtteil Bronx die Wiege des Hip Hop. Aber das nötige Zubehör war teuer. Und der Stromausfall markiert wirklich und nachweislich ein riesiges Wachstum der Jugendkultur. Und jetzt stellen wir uns doch mal vor, in Leipzig würde für einen Tag der Strom ausfallen. Vielleicht würden sich viele Probleme der Stadt dann anarchistisch selbst lösen!

Die Hitze löst bei Felix Krause tolle Gedankenspiele aus.
Die Hitze löst bei Felix Krause tolle Gedankenspiele aus.

Aha...

Was ist denn ein beliebtes Problem in Leipzig? Kita-Plätze! Wenn in Leipzig einen Tag lang Stromausfall, Dunkelheit und Selbstjustiz herrschen würden. Dann könnten Eltern doch nachts ganz einfach in die Kita ihrer Wahl einbrechen. Und dort vielleicht einen Stuhl oder ein Kissen oder einen Teppich einstecken und Zack, hätten sie einen Kita-Platz.

Sehr witzig.

Oder in der anonymen Dunkelheit könnte noch eben ein Champions League Platz für RB Leipzig geklaut werden. Oder günstige LVB Tickets. Oder es könnten Wohnungen besetzt werden, um den steigenden Mieten entgegenzuwirken oder oder oder... Und so wäre Leipzig trotz riesiger Siesta äußerst produktiv und hätte ein paar Probleme weniger. Leipzig würde in ein Loch fallen. Das buchstäbliche Sommerloch als Beet für die Wurzeln von Hypezig.

Wäre, wäre Fahrradkette.

Wer weiß. Denn ein Aufstand der Leipzigerinnen und Leipziger steht auch so bevor. Die LVZ schreibt anlässlich der Hitze und Trockenheit: „Droht ein Grillverbot im Clarapark?“

WAAAAS?!

… um im Absatz darunter zu entwarnen: „Ein zeitweises Grillverbot sei [...] vorerst nicht geplant“. Glück gehabt.

Puh...

Denn beim Grillen hört der Spaß auf. Wahrscheinlich wird sich beides nicht bewahrheiten. Also ein großer Stromausfall in Leipzig, genausowenig wie Schlagzeilen der LVZ. Und so bleibt das buchstäbliche Sommerloch einfach nur das Sommerloch.

 

Kommentieren

Felix Krause
06.07.2018 - 13:30